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Jeschurun · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. 363

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Article
Deutschland : Düsseldorf [Nachricht]
Date
1887-06-09
Page
363 (sequence 2)
Language
German
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363 Düsseldorf, sei hier nüigethcilt, daß der Vorstand dieses Vereins im Mainzer ״Israelit" erklärt, daß sämmtlichc Lehrlinge rituelle Kost genießen und sämmtlich in jüdischen Häusern in Pension sind. ES seien ferner nach § 5 dcS Lehrcrvertrags sänuntliche Lehrlinge für Salidath und jüdische Feiertage nicht nur von der Arbeit, sondern von jeglicher Dienstleistung diSpcnsirt. Diese Erklärung ist von dem Vorsitzenden deSVcrcinSvorstandeS, Herrn Rabbiner I)r. Wedelt, unterzeichnet. Es ist diese sorgsame Beachtung der religiösen Satzungen bei diesem Vereine um so mehr auzucrkenncn, als leider an manchen anderen Orten gerade Vereine mit gleichen Zielen daS religiöse Moment ganz außer Acht lassen. *|j* Gotha, 2. Juni. Am 18. Februar b. I. fand die 400. Feuerbestattung, seitdem der Verbrennungsofen erbaut ist, hier stakt. Der Religion nach befanden sich unter den 400 Verbrannten 108 Evangelische, 132 Katholiken, 24 Freireligiöse und Dissidenten und 46 Inden — das sind 11,5 Prozent der Gesammtzahl. ES ist dies eine verhältnißmäßig hohe Ziffer, welche beweist, wie weit leider in manchen jüdischen Kreisen der Abfall gediehen ist. Oesterrcich-Uiigarn. *||* Pest, 2. Juni. In dem hiesigen siebten Wahlbezirk sprach sich der Kandidat Herr Morszani über das antisemitische Gebühren also anS: Für den Antisemitismus ist in einem Lande kein Platz, wo Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als die höchsten Errungenschaften gelten. Ich kenne keinen Unterschied zwischen Christen und Inden. Wir müssen die ehrliche Arbeit eines Jeden achten ohne Rüsisicht auf dessen religiöses Bckenntniß. Wir fordern von unfern jüdischen Mitbürgern die volle Pflichterfüllung, und da könnten wir ihnen die vollen Rechte versagen wollen?? *II* Pest, 4. Juni. Der Herr Minister dcS Innern hat folgenden Erlaß herauSgegcbcn: ״Ich hatte mit Bedauern vernommen, daß während der letzten Tage die freie Meinungsäußerung der Kandidaten an verschiedenen Orlen durch Zügellosigkeiten verhindert oder gestört wurde. Mit Berufung ans mcincu Erlaß vom 25. v. M. weise ich die Jurisdiktion an. 1111־ vcrzüglich alle Versagnngcu zu treffen, daß solche Störungen in gleicher Weise für die Kandidaten aller Parteien unter persönlicher Verantwortung der betreffen־ den Beamten, Stadt- oder OrtSvorstcher mit Jnansprnchnähme aller gesetzlichen Mittel gewiß verhindert und die Ruhestörer bestraft werden." Derselbe ist durch die antisemitischen Wahlnntriebc veranlaßt worden. *||* Pest, 6. 311111. Dank der außerordentlichen Vorkehrungen der Behörden, so wird der ..N. F. Pr." telegraphisch gemeldet, sind die gestern befürchteten AuSschrcitungcn in Czcgled nicht vorgefallen, obgleich die Judcnhetzcn in aller Form begonnen hatten. Jedem wohlhabenderen Juden waren Nachts Brandbriefe ins HanS gestellt, an die Hofmancr geklebt oder inö Fenster gelegt worden. Diese Brandbriefe sind gleichlautend. Die Inden werden aufgefordert, binnen vierzehn Tagen Ezcglcd zn verlassen, sonst wnrdenj ihre Häuser eingeäschert werden. Dem Arzte Dr. Jacobovie wurden zwei solche Briefe in den Hof geworfen. Er übergab beide dem Bürgermeister. Ruch in dein jüdischen Tempel fand man einen ähnlichen Brief. Den Aerzten Berger, Reumann und Deutsch wurden gleichfalls Brandbriefe zngcstcllt. Demzufolge sah sich der Bürgermeistcr veranlaßt, Militär zn reguirircn, und eine Eskadron dcS 4. HusarcnrcgimcntS, welches in Ezcglcd liegt, wurde in Bereitschaft gesetzt. Im Lause der Nacht wurden dem Kommandanten der Bereitschaft, Rittmeister Hager, die Fenster zertrümmert. Früh um 4 Uhr erbrachen drei Personen den Grcißlcrladcn des Jakob Nojenft!- auf der Köröscrstraße, Noscnfeld setzte sich zur Wehr und schoß zweimal ans die Strolche, welche entflohen. Einen derselben erwischte er jedoch und übergab ihn der Polizei. Es ist ein Maurergehülse. Verhovah traf gestern Morgen in Ezcglcd cin. Uebcr seinen Einzug wird von dort berichtet: Der Zug, mit welchem Vcrhooay kam, langte um 0 Uhr Vormittags in Ezcglcd an. Vor den! Bahn- Hofe standen etwa 600, zumeist barfüßige und zerlumpte Bauern mit Fahnen und begrüßten Vcrhooay mit Ekjcn-Rufen. Sobald sic aber des Militärs ansichtig wurden, kühlte sich die Begeisterung merklich ab. Der Zug setzte sich in Bewegung, ihn begleiteten städtische Haiduken. Hinter dein Zuge ritt eine komplete Eskadron des 4. Hiisarenrcgiincuts. Ihr folgten die zwei aus Pest cingelangten Kompagnien. Der Zug wurde immer größer. Weiber, Kinder und sonstige Neugierige schlossen sich ihm von allen Seiten an. Als der Zug dem Kossuthplatzc nahte, bog das Militär in eine Seitengasse und erreichte früher den Kossuthplatz, wo 'cs Aufstellung nahm. Beim Passiren des Stadthauses wurde der Zug augchalten, und Verhovah und Csatar mußten inö Bürgermeisteramt, wo der Bürgermeister Gubody beiden in energischem Tone knndgab, daß, nachdem keiner der Partcimänncr BcrhovayS die Verantwortung für die Ruhe und Ordnung übernehmen wollte, die Behörde sie beide, Verhovah und Csatar, für jede Störung verantwortlich mache, und falls sic nur im Geringsten das Volk gegen eine GlanbcnSgcnossenschast oder gegen einzelne Personen aufreizcn sollten und aitch nur die mindeste Ruhestörnng vortäme, werde er beide sofort verhaften lassen. Verhovah verbat sich die Drohungen dcS Bürgermeisters und meinte höhnisch lächelnd: ״Wozu diese Aufregung?"

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