Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Radautz (Bukowina) [Nachricht]
- Date
- 1887-06-02
- Page
- 349 (sequence 2)
- Language
- German
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349 Hauptstadt, und wurden seine .aus diesen! (Gebiete geleisteten Verdienste seinerzeit von unserem allergnüdigsten Monarchen durch Verleihung des Ritterkreuzes deS Franz׳Josef-Ordens gewürdigt. Im vorigen Monate wurde Dr. Atlas von seiner ersprießlichen vom ganzen Volke dankbar anerkannten Thätigkeit .zur ewigen Nahe abbernjen. Die Leichenfeier fand unter lebhafter Betheilignng der gesammten Bevölkerung und unter persönlicher Thcilnahmc der Spitzen der Militär- und Zivilbchördcn statt. Daß aber auch die scheinbar geborcnen Antipoden des JndenthumS zu tapferen Vcrtheidigern desselben sich metamorphisicren können, dieses Unikum findet sich auch in unserem Lande. Professor TomaSeznk nämlich, rumänischer Nationalität, Abgeordneter unserer Stadt, brach für das von seinen StammcSgcnosscn in Rumänien so stark vergönnte Jndcnthum im NcichSrathc eine Lanze und kennzcichncte den AntisemitiSmnS in seiner lvahrcn Gestalt unter den! Bcifallc fast des gesammten HauscS. An unfern Herrn Rabbiner Isaak K unstadt, der ihm für dieses mannhafte Auftreten im Namen der Gemeinde den Dank anssprach, richtete er ein schmeichelhaftes Schreiben, tvelcheS das treue Spiegelbild seincr.'cdlen Gesinnung ist.-- Vorige Woche, Freitag, lvnrde unserer Stadt die hohe Ehre des Besuches sciteuS des Herrn LandcSpräsidenten Baron v. Pino zu Theil. SamStag früh überraschte er die in der Synagoge versammelte andächtige Gemcinde mit seinem Besuche. Der hohe Gast wurde von unserem Herrn Rabbiner mit einer glänzenden Ansprache begrüßt. Nach viertelstündigeru Verweilen und nach Anhörung deS vom Kantor vorgetragenen הנותן תשועה ent fernte er sich, seinen Dank ansdrückend. * Pvdhajcc (Ostgalizien). Dem ״Wiener Israelit" wird folgendes interessantes Faktum berichtet: Herr Leon NaSkiewiez, Sohn eines christlichen Geistlichen und derzeit Äezirlsrichtcr in Podhajce, erfreut sich wegen seiner liberalen Gesinnung und als aufrichtiger Menschenfreund ohne Unterschied des Glaubens der größten Liebe und Hochachtung seitens aller Klassen der Bevölkerung. Diese edle Gesinnung legte er jüngst an den Tag, als er nitserm Glaubensgenossen, Herrn hone JonaS in Stau iS lau, anläßlich seiner erhaltenen Auszeichnung mit dcm Frauz-Josef-Ordcn in einen! schönen hcbräischen Gedichte gratnlirte. Herr NaSkiewiez ist der hebräischen Sprache in Wort und Schrift mächtig, war früher längere Zeit UutersuchungSuntcrrichtcr in StauiSlau, und seit dan!als erfreut sich Herr JonaS seiner ansrichtigcn Freundschaft. Das Gedichtchcn lautet wörtlich:!מאוד אשמה להול הבשורה ידיד ננבד נתן לך ידידי הנד הפראניךיאזעפב־ארדע;, למנה —;עליבן׳:ם לך ראש אשר מי! ליר- אעציל אנכי־ את ברכתי אושר חיים והצלחה — ידידך מאז ה מכבדך ונשיא נלב תמים לעא; ראשקיעוויטץ, ראש אב" ד דק״ק פאדהאיצע". $ Ans dem Zipfer Komitat. 24. Mai. In den! an hebenden Kampfe um ein Mandat zu dem Reichstage tritt bis jetzt die erfreuliche Thatsache hervor, daß die als eigene politische Fraktion in dem gcschlosseneu Reichstage anflrctende antisemitische Partei in den Augen der Bcssergesinuten so entschieden vernrtheilt da steht, daß sie schwerlich als solche wieder!!!!! siguriren dürfte. Das Verwerfliche des AuliscuritiSmuS ist allgemein anerkannt, Dank des EyniSmnS, mit welchem diese frivole Doktrin des Fanatismus in! Parlamente vorgetragen wurde. Vorgestern entwickelte Herr Staatssekretär Berzcwizi in der Hauptstadt unseres KomitatS, der .Königlichen Freistadt Leutschau, sein politisches Programm in seiner Bewerbung!!in ein ReichStagSmandat. Er bekannte sich als einen cmschiedencu Feind der antisemitischen Bewegung, welche er als ein Verderben bczeichnetc. Er sagte unter Anderen!: ,,Eine solche Partei, die eine ReligionSgenossenschaft oder Nationalität, welche von dem Staate anerkannt ist, bekämpft, hat keine Berechtigung in der Landesvertretnng zu Worte zu kommen. Der AntisemitisnntS führt zur unbedingten Anarchie, zum ausschweifenden KommunisinuS, zur allgetneineu Plünderung. Wir haben solches bereits in den schändlichen Judencxzcsscu zur That werden sehen. Seitdem Ungarn das klnglück hatte, den Antisen!iliSmuS als eine politische Fraktion im Reichstage anflreteu lassen zu müsscn, sind die Hallen des Parlaments durch Skandalauftritte entweiht worden, die, ehedem unerhört, jetzt zur TageS ordnnng geworden waren. Diese Partei ninß bekämpft werden, sie darf nicht wieder in der LandeSvertrctung erscheinen. Sie hat den! Vaterlande schon genug deS Unheils und der Unruhe gebracht." Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall anfgenommen, und dieser Beifall ist der sprechende Beweis, daß die Wählerschaft eines solchen Dcpntirten würdig ist. Rußland. * Warschau, 27. Mai. DaS Ministerium dchnt das Gesetz, welches auswärtigen Juden Geschäfte im Kaiserreich Rußland verbietet, auch auf das Königreich Polen ans. In Folge dessen ist hier bereits einer j Anzahl von Kanslcntcu, trotzdem sic Gildenscheinc hatten,; verboten worden, weile!׳ Geschäfte zn treiben. »N. Pr. Ztg." Amerika. ir. Newyvrk, 21. Mai. Der ״American Hebrew" slclU in seiner jüngsten Nummer eine sehr bc-