Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest, 10. Mai [Nachricht]
- Date
- 1887-05-19
- Page
- 317 (sequence 2)
- Language
- German
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317 grau Pollak wurde von einem Stcinwursc zu Boden gestreckt und mußte zu dem Gemeindehaus ^getragen werden. Die Familienmitglieder des Herrn Pollak wurden am Morgen der Haft entlassen und nach Pest gebracht; Herr Pollak aber blieb noch iuhaftirt. BergebcuS wurde der Ortövorstchcr durch den Anwalt PollakS, welcher nach Buda-OcrS kam, anfgcfordcrt, ihn der Haft zu entlassen. Er befindet sich daselbst noch. Bon Pest ans aber wurde ein Detachement derittener Konstabler nebst zwö-f Fnßpolizisten zur Ansrcchthaltung der Ordnung und zum Schutze PollakS nach Buda Oerö entsendet. Die gerichtliche Prozedur ist cingelcitet. t'. Pest, 11. Mai. Der Schneidermeister Franz Im re, der als Präsident der Antiscmitcnpartei im hiesigen Bezirke sungirte und zum Kandidaten dieser Partei für den Reichstag anScrsehcn war, wurde von der Polizei wegen KautivnSschwindeleien und Beruntreunng verhastet. Imre war auch Redakteur der Schnciderzcitung und veruntreute die Kautiouen der Angestellten dieses UnternchrnenS. * Pest, 13. Diai. Die antiscmitischen Unruhen in Dickenieß (Barser Komitat) gelangten am 4. d. M im Strafsenat der Königlichen Kurie zur Bcrhaudlnug. 'In den späten Abendstunden des 26. August 1883 griff ein größerer bewaffneter Hausen die Wohnhäuser und GcschäftSlädcn der Dickenicßcr Inden Samuel Ungcr, Hermann Uuger, Wittwe Moritz Unger und Adam Katzl au, zertrümmerte bei dieser Gelegenheit die WohunngScinrichtttugen und vernichtete die Waarcn- Borräthe. so daß die Betroffenen einen Schaden von 20 000 Gulden erlitten. Der dclcgirte Budapcster Königliche Gerichtshof hat in dieser Angelegenheit seinerzeit 52 Angeklagte thcils wegen Gewahltthätigkcit gegen Privatpersonen, thcils wegen DicbstahiS zu ein- bis zweimonatlichem Gcfänguiß verurthcilt. Die Königliche Kurie jedoch gnalisizirte die That als ״Aufruhr" und vcrnrthcilte die Hauptangeklagten zu je anderthalbjährigen: Gefäuguiß. Bon den Bcrnrtheilten kamen vier >׳m ״Novisiruug" des Prozesses ein, welchem Ersuchen Folge gegeben wurde. Der Gerichtshof setzte nun daö Urtheil der Königlichen Kurie in Bezug auf Johann Karniß außer Kraft und sprach denselben frei. Bezüglich der übrigen Angeklagten wurde das Urtheil der Königlichen Kurie aufrecht erhalten. Dieses Urtheil wurde sowohl von der Königlichen Tafel als auch von der Königlichen Knric bestätigt. (N. Süd. Pcsl.-Zlg.) :i||* Kvjeteill (Mähren), 11. Mai. Am 9. d. M. hat das Militär mit scharfer Waffe gegen den wüthcnden Pöbel cinschrcitcn müssen. Das angeblich von Juden geschlachtete Mädchen, Namens Marie Kribns, ist als Leiche ans dc!n Wasser gezogen worden. Sie wurde in Anwesenheit von mehreren Bürgern sczirt und zeigtt auch nicht die geringste Spur einer äußeren Verletzung. Der Befund ist behördlicherseits durch Plakatirnng in allen WirthShäuscrn zur allgemeinsten Kunde gebracht worden. Durch diese Maßregel sowie durch die leider nothwcndig gewesene bewaffnete Intervention durch die von Prcrau reguirirlcn Dragoner scheint jetzt die Ruhe gesichert, nachdem sic seit dem 1. d. M. gestört gewesen war. Etwa sechzig Exzcdcnlcn wurden gefesselt nach der Festung Olmütz gebracht. Der Kravall beschränkte sich nicht allein ans den hiesigen Ort, sondern dehnte sich auch aus die Umgegclld ans. In BcSmiran, Polkoivitz undUhricicz haben Exzesse stattgestmdeu. Militär mußte auch ans Reutitscheiu zur Bewältigung dcö LaudfriedcuSbruchS herangczogcn werden. Mehrere Juden liegen in Folge erlittener Mißhandlungen schwer darnieder. Hinter dem Pöbel sollen antisemitische Hetzer stehen. Wie den: auch sei; man gewahrt hier mit Schrecken die Früchte des elenden Treibens der Antisemiten. England. London, 13. Mai. Die IudenmissiouS- Gesellschaft hat kürzlich ihre Jahresversammlung abgehalten. Sic rühmt sich großer Thatcn. Sie will bereits eine große Anzahl Juden zur Taufe bewogen haben. So lauge sie nicht in der Lage sich befindet, diese Konvcntirtcn nach Ramcrr und Wohnung genau auzugebcu, wird eS gestattet sein, daran zu zweifeln. Gewiß mag mancher Arme, Elende, von ihrem Golde geblendet, sich ihr hingcben, und noch gewisser ist cS, daß einzelne au sittlichem Defekt leidende Menschen die Taufe aunchmcu und in den Dienst der Gesellschaft als Missionäre für Israel treten. Die Erstercu verbleiben ihr aber nicht und die Letzteren machen wahrlich ihren: ״neuen Glauben" so wenig Ehre wie sic ihrer angestainmtcu Religion zur Zierde gereichten. Das aber sollte die MissiouSgcscllschast doch endlich schon gelernt haben, daß sie keine ungeeignetere Werkzeuge zur Bekehrung der Juden wählen könnte, als gerade gelauste Inden. Siebcnuudvicrzigtauscnd Pfund, das sind I I7N000 Frank, sind von zwei verschiedenen Gesellschaften zur Bekehrung der Inden im Jahre 1886 ausgenommen und bis jetzt auf zweitausend Pfund ausgegeben worden, und was ist damit erreicht worden? Ein Anzahl MissionSprcdigcr haben dafür fein gelebt und haben vielleicht wirklich hier oder dort eine arme Jndcnscclc cingefangcn. Was hätte mit dieser nngcheueren Summe für Gutes gcslistct werden können! Wie viel christliches Elend hätte man damit unterstützen können! — — Der ״Speetator" und die ״St. James Gazette" haben Angesichts des Elends der armen ein-gewanderten Inden den traurigen Muth,