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Jeschurun · 1887-06-02 · Heft 22 (2.6.1887) · p. 350

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 22 (2.6.1887)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1887-06-02
Page
350 (sequence 2)
Language
German
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350 hcrzigenSwerthc Betrachtung über unsere Ncligionsschulen au. Er bezeichnet den darin crthciltcn Unterricht mit vollem 91cd)tc als durchaus ungenügend. Man! hat sich bemüht, das alte ״Rheder" gründlich abznstrcifcn, aber dasür einen kläglichen, erbärmlichen Ersatz geschaffen. Ehemals wurden die Kinder an jedem Tage in den jüdischen NcligionSkenntutssen unterwiesen, jetzt nur an einem Tage während zweier armseligen Stunden, und diese werden theilweisc noch auf untergeordnete Nebensachcn verwendet. Die NcligionSschnlc nimmt auch viel zu viel Rücksicht ans die Eltern der Schüler, daö wirkt lähmend ans die Handhabung der Disziplin ein. Eine Besserung .muß eintrctcn, will man nicht die religiöse Erziehung prciSgebcn. Ich kann mich dieser Klage nur unbedingt anschließcn. Jeder, dem die religiöse Unterweisung seiner Kinder nicht gleichgültig ist, wird ihr beipslichtcn. Mit dem System unserer NcligiouSschulen muß gänzlich gebrochen werden. Unsere Jugend muß wieder zu der einzigen Quelle der Ncligionskennt»iß, zu dem Chumeschuutcrricht in der Ursprache, zurückgcführt werden. Dieser aber muß von geschickten Lehrern ertheilt werden, welche sich nicht damit begnügen, die Kinder in der Fertigkeit der Uebertraguug vom Hebräischen ins Englische zu üben, sondern ihnen auch den Geist dcS Inhalts zur Aneignung zu bringen. Nit stralien. * Sidnel). Die ״Matzo Association", w.lchc! vor zwei Jahren ins Leben gerufen ist, um für die j völlig rcligionSgesttzliche Herstellung des Mazzoth zu! sorgen, ist in diesem Jahre ihrer Aufgabe in bester j Weise gerecht geworden. Sic hat auch den Armen in liberalstem Ausmaße Mazzoth und sonstige Lebendmittel zu Pcßach unentgeltlich znkommen lassen. Bcsondcrc Verdienste um diese wichtige Angelegenheit haben sich die Herren M. Gotthelf und Henry Solomon erworben. So meldet der zu Melbourne erscheinende ״Jewish Herald". P 0 l ii st i u a. :i: Jerusalem. Jerusalem erweitert sich immer mehr nach Westen. Der Höhenzng, welcher vom Jaffathor ans in dieser Richtung zieht, bedeckt sich mehr und mehr mit ׳Neubauten, welche schon jetzt einen größeren Raum cinnchmcn als die alte Stadt innerhalb der Stadtmauer. Dort wurde auch (der ״Warte dcS Tempels״ zufolge) am 29. Juni v. I. der Grundstein zu einer abejsinischcn Kirche gelegt, welche Kaiser Johannes selbst bauen läßt. Die Abessinier glauben nämlich, daß sic und die Russen allein den reinen, wahren Glauben besitzen und deshalb schließlich die Erde beherrschen werden. In der Ebene Saron werden die Heere der beiden Reiche sich vereinigen, die beiden Kaiser niit einander das Abendmahl genießen und dann die Welt unter sich thcilcn, um sie dem wahren Glauben nnterthan zu machen. Um seinen Plan aus- . zu führen, sandte Johannes einen Priester WoldcSj Soma ja t mit einer Summe Geldes ab. Derselbe j wußte sich rasch in Konstantinopcl die Bancrlaubniß s zu verschaffen und entwarf den Plan zu der Kirche mit Hülfe dcS BanrathS Schick. Dieselbe wird ein Rundbau mit drei Th Liren und soll genau den Kirchen > in Abessinien selbst entsprechen, auch in der Ausmalung,! welche abessinische Künstler besorgen. Auch ein Ban > für die Priester, deren mindestens fünf zum Gottesdienst erforderlich sind, für Mönche, Pilger, Kirchensängcr rc. wird errichtet, und zum Unterhalt dieser ganzen Kolonie hat Johannes die Einkünfte einer Provin; seines Reiches bestimmt. (N. Pr. Ztg.) M a r o k k o. * Das Zentral-Komitee der All. isr. nniv. hat die folgenden Mitthcilungcn ans Marokko empfangen:; Ein ziemlich ernster Vorfall hat sich in Marokko s zngctragcn. Folgende Mitlheilnngcn sind bcm Zentral- Komitee diesbezüglich zugegangcn. (Siehe auch den Ncvcil de Maroc vom 3. April). Araber schuldeten einem gewissen Rüben Turgncman oder Trodjniann ans Alcagar, wahrscheinlich unter amerikanischem Schutze stehend, Geld. Da er nicht zu seinem G-lde kommen konnte, wandte sich Trodjmann mit einer Klage gegen seinen Schuldner an Herrn MathewS, derzeitigen General-Konsul der '«bereinigten Staaten, der dieselbe an die marokkanische Behörde bcförderte. Diese, nachdem sie die Gültigkeit der Klage fest- , gestellt hatte, ließ die Schuldner scslnchmcn. In der! Zwischenzeit wurde -Herr MathewS von einem neuen Konsul, Herrn Nood Lewis, ersetzt. Man weiß noch nicht wie cs geschah, daß Trodjmann unter diesem neuen Beamten vom Kläger zum Angeklagten wurde. Sein ganzes Verbrechen scheint sich auf die Weigerung zu beschränken, in Alcagar vor dem Lokalrichter zu erscheinen,! um dem von ihm cingelcitetcn Prozeß cmznwohiicn;; doch behauptet er, die Aussordcrung niemals erhalten zu j haben, und zudem scheint cS, als habe er Lust gezeigt,! die Kompetenz dcS OrtSrichtcrS zu bestreiten. Jedenfalls war die ihm vorgeworfene Schuld ohne Belang.! Dcntioch glaubte der Konsul der Vereinigten Staaten,; die marokkanische Behörde um einen Beseht ersuchen zu müssen, Trodjmann mit Gewalt nach Tanger zu bringen. Dieser Befehl wurde mit außergewöhnlicher Strenge und in ganz eigenthümlichec Weise anSgcfnhrt. Die

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