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Jeschurun · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. 334

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-05-26
Page
334 (sequence 2)
Language
German
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redliche und honorable Personen mit inbegriffen sind, und ich muß deshalb Namens des Ausschusses diese Pauschalverdächtigung znrnckweisen." F. Ans Nngarn, Mai. Wenn nicht alle Anzcichen täuschen, so dürsten die nächsten Reichtagswahlen Zeugnis; davon ablegen, daß die schändliche Indenhctze doch ans die Dauer bei der ritterlichen ungarischen Nation nicht auf Erfolg rechnen kann. Es soll allerdings hiermit nicht behauptet werden, daß nicht hier und dort eine antisemitische Kandidatur mit Hülfe gekaufter Kortesche durchdriugcn wird, wie auch die Möglichkeit nicht bestritten werden kann, daß hier und dort einige sanatisirte, trunken gemachte Pöbelhaufen kleine Judenkrawalle inszcniren werden. Aber im Großen und Ganzen hat cs doch den Anschein, als ob ein besserer Geist den Dämon einer finstern Leidenschaft, Judenhaß genannt, bezwingen wird. Das Vaterland, und wir Inden im Besonder!!, haben die Pflicht den edlen Männern, welche die öffentliche Vrandmarknng des Antisemitismus und dadurch die Aufklärung des Volks bewirken, rückhaltlose Anerkennung und Dankbarkeit zu zollen. Es ist jetzt die Zeit der Kundgebungen in den Wahlbezirken. Der Quästor des Reichstags hat sich in mannhafter Sprache in dieser Richtung seinen Wählern gegenüber ansgesprochen. Er sieht die Ehre des ungarischen Namens, den Frieden des Vaterlandes durch den Antisemitismus gefährdet, den er in patriotischer Entrüstung als eine Schmach bezeichnet. In Neutra hat der Abgeordnete Emmerich Lautkanzki die Negierung gegen den Verdacht einer Begünstigung des Antisemitismus verwahrt. Es heißt in seiner Ansprache an die Wähler wörtlich: ״Die Negierung hat alle gesetzlichen Mittel angewendet, um die Ausbreitung dieser auf die Um- Wälzung der gesellschaftlichen Ordnung, ans die Störung des innern Friedens hinzielenden und mit dem Prinzip der Rechtsgleichheit in schroffcin Gegensatz stehenden Strömung zu verhindern. Aber cs ist schwer, in solchen Greifen gegen Vorurthcitc zu kämpfen, wo man die Ursache der allgeineinen Verarmung nicht in der schlechten Wirthschaft, sondern in äußeren gar nicht epistirendcn Einflüssen sucht. llebrigeuS ist es meine feste Ucberzeuguug, daß aud) die jetzigen Wahlen Zeuguiß geben werden, daß die antisemitische Strömung ihren Glanzpunkt bereits überlebt hat, und daß, wenn man jenen Grad der Kultur erreicht haben werde, auf welchem England und Frankreich heute schon stehen, der Antiscmitiömns nur noch als geschichtliches Kuriosum erwähnt werden wird." Solche und ähnliche Kundgedungen werden an vielen Orten laut und können nicht verschlcn, einen mächtigen Eindruck zu hinterlassen, je angesehener die Männer sind, von welchen sie ausgehen. Aus allen Thcilen deö Landes liegen Berichte von KandidaLenrcdctt vor. welche entschieden die Aufstachelung zum Rassenhaß perhorresziren. England. §$* London, im Mai. Dem Berichte der Adminlstratnr der hiesigen jüdische Frcischule entnehme ich die folgenden Daten: Im vergangenen Jahre zählte diese überaus wohlthätig wirkende Anstalt 2100 mannlichc und 1200 weibliche Schüler, also im Ganzen 3350 Schüler. Der Schulbesuch war ein sehr regelmäßiger und zeugt von den! Ernste, in welchem die Eltern die hohe Bedeutung des Unterrichts schätzen. Während die durchschnittliche Frequenz an den hiesigen Schulen knapp 79 Prozent beträgt, erreichte sie hier eine Höhe von 94 Prozent. Die staatliche Schullnspektion sprach sich ungemein anerkennend über Leistung und Organisation aus. Durch die große Zunahme des ärnrern Elements unter den hier wohnhaften Juden hat׳ diese Schule einen großen Zuwachs erfahren. Die Finanzlage ist keine günstige. Die jüdische Gemeinde leistet einen Zuschuß von nur 360 Pfund. DaS Defizit beträgt in Folge dessen nicht weniger als 2360 Pfund, welches durch sreiwillige Beiträge gedeckt werden muß. Der Unterricht umfaßt alle Gegenstände deSElementarschnlnntcrrichtS nebst entsprechender Unterweisung in! Hebräischen n!ld der in jüdischen Neligionölehre. Rußland. Odessa. Am verflossenen Pcßachfeste, während der Ehol-Hamoed-Tage, herrschte eine große Aufregung in der hiesigen Gemeinde. Wie ein Lauffeuer ging das Gerücht von Mund zu Munde, daß ein bedeutender Theil dcS zu Mazzoth verbackenen Mehles mit fremdartigen Stoffen als: Bohnen- und Linsenmehl, Spath u. dergl. versetzt worden sei. Die Rabbiner hatten eine Anzahl שאלות zu erledigen. Es wurde aber auch von Seiten niehrer Betrogenen die gerichtliche Anzeige erstattet. In Folge dessen sind einige Personen gefänglich ungezogen worden. Die chemische Untersuchung hat die Fälschung fcstgcstellt. Die Bäcker schieben die Schuld auf die Müller und diese leugnen. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Jedenfalls mahnt dieser unerhörte Vorfall zur allergrößten Vorsicht und strengsten Kontrolle bei der Erzeugung von Mehl für Mazzoth. Cypern. * Es wird von einer Bedrohung der Juden in der Stadt Larnaka. dem an der südöstlichen Küste der Insel belcgenen bedeutenden Handelsplätze, berichtet. Es wohnen hier eine Anzahl jüdischer Kanstente, welche ans der europäischen und asiatischen Türkei cingewandert sind. Am ersten April wurden mehrere von diesen plötzlich in den Straßen mit dem Geschrei verfolgt, daß sie Christenkindcr stehlen wollten, um sie zur Erlangung von Christenblut zur Mazzothbereitung zu schlachten'

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