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Jeschurun · 1887-05-19 · Heft 20 (19.5.1887) · p. 314

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 20 (19.5.1887)
Article
Deutschland : Kassel [Nachricht]
Date
1887-05-19
Page
314 (sequence 2)
Language
German
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314 der genannte Verein, welcher sich konservativ nennt, dieses Epitheton verwirkt, indem er vorgestern in sein Programm die folgende Erklärung ausgenommen. Mit Einstimmigkeit hat er näntlich beschlossen, seinen Statuten den Satz cinzuverlcibcn: ״Wir anerkennen das Borhtmdcnscin einer Iudeufruge im deutschen Volk als einer Kultur- und sozialwirthschaftlichen Frage, sowie die Dringlichkeit ihrer Lösung. Letztere ist mit Aussicht auf Erfolg allein zu finden in der vollen Ausführung der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1861 und in der Beseitigung einer dem christlichen Staat widerstreitenden Gesetzgebung, durch Rückkehr zu mehr germanischem Rechts- und Wirthschastslcben, und bc׳ sonders durch rechtlichen Schutz der in ihrem Bestehen bedrohten Handwerker und Landwirthe gegen einseitigkapitalistische Behandlung, so wie durch Zusammenschlicßung der zur Zeit zerstreuten Kräfte auf genossenschastlicher Grundlage." Indem der Verein die Botschaft unseres erhabenen Monarchen hier anführt, als ob der Kaiser, welcher allen seinen Untcrthanen in gleichem Wohlwollen zugcthan ist, an den antisemitischen Bestrcbnngen Wohlgefallen haben könnte, befindet er sich in einem höchst bcdaucrnSwcrthen Irrthum. Unseres Kaisers wahrhaft fromnter Geist ist um Aconcn über den kleinlichen Geistern erhaben, die für die sozialen Schäden die Inden verantwortlich machen wollen. Er kennt sein Volk besser. Er weiß, daß seine jüdischen Untcrthanen.nicht minder dem Gemeinwohl dienen, wie die christlichen Bürger. Er weiß, daß in den jüdischen Kreisen in nicht geringerem Maße alle Vürgcrtugenddn anzutrcffcn sind, als in den christlichen Kreisen. Die kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 hat in den jüdischen Kreisen einen eben jo lebhaften Widerhall gefunden wie in den christlichen. Wahrlich, die Juden sind nicht die letzten, welche in der Pflege der Liebe, die nicht in Phrasen allein sich erschöpft, sondern in menschenfreundlichen Werken sich bcthätigt, zum Heile des Vaterlandes, zur Linderung der Noth und dcS Elendes, im Sinne der kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 sich bewähren. Der Verein aber streiche daö Wort ״konservativ" aus seinem Titel, er hat fortan keine Berechtigung cS sich beiznlegcn. * Düsseldorf, Mai. Der Bericht über die Wirksamkeit des Vereins zur Verbreitung nnd Förderung dcS Handwerks unter den Inden in Düsseldorf ist der Ocsfentlichkcil übergeben worden. Derselbe zählt zu seinem Mrkungögcbietc insbesondere Nhcinland und Westfalen. Er verfügte im verflossenen Jahre über eine Einnahme von 6427.44 und verausgabte davon 6348.17 o\k Die Zahl seiner Bcucsiziatcn betrug 50 israelitische HaudwerkSlchrliuge, und zwar 12 Schneider, 7 Klempner, 6 Schuster, 5 Maler und Glaser, je 3 Sattler und Buchbinder,je 2 Buchdrucker, Buchbinder und Maschinenbauer, je 1 Gerber, Weber, Posamentierer, Steinmetz, Vergolder, Schreiner, Schlosser und Bäcker. Die Ausgabe von 6348.17 J(n vcrthcilt sich wie folgt: für Beköstigung 4077,20; für Bekleidung 240.55 für Krankenpflege 6,65 01i) für Unterricht 253.25 Ji; für Lehrgeld 80 ofi; für Lehrmittel 106.29 für Hcmdwcrkzeug 61.13 für verschiedene VerwaltungSkosten 1468.10 J&; und für Subventionirung 2 Handwerksmeister 55 JL Wir konstatieren ungern in dem ziemlich umfangreichen Bericht das Fehlen auch nur einer leisesten Hindcutuug, daß der Verein für die religiöse Führung seiner Schützlinge Sorge trägt. Er verdiente die wärmste Anerkennung und eifrigste Förderung, wenn er bezeugen könnte, daß er für die sänuntlichen 50 Lehrlinge kontraktlich die siete Beobachtung der Sabbathgesetze mit den Meistern bedungen hätte und dafür in ausgiebiger Weise Sorge trüge, daß die sämmtlichen 50 Lehrlinge vollständig koschere Beköstigung empfangen. Dieses wäre die erste und heiligste Obliegenheit des Vereins und seiner Leitung. ES würde uns außerordentlich freuen, hierüber autcntischen Aufschluß zu erhalten. $ Würzbnrg, 16. Mai. Dem soeben ausgegebenen ״Jahresbericht des Israelitischen Lchrervercins für LaS Königreich Bayern vom siebenten Jahre seines Bestehens" entnehmen wir folgende Daten. Die Hoffnung,. daß, da das BereinSvermögen jetzt eine unter Staatsaufsicht stehende Stiftung ist, das Vertrauen zu dem Vereine wachsen werde, hat sich voll bewährt, indem die freiwilligen Leistungen für den Verein in allen Theilen eine bisher nie dagcwescue Höhe erreichten, so daß daö Grundkapital von 9803.73 Jk auf 10495.10 v%., der IlntcrstützungSfondS von 1077.92 J6 auf 2173.92dasGesammtvermögen von 10889.15 auf 12 669.02 hinauf gingen. Der Verein zählt im abgclausencn Jahre 106 ordentliche und 150 außerordentliche Mitglieder, die 1197 beisteuerten, außerdem gingen große Summen an Spenden und Geschenken von Gemeinden und Vereinen bei Feierlichkeiten und verschiedenen Veranlassungen ein. Nahe an 500 Ji wurdcn an Unterstützungen verausgabt. Für die Jahre 1887, 1888 und 1889 ist der Höchstbelrag eines Unterstützungsthcils um 20 Prozent erhöh! und auf 60 di festgesetzt. Es wird ferner mitgcthcilt: Nach hoher Entschließung der köuiglich.'u Regierung war die Rechnung erstmals in vorschriftsmäßiger Weise zu stellen und zur Revision bei der hohen Kreisstelle in Vorlage zu bringen. Das Resultat dieser Rechnungsstellung stimmte mit dem Ergebnisse des jüngsten Jahresberichts vollkommen überein, und wurde die Rechnung nach vorgenommener Revision als richtig anerkannt, dabei aber angcordnct, daß die Papiere, in welchen das Vereinsvermögen angelegt ist, vinkulirl werden müssen.

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