Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1887)
- Article
- Ein Attentat auf das jüdische Ehegesetz
- Date
- 1887-06-16
- Page
- 377 (sequence 1)
- Language
- German
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M 24. 377 Jeschnrm«. Ein Atientlit auf das jildrschk Eljkgkskd. v Rotterdam, im Juni. Welch traurige Zustände durch die Regellosigkeit hcrbeigcführt werden, nur welcher in Deutschland jeder Vchrcr sich die Freiheit, Trauungen zu vollziehen, aumaßt, davon gicbt solgcndcr Fall einen klaren Beweis, und cS wäre an der Zeit, ernstlich an Abbülfe zu denken, עוצר עצה! Die Sache verhält sich solgcndermaßcn: Ein ממוד wollte hier eine בשדה Heirat Heu. llnfcr verehrter Overrabbincr, Herr!)!׳. Ni tter, verweigerte natürlich nicht nur die Trauung, sondern sorgte auch dafür, daß weder in Holland noch in Belgien sich Jemand fand, der diese rcligionswldrigc Verbindung sanktionirte. Doch was geschah? Eines TagcS erfuhr Herr 1)1*. Ritter, daß tu Trauung in (hoch (Rhciirprovinz) stattgcfundcn habe. In der Meinung, daß Goch zu dem Krcsclder Obcrrabbinate gehöre, wandte er sich ou Herrn I)r. Horowitz, crhielt jedoch die Antwort, daß das bewußte Paar das Ansinnen, cs zu trauen, wohl an ihn gestellt, cr cS aber mit der Molivirung abgewicscn habe, erst einen Beweis von Herrn J)r. Ritter zu erbringen, daß die Sache in Ordnung sei. Hieraus schrieb Herr!)>׳. Ritter an den jüdischen Gemcindcvorstaud zu Goch und erhielt die folgende Antwort: I. ״Goch, den 24. Mai!667. Hochgeehrter Herr Obcrrabbiuer! Ihre schätzbare. Zuschrift vom 19. dieses gelaugte in meinen Besitz, und erwidere ich Ihnen darauf Folgcndcs: Schon vor dem Eintreffen Ihres wcrthcn Briefes war cs hier allbekannt, das; der hiesige Lehrer, Herr Nalh. Anspach cr, in aller Frühe und Stille in seinem Hause ein junges Ehepaar ans Rotterdam lopulirt ׳ habe. Da man über die diesem Falle zu Grunde liegenden Verhältnisse nichts Roheres wußte, glaubte man allgemein, cr habe eine Mischehe eingesegnet. Der Lehrer wurde von verschiedenen Gemcindcmitglicdcrn darüber zur Rede gestellt und hat diesen gegenber bestimmt erklärt. cr habe die hier anwesend gewesenen jungen teilte nicht kopulirt, die junge Dame sei eine entfernte Verwandte seiner Frau gewesen, und die jungen Leute hätten erst in einigen Monaten vor, die Ehe ciuzir gehen. Gestern mm ließ ich den Lehrer zn.mir kommen, und auch da verneinte cr noch, die betreffende Ehe ciugcscgnct zu haben. Als ich ihn jedoch Ihren Brief lesen ließ und cr sich denken mochte, daß ich dieser Angelegenheit doch wohl auf den Grund kommen würde, gestand cr mir die Thatsache ein und gab mir darüber eine schriftliche Bestätigung, welche ich Ihnen in Abschrift zur gefälligen Bedienung beilege. Trotzdem der Lehrer in diesem Schriftstücke zu motiviren sucht, daß es für ihn kein Bedenken gegeben hätte, die Ehe cinznscgncn, halte ich ihn doch für schuldig, wissentlich die vom religiösen Standpunkte nicht erlaubte Ehe eingcscgnet zu haben, und zwar aus dem Grunde, weit er cs zu verheintlichen suchte und die Thatsache in Abrede stellte. Ich empfehle mich Ihnen mit aller Hochachtung. Der Vorstand der israelitischen Synagogcngcmcinde - zu Goch. gcz. PH. Schönbach. PS. Da Goch unter keinem Nabbinate steh! und Anspachcr seit 30 Jahren hier lediglich Elementarlchrcr und kein Kultusbeamtcr ist, so kann ich ihm weiter keine Strafe für feine Handlungsweise crthcilcn, würde cs aber billigen, wenn andere Leute sich seiner zu gottesdienstlichen Handlungen nicht bedienen würden." II. Die Erklärung des famosen מסדר קדושין lautet: ״Sehr geehrter Herr! Auf Ihre gefällige Anfrage erlaube ich mir die ergebene Nnckänßcrnng, daß cs wahr ist, daß ich ein Brautpaar aus Rotterdam kopulirt habe. Als ich den Bruder der Braut gefragt hatte, weshalb die Kopulation nicht in dortiger Stadt vollzogen werden kann, autwortete cr, daß der Rabbiner daselbst die Trauung nicht vornehmen wollte und ihm jum gerat Heu worden sei, den!)!-. Brüll in Frankfurt am Main in Anspruch zu nehmen. Er wäre nach Nymegcn gereist, und dort habe ihm Herr Ko gen darf, dem cr die de regte Angelegenheit mitgcthcilt, gesagt, er könne Zeit und Geld sparen, wenn cr an Stelle nach Frankfurt zu reisen, nach dem ersten Städtchen jeuseit der Grenze fahren und den dortigen Gcmciudelchrer,;um Kopulator nehmen wolle. Darauf habe ihn der reine Zufall zu mir geführt. Er zeigte mir eine בתוכה mit den üblitjuini ״Uitcrschnftcu, daß seine verstorbene Mutter כדת משד! וישראל verhcirathct gewesen. Roch umscitig will ich bemerken, daß die Leute religiös zn sein schienen, da sie Gebetricmen. Gebetbücher und einen Gebetmantcl bei sich hatten. Auch ist mir die Bescheinigung über ihre bürgerliche Trauung im Original vorgelcgt worden. Somit glaubte ich feinen Anstand nehmen zn sollen, diesem frommen Brautpaare חופת וקדושין zu geben. gez. N. Anspachcr."