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Jeschurun · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. 333

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1887-05-26
Page
333 (sequence 2)
Language
German
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333 Juden den Schutz für die durch ihre Religion vorgeschriebene Prozedur des SchlachtcnS, so bekundet dieses eine gegen die jüdische Religion gehegte Mißachtung. Zur Zeit als man die Juden auch in Deutschland von dem Genüsse der vollen Bürgerrechte ausgeschlossen hatte, dachte doch Niemand daran, ihnen die Ausübung derSchcchita zu verbieten. Dieser Unmut!) von konservativer Seite über das Votum des Reichstags zeugt darum von einem viel intensiveren Judenhaß als die frühere jndcnfeindliche Zeit gekannt hat. Man scheint an diese Petition gegen die Schcchita die frohe Hoffnung geknüpft zu haben, durch die Entziehung des Flcischgenusses die Inden zur Auswanderung drangen zu können und auf dem Umwege der zärtlichen Fürsorge für die Thicre, die Lösung der ״Iudeufrage" im antisemitischen Sinne zu fördern. Der Reichstag hat einen Strich durch diesen Kalkül gemacht. Das ist natürlich sehr ärgerlich, 1111b dieser Merger macht sich zunächst in Ausfällen gegen ben Abgeordneten Windthorst Luft, welchem die meiste Schuld zuznschrciben ist. In der heutigen ״Krenzzcitung" findet sich nämlich die folgende sehr bezeichnende Auslassung: ״Die ״Kons. Korrcsp." findet den Beschluß des Reichstages über das jüdische Schächten, welchen derselbe am 18. d. MtS. auf Antrag des Abg. Windthorst angenommen hat, wenig erfreulich, und wir geben ihr Recht. Daß l-r. Windthorst, der immer, auch in den schlimmsten Tagen des Kulturkampfes, ein Freund der Juden gewesen ist. jetzt, wo diese letzteren den sichersten Kern und Rückhalt der grundsätzlichen Opposition des Freisinns bilden, nicht geneigt sein würde, in andere Bahnen einznlenkcu, ließ sich freilich von vornherein aunehmeu, und ebenso wenig kann cs verwunderlich erscheinen, -daß der Abg. Vröuiel, dieses Urbild eines in polltischer wie wirthschaftlicher Beziehung von überwnndcnen Anschauungen lebenden Mannes, den Lessingscheu Inden, der ״verbrannt wurde", mit dem Rothschildff'chcn verwechselte, der in seiner Weise Andere ״verbrennen" läßt. Wenn aber auch der Abgeord. Miguel eS als einen förmlichen Schimpf auznsehen schien, daß ihm von freisinniger Seite nicht das denkbar vollste Maß an Uebereifer in Vertretung jüdischer Interessen zngctraut wurde, so müssen wir von unserem Standpunkt zwar gestehen, daß uns dies an dem gegenwärtigen Oberbürgermeister voll Frankfurt a. M. ebenso wenig ausgefallen ist. wie an. dem ehemaligen Direktor der DiSkoutogcscllschast. Wohl aber finden wir eö begreiflich, daß Diejenigen, die sich noch immer mit der Hoffnung tragen, die Nationalliberalen nach und nach ins konservative Lager herüber zu schmeicheln, durch die Entschiedenheit unangenehin überrascht worden sind, mit welcher jene sortfahren, den Inden die Schleppe zu tragen, obwohl sie der Fall LazaruS-Goldschmidt darüber aufgeklärt haben könnte, daß sie in politischer Beziehung, wenigstens unmittelbar, keine jüdische Unterstützung zu erwarten haben." ** Jyrnnffurt a, M., 23. Mai. Heute Vormittag fand hier die Jahresversammlung des Vorstandes der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen JudcnthnmS statt, in welcher der gcschäffsführcnde Ausschuß über seine bisherige Wirksamkeit Bericht erstattete. Ein Auszug dieses Berichtes wird in den nächsten Tagen zur Vcröffentlichmlg gelangen. Oesterreich-Ungarn. 0. Wien, 22. Mai. Die antisemitische Taktik besteht darin, keine Gelegenheit vorübergehcn zn lassen, die Inden zn verdächtigen und zu schmähen, wo sich aber keine Veranlassung dazu bietet, diese zu schassen. So hat die endlose Budgetdebatte im RcichSrathe und zwar beim Kapitel der StaatSciscnbahnen dem Abgeordneten Türk dazu dienen müssen, den Handelsminister zu warnten, sich mit jüdischen Unternehmern cinznlassen. Türk schloß seine Exhortation folgendermaßen: ״Das Handelsministerium ist ein sehr wichtiges Fach, besonders bei uns, weil dieser Staat bis auf die Knochen von der Korruption angefrcssen ist; da heißt eS, mit Eisen und Feuer operircn, wenn dieses Geschwur beseitigt werden soll. Dazu gehört cin eiserner Wille und eine eiserne oder diamantene Stirn. Die Stirn deö HandelSntinistcrS muß. sein wie der Schild der AcgiS in der alten Mythologie (Gelächter), nein, wie der Schild des Achilles, der Alle znrnckschreckte. (Erneuertes Gelächter tut Hause.) Eine solche Stirn inuß der HandelStninistcr haben, welche alle Gewinnsucht, Lüge und Gemeinheit von vornherein zurückschrecken und einschüchtcrn soll. Der HandclSntinistcr intiß einen eisernen Besen haben, damit er den AugiaSstall unserer Korruption reinigen kann. Er muß auch starke Karbolsäure anwcndcn, um die Korruption zn dcSinfizircn. (Heiterkeit ans der äußersten Linken.) Er soll nur die Interessen des ehrlich arbeitenden Volkes im Ange haben, dann werden ihm auch daö Volk und der Staat dankbar sein." Der Berichterstatter, 1)1׳. v. Meznik, wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Türk und meint, die Negierung dürfe nur eine Rücksicht haben, nämlich, wie sie den Bau billiger durchführen könne, und wenn sich cin Konsortium finde, welches den Van billiger hcrstellc. so könne eS nicht in dicWagschalc fallen, ob dieser billige Banunternehmcr ein Israelit sei oder nicht. Der Abg. Türk werde doch nicht meinen, daß man in die Offerte schreiben solle: ״Israeliten sind ausgeschlossen" oder: ״Derjenige, der den Bau erhält, muß sich taufen lassen." ״Ich kann überhaupt derartige allgemeine Vorwürfe gegen das Jndenthnm in Pansch und Bogen nicht unerwidert lassen, da ja unter denselben sehr viele ehrenhafte.

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