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Jeschurun · 1887-05-19 · Heft 20 (19.5.1887) · p. 313

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 20 (19.5.1887)
Article
Deutschland : Hannover, 15. Mai [Nachricht]
Date
1887-05-19
Page
313 (sequence 1)
Language
German
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Jfg 20. 313 Zeschnru« Korrcsplmdcnzcil imb Nachrilhtcn. Deutschland. # Hannover, 15. Mai. 311 Bezug auf die von den ״Grciizboleii" gebrachten ״Jngcndcrinncrungcn" von Ernst Willkomm, an welche unser Leipziger -(»-Korrespondent der vorigen Nummer einige Deinerkungen geknüpft hat, werden wir von anderer geschützter Seite darauf aufmerksam gemacht, daß im weitern Verlaus seiner ״Iugcndciinnerungcu" Ernst Willkomm trotz seiner Geringschätzung der jüdischen GottcSverehruug durch daö folgende in Rr. 17 der ״Grcnzbolcn" mitgcthcilte kleine Nciscercigniß zur Hochachtung derselben gcuöthigt wurde. Ernst Willkomm schreibt: ״Das Hans, in dem wir Unterkunft fanden, lag in einer Seitengasse und schien besonders stark von herumziehenden Juden besucht zu werden. Einige derselben, unter ihnen ein würdig auSsehcndcr alter Mann mit fast schneeweißem Barte, 1 heilten mit uns sogar das Schlafgemach. Dieser ernste, stille, alte Mann ward mir merkwürdig durch die Andacht, mit welcher er am nächsten Morgen im gemeinsamen Gastzimmer sein Gebet verrichtete. Zum ersten Male im Leben sah ich einen orthodoxen Juden, den Gcbctriemcn um Kops und Arm geschlungen, seiner andersgläubigen Umgebung nicht die geringste Beachtung schenkend, in solcher Weise Lief demüthig zu Gott flehen. Der Vater hatte wohl Recht, uns Brüdern den inbrünstig betenden Juden als ein Muster aujzustellcn mit den Worten: ein so fester Glaube kann Berge versetzen und ist Gott jedenfalls angenehm — Was hielt unö Christen denn ab, in unserer Weise uns ebenfalls an Gott zu wenden, ohne der Spötter zu achten? Mir erschien der alte Jude frömmer und besser als wir, obwohl er auch zu den Nachkommen der fanatischen Thoren gehörte, die einst ihr ״Kreuzige ihn!" gerufen hatten. Ich hütete mich aber wohl, meine kindisch ketzerischen Gedanken laut werden zu lassen." # Hannover, 17. Mai. Dem Berichte des hiesigen Vereins zur Unterstützung der Schüler der BildnngSanstalt für jüdische Lehrer pro!.Oktober 1885/0 entnehmen wir folgende Daten. Es wurden wahrend dieses Zeitraums 25 Schüler in dem Internat und 9 Schüler in anderweitigen Pensionen unterhalten. Die Ausgaben hierfür beliefen sich auf 11401 J( :1:5 die BerwaltuugSkostcn auf 570 J(. 80 die Einnahme betrug 13 667 ^6. 50 .L Die Einnahme ist gegen daö Vorjahr erheblich geringer geblieben, die Ausgabe hat sich jedoch um etwa 800 JL erhöht. Das von dem Verein angestrebte Ziel der Erwerbung eines eigenen Grundstückes, welches die sämmtlicheu Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt und Präparanden in ein Internat vereinen kann, ist deshalb in dem vergangenen Jahre keineswegs gefördert worden. Der Vorstand erblickt in dem Mißverhaltniß zwischen einer verminderten Ein, nähme und einer zunehmenden Ausgabe mit Recht einen Rückschritt und bittet dringend um eine kräftigere.all» seitigc Theilnahme, um denselben nicht zu einem konstanten werden zu lassen, welcher dem Bestände des Vereins verhangnißvoll werden möchte. Möge dieser Bitte entsprachen werden. Möge eö auswärts beherzigt werden, daß der Verein keinen lokalen Bedürfnissen dient, sondern vielmehr wesentlich für die auswärtigen Gemcinden der hiesigen Provinz nicht allein, sondern im Reiche überhaupt, den zukünftigen Lehrern und Kultusbeamten während ihrer Studienzeit den Lebensunterhalt verschafft. Der Verein zählt jetzt 223 hiesige und 254 auswärtige Mitglieder, welche im vcrstosscncn Jahre 5 313 0K 95 J) beigestcnert haben. Dieses genügt aber keineswegs für die Ansprüche, welche der Verein an sich selbst stellt und welche an ihn gestellt werden. Der Verein besitzt nur einen Fonds von 14 710 0& 25 J). Unter seiner Verwaltung stehen vier.Stiftnngen: auf dem Namen Laudrabbiuer 1)r. Meyer mit einem Fonds von 551 Jf,t Professor Frensdorfs mit einem solchen von 2284 JA 60 MoseS Frankenberg mit einen Bestand von 3187 J(, Isaak Abbraham Goldschmidt mit einen solchen von 2 400 01L C. Berlin, 17. Mai. In der hiesigen Stadt traten im verflossenen Jahre 68 Inden zur evangelischcu Kirche über. Von der letzteren traten 108 in eine andere Religionsgemeinschaft ein, darunter 4 zum Judenthum. M. Hamburg, 9. Mai. Am Freitage trafen mit dem englischen Dampfer ״Falkon" 26 mittellose israelitische Rückwanderer, denen die Landung in New- York versagt war, hier ein. Dieselben wurden sofort nach ihrer Ankunft von dem hiesigen israelitischen UnterstütznngS-Komitce in Empfang genommen und zn ihrer Heimath nach Rußland weiter befördert. -s- Kassel, 13. Mai. Vorgestern fand die General- Versammlung des konservativen Vereins für Hessen und Waldcck statt. Es ist bcklagcnswcrth, daß die Achtung verdienende Bezeichnung ״konservativ" in unserer Zeit zur Deckung der destruktivsten Tendenzen dienen muß. Zu diesen zählt die von Vornrtheil, Haß und Neid erzeugte sogenannte ״Judeufrage" in eminenter Weise. Eine wirklich konservative Gesinnung äußert sich in der Er- Haltung und Stärkung der sittlichen Prinzipien, auf welchen der Staat und die Gesellschaft beruht. Die Erschütterung des inneren Friedens, die Erregung von Feindschaft unter den Mitgliedern des Staats, die Vcrdüchtigung und Anschuldigung einer ganzen Klasse von Bürgern ist nicht eine konservative, sondern eine revolntiouäre Thatigkeit. Deshalb hat, meines Erachtens,.

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