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Jeschurun · 1887-05-19 · Heft 20 (19.5.1887) · p. 315

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 20 (19.5.1887)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1887-05-19
Page
315 (sequence 2)
Language
German
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815 —־ Die diesjährige Generalversammlung findet am Mittwoch, den 29. Juni 1887, zu Würzburg iu der Restauration Pfeifer statt. Es wird dringend gewünscht, daß Geldsendungen direkt an den Kassirer vr. M. Braunschweige»׳, NcibeltSgasse 3, adrcssirt werden. Schließen wir unser»» Bericht mit dem Ausdruck deS aufrichtigsten Dankes gegen alle verehrten Gönner und Wohlthäter deö Vereins, besonders auch gegen diejenigen Herren, die die Aufmerksamkeit wohlthätigcr Herzen auf den Verein gelenkt und so das Wort der Weise!» bethatigen: גדול המעשה יוהד מן העושה, der Veranlasser zürn Wohlthuu steht höher als der Wohlthäter selbst. XX Rognscn, Mai. Unsere Gemeindevertretung hat, »vic gewiß auch viele andere, von ihrem Rechte, gegen den Erlaß bezüglich deS NeligioSunterrichtS an Gymnasi׳׳n zu protestiren, Gebrauch gemacht, und hofft dieselbe auf gleichen Erfolg, wie cS in Jnowrazlaw der Fall gewesen. — DaS Thorastndium gewinnt bei uns, rvcun auch langsam, so doch sicher, mehr und mehr Raum. Wenn mau in den Scfiraabendcn unsere Synagoge betritt, so wird mau eine stattliche Zahl Zuhörer bcmertcn, die dem Portrage deS Herrn Nabbiucn lauschen. Zur Belebung deö jüdischen Sinnes hat derselbe vielfach die Piutim zun» Mittelpunkt feiner Worte gc!nacht und dabei litcratur- und allgemeingeschichtliche Aufschlüsse geboten, wie auch seine Zu- Hörer vom dichterischen Werthe der Jozcrot überzeugt. Bon! ל״ג מעומד an hat er uns aus talmnd.ischcn Quellen ein fesselndes Lebensbild des Nabbi Akiba, wie eine Darstellung seiner hauptsächlichen Ansichten vorgeführt. — Sonst ist zu derselben Zeit im Bethhamidrasch das Jahr hindurch stets halachischcr Vortrag deS Herrn Nabbinen aus Talmud und Poßkim, und hat sich diese Einrichtung gut bewährt. — Die Prüfung, die derselbe an» Pcßach in der NcligiouSschule abgehalten, zeigte von Neuem den guten und regsamen Geist, der dieser Anstalt inncwohnt, und das Streben, die Kinder zugleich in das thatsüchliche Gcmciudelcben cinzuführcn. — Vor Kurzem führte uns der genannte Herr am Bethhaniidrasch seine vor etwa neun Monaten bei ihm cingctrctenen Talmudschnlcr vor, und auch da bewiesen die Knaben genaue Kenntniß der durchgcnonnncucn Partien in Mischna und Genrara. — Am Sabbath vor Mincha, wo mit den reiferen Schülern die Hafthora und die Pirkc Aboth besprochen werden, findet sich auch »neist eine stattliche Anzahl Zuhörer aus allen Kreisen der Gemeinden ein, die den Gegenständen mit sichtlicher Theiluahnic folgen. DaS Alles ist ein Beweis, daß der Boden für jüdisches Wirken hier vorhanden ist und — daß er bestellt wird. O e st e r r e i ch -1111 g a r u. G. Wie»», 13. Mai. Die Plenarversammlung deS israelitischen Blinden-JnstituteS in Wien fand am 8. d. M. statt. Der Verein des Institutes zahlt 7 Stifter, 494 Mitglieder und 25 Ehrenmitglieder und hatte im letzten Jahre Ausgaben von 10,466 fl. und Einnahmen von 16,893 fl. In dem Institute, in welchem die Zöglinge außer den Gegenständen der Volksschule auch Gesang, Musik, Modetlircn, »veibliche Handarbeiten, je ein Handwerk oder Klavicrstimmen erlernen, befanden sich »nährend der fünfzehn Jahre seines BestandeS 72 Zöglinge, von denen 26 ihre VildungSzcit ordnungSrnäßig absotvirt und ihre volle Erwerbsfähigfeit erlangt haben, so daß keiner von ihnen bisher in die Lage gekommen ist, den UnterstntzungSfondS für die entlassenen Zöglinge in Anspruch zu nehmen. Einer dieser Zöglinge legte vor der Prüfungskommission die Prüfung für das Lehramt an Mittelschulen über Klavier- und Orgelspiel, Harmonielehre und Geschichte der Musik ab und »vurde als Lehrer an Lehrer BildnngSaustalten im Orgelspiel für befähigt, im Klavicrspiel für ausgezeichnet befähigt erklärt. Derselbe wirkt nun als Organist, sowie in der Anstalt als z»veitrr Musiklehrcr. ES ist ausfallend, daß in einer jüdischen Anstalt Orgelspiet gelehrt wird. Man sollte doch die unglücklichen Blinden vor Allem zu wackeren Juden erziehen und sie nicht für den Dienst eines NcformkultnS ausbilden. G. Wie»», 15. Mai. Unser Kultusminister Herr von Gautsch hat bei Gelegenheit der laugen Debatte im NcichSrath über das Bntget rviedcrhvlt Veranlassung gcnonnncn, vor dem ganzen Lande das Treiben der Judenfeinde, welche sich der akademischen Jugend zu bemächtigen trachten, zu verurtheiteu. Er äußerte sich darüber folgendermaßen: ״Ich kann nicht leugnen, daß namentlich au uusercn Hochschulen da und dort sich Spuren voi» Verirrungen zeigen, von Verirrungen bedauerlicher Art, die aber nicht ans der Studentenschaft heraus, sondern in die Studentenschaft hineingctragcn werden. Meine Herren! Sic werden hineingctragcn von Männern, die vielleicht gerade deshalb sich die Studentenschaft zum Terrain ihrer Aktion »vählen, weil sic auf einen andern Gebiete kann: aus ein gebildetes Publikum für ihre politische Anschauung zu zählen haben." Dies geschah in der Sitzung vom 9. Mai. Am folgenden Tage ward »hm aufs Neue Veranlassung geboten, auf das gleiche Thema zurückznkommc». Er ließ sich darüber also anö: ״Ich glaube, cs giebt nur ein einziges Heilmittel in dieser Bezichuug, das ist die Verallgemciucrung der Bildung über- Haupt. Solche Dinge sind nur dort möglich, wo die Bildung auf einer niederen Stufe steht und darum »st cS Sache der Untcrrichtsvmvaltnng, diesen Erscheinungen dadurch cntgegenzntrclen, daß sic bestrebt ist, das allgemeine Niveau der Volksbildung überhaupt zu heben, und in diesem Sinne fasse ich die Aufgabe der Unterrichtes Verwaltung auf. Sie werden daher begreifen, mein-

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