Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1887)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1887-05-19
- Page
- 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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anstatt das Mitgefühl für die Unglücklichen rege zu I machen, auf vermeintliche Gefahren, die England von | diesen droht, hinzuwcisen. Diese Gefahr soll nainentlich darin bestehen, daß diese armen Menschen die Löhne hcrabdrücken und eine Verminderung der Preise für Waare bewirken! Man höre mir die seltsame Begrüudung für diese seltsame Behauptung. Da die Juden von ihren vermögenden Glaubensgenossen unterstützt werden, so können sie billiger arbeiten und mit einem geringeren Nutzen verkaufen und bilden somit eine gefährliche Konkurrenz für den ArbeitS- und Waarenmarkt! Wenn die Insassen von Bedlam also argumeutirten, dann verstände man cS, aber von vernünftigen Menschen solches hören zu müssen! Man erkennt indessen hieraus, daß das Bornrtheil nicht allein ungerecht und hartherzig, sondern auch toll macht. Rußland. Warschau, 10. Mai. Der ״Kur. Warsz." veröffentlicht eine statistische Zusammenstellung der polnischcn Industrie. Danach sollen 1219 Fabriken und HandlungShauscr von jüdischen Industriellen unterhalten werden, welche einen Werth von 15 336 371 Rubel rcpräscutircn und einen Jahresumsatz von 25849975 Rubel erzielen. HI Warschau, 12. Mai. Die zwei größten Städte deö Gouvernements Minsk: Sluzk und BobruiSk '(an der Vcresina) sind von großurFcucröbrüusten thcilweise vernichtet. Der Schaden ist sehr bedeutend. Beide Städte zählen eine starke jüdische Bevölkerung, die voranSsichtlich sehr in Mitleidenschaft gezogen ist. Nähere Nachrichten über dieses Schadenfeuer fehlen noch zur Zeit. — Nach einer Verfügung des Finanzministers müssen alle Kaufleute, die nicht russische Unterthancn sind, falls sie auf russischem Staatsgebiet Geschäfte betreiben wollen, eine jährliche Gildenabgabc bis zu 1200 Rubel entrichten. Die jüdischen Kauflente bedürfen überdies noch der ministeriellen Genehmigung, diese Abgaben zahlen zu dürfen. Jüdische Kauslcutc, die deutsche Untcrthanen sind und über die Grenze kommen, um hier ihre Geschäfte zu betreiben, haben einen Revers unterschreiben müssen, daß sie für den Fall der Weiterführnng ihrer Geschäfte eine einmalige Steuer von 70 Rubel bezahlen wollen. III Odessa, Mai. Man will hier jüdischer ScitS eine Ackerbanschule gründen, iu welcher zunächst die Waisenkinder zu Landwirthen herangcbildet werden sollen. * Kamniez-Podolsk. Der ״Hazcfirah" wird von hier berichtet, daß bei der kürzlichcn Militärstcllnng konstatirt worden ist, daß in den Listen 62 Pflichtige aufgeführt waren, welche längst gestorben. Es geht ans diesem Umstande, welcher keineswegs vcrcinzelt dasteht, hervor, wie unberechtigt der Vorwurf von der größeren Anzahl der jüdischer Seits sich der Militärpflicht Entzogenen ist. Die Negistcr sind aber zu unordentlich geführt. Amerika. 11. Newyork, Mai. Nach Ausweis des Jahresbcrichtö deö hiesigen jüdischen Waijcnhanscö zählt dasselbe 489 Zöglinge. Die Aufwendungen dafür betragen rund 60 000 Dollar jährlich. — Der gut anSgesonncne Plan, sich die Herrschast zu sichern und die Orthodoxen zu meistern, welchen die Nesormprediger inszcnirt haben, indem sie cö zum Gesetze erheben wollten, daß jüdische Trauungen nur durch sie allein vollzogen werden dürfen, hat sich gegen sie selbst gewendet. Der bctressende Standesbeamte weigerte sich nämlich, auch Ehen zu rcgistriren, welche von ihnen ״cingesegnct" waren, indem er den Nachweis nicht erbracht fand, daß die Herren selbst ordentliche Geistliche im Sinne des Gesetzes seien. DaS hatten die Herren nicht erwartet und darüber große Bestürzung, welche auch ans der jetzt hier tagenden sogenannten Nabbinerkonferenz zum Ausdruck gelangte. Wie sic aus der fatalen, selbst geschaffenen Lage herauskommen wollen, ist noch nicht klar. Wer ist ein Rabbi? daö muß fcstgcstcllt werden. Sind eS jene, welche von irgend einer Gemeinde als solche angesehen werden'? Was aber ist eine Gemeinde? Sind cS nur die wohl« habenden Bereinigungen zum gemeinsamen Gottesdienste, oder auch die von den ärmeren Inden eingerichteten? — Vorläufig bewahrheitet sich hier der Spruch: Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. An Lüge der |nkn in Rnmimn. Die ״Ocftcvr. Wochenschrift" bringt unter dieser Ucbcrschrist eine größere .Korrespondenz ans Jassy, welche das in unserer Korrespondenz ans Votnschani iu voriger Nummer berührte Thema ausführlicher be« handelt. Bei der Wichtigkeit der Sache reprodnziren wir hier den ganzen Artikel. Nachdem die Juden in Rumänien zur Zeit des Berliner Kongresses das schwere Verbrechen bcgangss hatten, die Anerkennung der ihnen so lange vorerttbäD tenen Bürger- und Menschenrechte seitens der ruUänischcn Regierung, von der Thütigkeit der Alliance Israelite und dem Gerechtigkeitssinne Europas zu erwarten, und nachdem sie durch Umwandlung der, Rumänien vom Berliner Vertrage auscrlegten all-