Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1887)
- Article
- Rußland : Petersburg, 19. Juni [Nachricht]
- Date
- 1887-06-23
- Page
- 398 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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398 Hülfe gebeten wird, da fast alle dortigen Juden ihr Hab und Gut dabei verloren haben. Rumänien. * Man schreibt der ״Agcnce HavaS" aus Bukarest am 16. Mai: Oer Minister für Acußcre Angelegenheiten in Numünien, Herr Pherckyde und Herr von Heidlcr, Bevollmächtigter für OcsterreichUlugarn, in Abwesenheit des Grafen Golnchowski, der sich seit einigen Wochen auf Urlaub befindet, haben soeben eine höchst wichtige Konvention unterzeichnet. Rumänien und Oesterreich treffen eine Abmachung, infolge deren die letztere Macht erklärt, aus die Aus- Übung eines jeden Protektorats in Rumänien über diejenigen Personen verzichten zu wollen, die nicht der österreichischen oder ungarischen Nationalität angeboren. Einer der ersten Artikel des Traktats bedeutet, daß die Individuen, die sich zur Zeit unter dem österreichischen Schutze befinden, vor dem künftigen 1. Januar eine Opliouscrktärung oblegen müßten. Die meisten jetzigen Schützlinge, ungefähr 70,000 an der Zahl, sind Inden aus Galizien, Vcssarabien oder Polen, die das Elend aus ihrem Baterlande und die Hoffnung auf Besserung nach Rumänien trieb. Die Note sagt nicht, daß sie sowohl auf dem Lande wie in den Städten Gutsbesitzer werden dürfen. Man weiß, daß die rumänische Gesetzgebung cS den Fremden, d. h. den Juden, nicht gestattet, auf dem Lande zu wohnen und dort Häuser oder Guter zu besitzen. Die Note sagt auch nicht, welches im Allgemeinen die politische und bürgerliche Lage der Vcr- Jonen sein dürfe, die der Konvention gemäß für die rumänische Nationalität optiren. Muß man befürchten, daß 70 000 Menschen durch die Konvention in die furchtbarste Lage gcrathen, oder darf man im Gegentheil auf einen glücklichen Fortschritt der Politik Rumäniens, gegenüber den Israeliten, rechnen? Es scheint aus dieser Note hervorzugehen, daß Oesterreich-Ungarn, was kaum glaublich ist, eingcwilligt hätte, die in Rumänien desindlichcn 70000 österreichischungarischen Unterthanen zu verstoßen. Eine Stelle am Anfang der Note scheint zu besagen, daß diese öfter״ rcichisch-ungarischen liniert feinen zwischen ihrer früheren Nationalität und der rumänischen optiren müssen; weiter unten jedoch heißt cs, daß diese österreichischungarischen Unterthanen ״Rumänen werden oder Parias bleiben muffen", was bedeutete, daß man ihnen nicht die Wahl' ließe, und daß Oesterreich sie nicht mehr als seine Untcrthancn betrachte. Was wird die Lage derer sein, die für Rumänien optiren? Wird man ihnen die rumänische Nationalität gewähren, mit allen bürgerlichen Rechten? oder steht ihnen die traurige Lage derjenigen Israeliten bevor, die in Rumänien geboren und nicht naturaliftrt sind? E Jassy. Wie hierzulande wackere Soldaten behandelt werden, wenn sie Juden sind, davon weiß der Jakob Feuerstein ein gar artiges Geschichtchen zu erzählen. Seit vier Jahren dient er als ehrlicher Soldat und hat sich in seiner Kompagnie den Namen eines braven Kameraden und strammen Militärs erworben. Da steht er dieser Tage wohlgemnth in Reih und Glied, wie sichS gebührt, um von dem Herrn Oberst mit dem ganzen Regiment gemustert zu werden. Plötzlich packt ihn der gestrenge Herr Oberst vor die Brust, traftirt ihn mit furchtbaren Ohrfeigen, wirst ihn zu Boden und schreit dabei unaufhörlich: So will ich mein Regiment von dem jüdischen Aussah reinigen! Australien. * Sidrrcy, im Mai. Die jüdische Gemeinde von Ncr!-Süd-Wa!cs hat der Königin von England die folgende Adresse in einer prachtvollen und kostbaren Ausstattung gewidmet: Kegina et Imperatrix! Möge es Ew. Majestät gefallen, wenn wir uns ehrfurchtsvoll in Vertretung der gehorsamen und treuen Untcrthancn Ew. Majestät, der jüdischen Gemeinde von Neu-Süd-Walcs, nahen, mti den Ausdruck unserer unbegrenzten Dankbarkeit und unsere herzlichsten Glückwünsche dafür darzubringen, daß cS Ihnen durch Gottes Gnade vergönnt ist, das. Jubiläum Ihrer glorreichen Negierung zu feiern — einer Negierung, die besonders ausgezeichnet ist durch die Einsi'chrung der gesellschaft׳ liehen und religiösen Gleichheit aller Klassen und Glaubensbekenntnisse der Unterthanen Ew. Majestät in dem britischen Reiche. — Mit tiefer Dankbarkeit gegen Ew. Majestät für die wanne Theilnahme und Ermuthigung, die Sie so kräftig und huldvoll der liberalen und erleuchteten Negierung gewährt und mit dankbarer Würdigung für die ausgezeichneten Männer, die eifrig und erfolgreich die allgemeine Gleichheit der Bürgerschaft in Ihren Gebieten vcrthcidigt haben, vergleichen wir freudig die strengen und ungerechten Schwierigkeiten, unter welchen die Bekenner unseres Glaubens bei der Thronbesteigung Ew. Majestät litten, mit der vollständigen Freiheit, die sie jetzt unter Ihrer gesegneten und toleranten Regierung genießen. Wir versichern Ew. Majestät mtterthänigst der tiefgewurzettcn und unwandelbarsten Treue Ihrer jüdischen Untcrthancn in Australien für Ihre Person und Krone, und flehen inftanMgft zu -cm Gotte Israels, daß Er Seine unbegrenzten Segnungen auf Ew. Majestät und die königliche Familie herabscnden