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Jeschurun · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. 331

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Article
Zur Lage der Juden in Rumänien
Date
1887-05-26
Page
331 (sequence 2)
Language
German
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Man will also den Juden von zwei diametral entgegengesetzten Seiten beikommen: Indem man ihnen einerseits die fernere Erhaltung von Privatinstilntcn erschweren oder unmöglich machen (wie eS Jedem, der mit der Art, wie die Rumänen bei der Exekution ihrer Gesetze zu Werke gehen, bekannt ist, cinleuchlen. wird) und den Schulunterricht, welcher bei uns mit der Entweihung des Sabbath unzertrennlich verbunden ist, anfzwingen will, wird andererseits dafür gesorgt, daß ihnen eben dieser Unterricht durch schwere, für einen großen Theil der Studenten unerschwingliche Opser unzugänglich gemacht wird. Wie sollte eS auch, bei dem Elend, in welchen der größte Theil der rumänischcn Juden bereits versunken ist und jährlich noch mehr versinkt, einem Vater, der fünf, sechs oder mehr schulpflichtige Kinder hat, und der doch auch deren jüdische Erziehung besorgen muß, möglich sein, ebenso viel Mal 10 fl. aufzubringcn? Und erst die Taxe für Gymnasicnbcsnchcr! Wie viele Studenten giebt eS bei uns, die ihre so kostbare Zeit um einige Frank monatlich verkaufen müssen, um die Anschaffung von Schulbüchern zu bestreiten oder auch ihre in Noth lebenden Eltern mit dem nöthigcn Unterhalt versehen zu können! Die bemittelten Ettern werden schon,, um. der Schmach dieser Taxe zu entgehen, für die weitere Ausbildung ihrer Kinder den Weg nach Czcrnowitz, Wien oder Paris aufzusuchcn wissen — wo dann freilich den Rumänen Gelegenheit geboten werden würde, die Juden des Mangels an Patriotismus und AssimilationSbestrebungeu anzuklagcn. Aber was werden die Armen anfangen? Etwa aus Bildung und Aufklärung verzichten und dem Schacher . anheimfallen? DaS wäre ein zu harter Schlag für die Juden! Dieses Gesetz ist, wie das vorangegangene, den Religionsunterricht betreffende, von unabsehbaren Folgen und doch scheint eß erst den Anfang einer neuen Serie in unserer Lcidcngeschichte zu bilden. Für diese Leidensgeschichte ist das Ende noch lange nicht abzusehcn. ES zeigt sich nirgends ein Lichtstrahl an dem nächtlichen Horizont. Alles, was seit dreißig Jahren von verschiedenen Selten versucht worden ist, um das LcidcuSgcschick der rumänischen Inden zu mildern und ihnen die Hoffnung ans eine bessere Znkuust zu eröffnen, hat sich als durchaus trügerisch erwiesen. Die Bestrebungen der Pariser Allianz, die Verwendung des edlen Montcsiorc, die Bemühungen des Vertreters Nordamerikas, Peixotto, die Forderungen des Gerlincr Kongresses — Alles war vergeblich. Ja, eS dürste vielleicht keinem Zweifel unterliegen, daß alles Dieses nur dazu gedient hat, die Wuth gegen die Juden noch mehr zu entfesseln und daö Looü der dedrückten Juden Rumäniens immer mehr zu ver-. schlimmer». ES handelt sich in Rumänien nicht um das Bor״ urtheil des Volks gegen die Juden, cs handelt sich hier um die systematisch betriebene Unterdrückung und Mißhandlung seitens der Machthaber. Mit höhnischem Lächeln schauen diese auf jeden Versuch hin, der vom AuSlande zu Gunsten der aller Humanität und Klug-- .heit zuwider Mißhandelten gemacht wird. Mit gleiß-- ncrischen Worten macht man dem AuSlande Versprcchnngeu, um solche durch eine listige Ilmdeutung nicht zu halten, und sich für den Zwang der erheuchelten Freundlichkeit an den Unglücklichen durch neue vexatorische Maßregeln zu rächen. So lange in Bukarest cs als Axiom gilt, die Inden zu quälen, um sie durch Elend anfzureibcn oder zur Auswanderung zu zwingen, so lange wird in der Leidensgeschichte der Juden Rumäniens ein Lhränenreiches Matt sich an das andere reihcn. Aber hoch über allen Mächtigen der Erde, die den Schwachen in frevelhaftem Sinne unterdrücken, thront .der allmächtige, allgcrcchtc Richter der Welt. So sehr auch die Gewaltigen trinmphiren und sich an dem Elende der von ihnen Gemarterten weiden, so sehr sie sich auch in dem Gedanken wiegen, daß keine Macht ans Erden vorhanden ist. welche ihnen in die Arme fallen kann, so sehr werden sie sich früher oder später enttäuscht fühlen. Rumänien unterdrückt und quält seine Juden, aber eS wuthet damit gegen sich selbst. Es unterbindet damit die eigene Lebensader, cs untergräbt damit seinen eigenen Wohlstand, cs hemmt damit seine eigene gedeihliche Entwickelung, eS arbeitet damit an seinem eigenen Untergang, cs gräbt sich damit sein eigenes Grab. Rchtksthksts-Kttilht Lcs |'(iinöi!]cu Hiilss-Koiiiitces siir die NotlMnde russischer Jsrnclitcu;« Mcmcl, für die Zeit vom 1. J!1»»ar 1886 bis 1. April 1887. lieber den Verlauf unserer Thätigkcit während dieser Zeit ist weiter nichts zu berichten, als daß dieselbe eine ruhige und stetige Fortsetzung war der vorhergehenden Thätigkcit, von welcher unser vorjähriger Ncchenschastö-Bcricht ganz ausführlich Mittheilung ge-!nacht hat. Die Hauptthätigkeit des Verein bestand während des ganzen Jahres bis zur Stunde in der Unterstützung und Beförderung von anSgcwiescncn und auSwandcrnden Glaubensgenossen. Bereits bis Anfang Januar 1866 waren bei dem Komitee in 640 größeren

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