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Jeschurun · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. 330

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Article
Schriftstellerische Fälschungen
Date
1887-05-26
Page
330 (sequence 1)
Language
German
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3 BO Schriftstellerische Mchililgen. Von Peniel. II. (Fortsetzung.) Ein begeisterter Jude, jüdischer Patriot, Freund nnd^Wohlthätcr seines Volkes. Das Sprichwort: ״Der dumme Schwiegersohn sitzt fünfundzwanzig Jahre lang an seines Schwieger- ' vatcrS Tisch und weiß nicht wie die Schwicgermuttcr heißt" findet seine fast buchstäbliche Anwendung auf diese ״nationalen Juden", deren ganzes, so stolz bctonteS jüdisches Bewußtsein einzig und allein in ihrer Abstammung von jüdischen Eltern sich erschöpft. Man bedenke doch nur! Das Judenthnm existirt seit mehr als dreitausend Jahren — am Sinai ward es in der einzig hehren Offenbarung von Gott proklamirt, nachdem schon zuvor, vor der Erlösung aus Aegypten, Gott zu Moses gesprochen hatte: ״wenn du das Volk ans Mizrajim führst, sollt ihr au eben diesem Berge in den Dienst Gottes treten" (also: einziger Inhalt eures nationalen Daseins Uebernahme und Ersüllnng des GotteSgcsctzes). Somit wurzelt Wesen und Bestand unseres cigcuthümlichcn nationalen Seins einzig und allein in der Ausübung der Gebote und wahrhastigen Beherzigung der Lehren dcS JudcuthumS, wie eS ja auch ausdrücklich wiederholt ausgesprochen ist, daß nur in dem unbedingten Wandel in den Gesetzen des JudcuthumS das Heil für Israel zu finden ist, jedes Abweichen davon aber ihm zum Verderben wird. Daö hat jeder Schulknabc gelernt, daß lehrt die nach Jahrtausenden zählende Geschichte Israels. Wir büßten unsere eigene staatliche Selbständigkeit ein, sahen das Heiligt hum aus׳ Zion untcrgchcn und gingen in das leid- und schmerzensreiche Exil, weil wir der Lehre und dem Gesetze Gottes den Rücken wandten. Hier aber blieben wir das ewige Volk, weil wir das ewige Gesetz treu bewahrten. Viele mächtige Völker und Staaten tauchten auf und sind spurlos verschwunden, Israel aber, das durch sein Judenthnm unsterbliche und unbesiegbare, blieb auf dein Plane und überdauerte alle Stürme des widrigsten Geschickes. Aber auch die nach Tausenden Zählenden unseres Volkes, welche der Lehre Israels untreu wurden und sich der Ausübung der Vorschriften des Judenthums entzogen, sind nntergegangcn und ihr Andenken ist erloschen. Nur Diejenigen, welche dem Bunde Gottes die Treue bewahrten, in Gesinnung und That sich zum Judenthnm bekannten und das heilige, glorreiche Banner der Thora nicht sinken ließen, sie haben sich erhalten als das wahre Israel. Dieser nicht zu leugnenden geschichtlichen Thatsache gegenüber wagen die ״Nationalen" das Gegentheil zu behaupten und gleichsam Tag in Nacht zu wandeln, wagen die kecke Behauptung, daß das jüdisch-nationale Wesen nicht von den! aufrichtigen Bekcnntniß und der vollen Ausübung des JudcuthumS bedingt sei, sondern lediglich von der Abstammung von jüdischen Ahnen! Wie schon früher erwähnt, haben selbst die ansgesprochenen Reformer Deutschlands — so viel mir bekannt — eine solche These nicht aufznstellcu sich erkühnt. Wohl aber erdrcistcn sich die. modernen jüdischen Schriftsteller Rußlands solche zu proklamiren, ohne sich ״Reformer" zu neunen, indem sie vielmehr sich als die wahrhaften Freunde ihres Volkes, die ächten jüdischen Patrioten bezeichnen. Damit suchen sie die Leser irre zu führen und deren Begriffe zu fälschen. Durch diesen gleißncrischen Trug vergiften sie daö Bewußtsein Harmloser Leser und tragen auf Schleichwegen Verrat!) und Abfall in unsere Kreise. In Wirklichkeit sind das jüdische Gesetz und die jüdische Nation aufs Innigste mit einander verbunden. Sie verhalten sich gegenseitig wie Ursache zur Wirkung, wie Seele zum Körper, wie Licht zum Schatten. Ohne eine Vielheit von Individuen ist eine Ration nicht denkbar, nicht also das jüdische Gesetz. Wenn man sich einen Moment vorstcllcn wollte, in welchem eine jüdische Nation überhaupt nicht existirte, so würde daö jüdische Gesetz gleichwohl vorhanden sein können. So wissen wir, daß Gott die Vernichtung dcS ganzen jüdischen Volkes nach dessen großer Versündigung in Aussicht stellte und zugleich zu Moses sprach: ״Dich aber will ich zu einem großen Volke machen." Wenn sonnt damals nur ein einziges Individuum, MoscS, übrig geblieben wäre, so würde das jüdische Gesetz und damit die ״nationale" Aufgabe Israels in ungemiuderter Kraft erhallen worden sein. Auch MoseS klagte damals nicht über den Untergang der jüdischen Nation, sondern begründete seine Bitte mit dem Argumente: ״Warum sollen die Aegyptcr sagen" u. s. w. Ich weise auch auf den bekannten Ausspruch unserer Weisen: אין לא להקב״ה בעולמו אלא ד אמות של הלכה und viele ähnliche Sentenzen hin, bei welchen ich jedoch hier nicht länger verweilen kann. (Fortsetzung folgt.) Zur fuge der Juden in iltttuäittcn. (Schluß.) § 116. Bei den jährlichen Einschreibungen in die Schule werden unter Umständen die rumänischen Kinder den fremden vorgezogen.

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