Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1887)
- Article
- An unsere Brüder in Amerika
- Date
- 1887-06-30
- Page
- 404 (sequence 2)
- Language
- German
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404 fiir die Förderung und Pflege wahrhaft jüdischen Geistes und Lebens in Amerika zu bewirken. Sie sahen sich gezwungen, auf die Schaffung großer Institutionen zu verzichten und sich auf das Allernothdürftigste zu deschränken, was eben hinreichte, sich selbst eine Existenz ohne Verletzung des Gesetzes zu sichern. Sie konnten nicht mehr unternehmen, als eine Anzahl von kleinen Vereinigungen für die Schaffung des unentbehrlichsten religiösen Bedürfnisses zu gründen. In demselben Maße wie die Einwanderung mehrten sich diese kleinen Genossenschaften. Eine jede hatte nur das Nächstliegende im Auge: ein Minjan, einen Lehrer, Vorbeter, Schächter. Aber es mangelte an Energie und Verstäudniß, um das Ziel höher zu stecken, um etwas Größeres, Allgemeineres zu erstreben, um in der neuen Heimath die Brüder allesammt zu vereinen und in einmüthiger Begeisterung für das Allgemeine ein großes, bleibendes Werk zu schaffen zum Heile des amerikanischen Israel. Für unfern Zweck hier genügt ein Ausblick auf unsere Brüder in Newyork, dem amerikanischen Jerusalem. Hier befinden sich mehrere Zehntausende russischer, galizischer und rumänischer Juden und unter ihnen, Gottlob, eine nicht geringe Anzahl wahrhaft aufrichtiger, gottessürchtigcr, gesctzestreuer Männer. ES sind hier auch durchaus zuverlässige שוחטים, wie überhaupt die für ein gewissenhaft frommes Leben nach den Satzungen des Judenthums unentbehrlichen Institutionen zu finden sind. Man stellt sich in Europa kaum vor, daß cS in Newyork Bothe Midrasch, Vereine zum regelmäßigen ״Lernen" giebt, daß hier täglich von einer nicht geringen Anzahl Juden eifrig משנה ,מקרא, ja selbst גמרא .,gelernt" wird, und daß hier auch Prediger des wahren Iudenthums das Wort der Belchrnng und Ermahnung reden. Bor einigen Jahren wurde hier auch ein Lehrhaus eröffnet, in welchem nach russich-jüdischer Weise Knaben unterrichtet werden, ja wo auch גמרא gelehrt wird. Diese Talmud-Thora-Schule hebt sich von Jahr zu Jahr. An ihrer Spitze steht der hochachtbare und wirklich fromme Herr Nosenthal, welcher an den wackern Mitgliedern der Direktion die kräftigste Unterstützung findet. Ein wahrhaft jüdischer Geist waltet in dieser Schule. ES wird ernst und tüchtig ,,gelernt"; nicht in homöopathischen Dosen nach moderner Art, sondern ganz gehörig und gründlich תנ״ך mit Erläuterungen und Talmud. Hocherfreut waren wir auch durch die neueste Schöpfung dieses Jahres, da eine Anzahl gottesfürchtiger Männer zusantmentrat, um sich dem Studium des Talmud ganz nach der aus den russischen ישיבות gepflegten Methode zu widmen. Diese Newyorker ישיבה besteht aus einer höhern und einer untern Abtheilung. Etwa 60 Jünglinge ״lernen" hier in des Wortes Bedcutung, dir wir hier gewohnt sind. Auch wird die englische Sprache bei ihnen gepflegt. Gerade an dieses Unternehmen knüpfen sich für uns die frohesten Hoffnungen für das Erblühen und Erstarken eines acht jüdischen Lebens und Geistes in Amerika. Wie der Kranke neu aufathmct und hoffnungsvoll in die Zukunft schaut, sobald er wieder eine Zunahme der Kräfte in sich verspürt, sobald er nur erst wiederum einige Schritte wagen darf, so ist allerdings das dis jetzt hier Erreichte nur ein Weniges Angesichts dcr großen Zahl unserer Brüder in Amerika; ein Pygmäenwerk auf den Schultern eines Titanen, aber wir können hoffen und nach Größerem und Bedeutenderem streben. (Fortsetzung folgt.) Uebcrsetzt und erläutert von Samson Nophacl Hirsch. (Fortsetzung.)!) 16. Vier Weisen giebt cö hinsichtlich der Mildthätigkeit. Wer selbst geben will, nicht aber,׳ daß Andere geben, dcr ist mißgünstig gegen das Vermögen des Andern; daß Andere geben, nicht aber, daß er gebe, der ist mißgünstig gegen das eigene; daß er und Andere geben, der ist ein Frommer; daß er und Andere nicht geben, dcr ist ein Gesetzloser. Es ist nicht ganz leicht zu bestimmen, wie das הרוצה רבו' ולא יתיו אהרים und das עינו רעה בשל אחרים und בשלו zu verstehen wäre. Es scheint, daß hier das Verwerfliche einer Ansicht gezeichnet werden soll, die cs als etwas Verdienstliches hinstellen möchte, Andere nicht zur Mildthätigkeit zu veranlassen oder gar von solcher znrückzuhalten, in der irrigen Meinung, durch dieses Zusammenhalten ihres Vermögenöstandes ihnen wohl zu thun. Eine solche Meinung weiß nicht und begreift nicht, daß das in Werken der Mildthütigkeit Verausgabte damit erst recht das Eigenthum, ja daö zum ewigen Heile bleibende Ekgenthum deö Spenders wird und das sich oder Andere Zurückhalten vom Wohlthuu nicht eine Wohlthat, sondern eine Mißgunst gegen sich und Andere ist. 2)17. Bier Verschiedenheiten giebt es hinsichtlich des inö Lchrhansgehens. Wer ins Lehr- Haus geht, aber nichts erfüllt, hat doch einen «> ארכע מדות כנותגי צדקה• היו!ה שיתן ולא יתנו אחרים עינו רעה בשל1 אחרים• יהגו אחרים והוא לא יתן עיני רעה כשיו• יתן ויתנו אחרים השיר• יא יתן ולא ייתנו אחריב רשע• 2) ארבע מרות בהולכי לבית המדרש• הולך ואינו עשה שבד הליבה בית• עשה ואינו הולך עבר מעשה בית• הוst- ועושה חפיר• לא הולך ולא עשה רשע•