Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Kololocsa [Nachricht]
- Date
- 1887-06-09
- Page
- 365 (sequence 1)
- Language
- German
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-a- §Loloesa, Juni. Als in hiesiger Nähe der bisherige Abgeordnete Gajari eine Ncde halten wollte, verhinderten dieses die erschienenen Antisemiten unter Leitung des Priesters Fülop, indem sie den Abgeordneten mit Steinen warfen. Warasdiir (Kroatien), 1. Juni. Die hier erscheinende Zeitung ״Narodni Novine" schreibt, daß den dortigen regierungsfreundlichen Israeliten Drohbricfc zngcgangcn seien, in denen unter Andern: gesagt wird, daß eine europäische Bewegung im Anzuge sei, von welcher die Inden am meisten zu leiden haben werden, ״lieber euren Leichen werden wir fröhliche Lieder singen, aber wir werden die Bewegung gar nicht abwartcn, sondern Jeden, der für die Negierung stimmt, mit Dynamitpatrouen beehren." ״Narodni Novinc" ermahnen die Israeliten, sich von den Dro- Hungen nicht cinschüchtern zu lassen, da die Negierung stark genug sei, sic zu schützen. H o L l a u b. zz Haag, 5. Juni. Ich beeile mich, Ihnen mitzuthcilen, daß unser verehrter Obcrrabbiner, Herr B. S. Bereu st ein, mit dem ״Orden des niederländischen Löwen" dckorirt worden ist. Dieser Orden ist die höchste Auszeichnung unseres Landes. F r a n k r e i ch. *** Paris. Das tragische Ereigniß in der hiesigen komischen Oper, der Brand dieser Bretter, die die Welt bedeuten, und der Verlust so vieler Menschenleben bewegt hier noch gegenwärtig alle Gcmülhcr. Bon unseren Glaubensgenossen haben sich mehrere ganz besonders bei den Ncttungsarbcitcn ausgezeichnet. Herr Eduard Philipp, Chcfsckrctär der Nettnugsgesellschaft, Herr Leon Hirsch, Herr Majoradjudant Sbe und Ka- .poral Bloch. England. * Limerick (Irland). Nach einer Meldung der ״Times" hat in der Nacht vom 27. zum 28. Mai hier ein kleiner Iudcukrawall stattgesuuden. Der Pöbel drang in einige jüdische Wohnungen und bedrohte die Insassen. Die Polizei schritt ein. ״Daily Ehroniele" schreibt, daß auch an den folgenden Tagen ähnliche Insulten der Juden vorgelommcn sind. Die Zahl der in Limerick wohnenden Israeliten ist sehr gering, und cs ist ihrerseits nicht das Mindeste vorgrkommen, das man als eine Provokation betrachten könnte. HcbrigeuS haben auch schon vor ein und zwei Jahren derartige Exzesse gegen die armen, größtenthcilS aus Polen stammcndcn Juden, stattgesnndcn. Rußland. ... V/-Petersburg, im Juni. Die seit Jahren unter dem Vorsitze des Grafen Pahlcn Berathnngcn pflegende Kommission zur Erforschung der Angelegenhcitcn der Juden soll nunmehr in Folge höherer Anordnung ihre Arbeiten eingestellt haben. Ob dem also ist, wer vermag cs mit Bestimmtheit zu sagen? Ist doch diese Kommission wie so Manches hierzulande mit den: Schleier des Gchcimnißvollcn umhüllt, so daß besonders skeptische Geister sie überhaupt längst in das Reich der Mythe verwiesen haben. Von Zeit zu Zeit tauchte das Gerücht auf, sie hätte nunmehr ihre Arbeit vollendet, oder würde solche demnächst beendigt haben. Ihre Arbeiten würden dann an den Staatsrath gelangen, und man hätte alsbald eine durchgreifende Negelung der jüdische!: Rechtsverhältnisse zu gewärtigen. Ob eine solche zum Guten oder zum Unheil ansfallcn werde, das bildete den Gegenstand der Kontroverse, d. h. der mündlichen in jüdischen Kreisen. Optimismus und Pessimismus standen sich gegenüber, und je weniger Positives bekannt war, desto leichter war cs, Konjekturen aufzustellen, zu vertheidigen und zu bekämpfen. Was mich anbctrifst, so glaube ich an die Existenz einer solchen Kommission, glaube aber nicht, daß sie offiziell aufgelöst ist; so glaube ich ferner, daß sic im Laufe der Jahre vielleicht einige Male getagt hat, glaube aber nicht, daß sic zu irgend einen! Abschluß gekommen ist. Meine Meinung geht endlich dahin, daß, falls einmal irgend eine uingestaltende gesetzgeberische Thäligkcit auf dem Gebiete der Judcnsrage für opportun erachtet werden sollte, solche unbeschadet der Ergebnisse dieser Ko!!m1issio1!sarbeiten, vielleicht mit Bernfnng auf dieselbe!!, in die Ocsfcntlichkeit treten würde. Wer mit den hicrländischcn Gepslogcnhcitcn vertraut ist, wird diese meine Ansicht gar nicht so absurd finden. — 31! Betreff der Kronrabbinen soll neuerdings eine Verordnung beschlossen sein. Der Kronrabbincr soll als die einzige ossizicll beglaubigte Autorität in jüdischen Glaubcnssachcn betrachtet werden. Die Gemeinden haben das Wahlrecht, die Negierung das Bestätignngsrccht. Die Wahl soll auf je drei Jahre geschehen. Wählbar sollen nur Solche sein, welche entweder ans den anerkannten inländischen Nabbinerschulcn ihr Diplom erlangt haben, oder sonstwie ihre theologische Ausbildung Nachweisen, zugleich aber höhere Lehranstalten für profanes Wissen frcqucntirt haben. — Man erwartet auch demnächst eine definitive Entscheidung an höchster Stelle darüber, ob den in Beurlaubienstand tretenden jüdischen Soldaten der Auf-