Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1887)
- Article
- Zur Abwehr
- Date
- 1887-05-19
- Page
- 310 (sequence 2)
- Language
- German
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310 fein Zufall, daß in wirthschastlich am izünstigsieil situirtcn Gegenden, wie z. B. Hannover und Schleswig- Holstein, sich sehr wenig Juden finden, wahrend sic 6n der Armuth PoscnS und Obcrschlesims sich noch immer zu bereichern verstehen." Diese Sätze sind natürlich unumstößliche Wahrheilen, die einer Begründung m keiner Weise bedürfen. Die ״Krcnzzcitung" ist überdies ja auch der Inbegriff aller Weisheit und Wahrheit. Was sie spricht, ist bereits dadurch sonnenklar erwiesen, daß sie cs spricht. Deshalb schließt sic auch ohne Weiteres an diese Satze die fernere große, ebenfalls!!!mmstößliche Wahrheit: ״So ist der spezifische Borthci! des Jndcnthums in keinem Lände mit dem Gesammlintcresse der Nation und des Staates identisch." DaS nennt man kreuzzeitungliche Geschichtsforschung und Logik, auf welche sie ein Patent genommen hat. Großmüthig stellt sie jedoch allen judenfeindlichcn Zeitungen und Personen diese zur beliebigen, uneingeschränkten und unentgeltlichen Benutzung. Also: das Indenthum hat überall und stets sein Heil bei den subversiven Elementen gesucht und die möglichste Atomisirung der Gesellschaft angcstrcbt. ״Subversiv" heißt aber auf deutsch: zerrüttend, zerstörend, und ״Atomisirung": Zersplitterung, Auflösung. Das Indcuthnm soll also die Zersplitterung, Zcrstörung, Zerrüttung, die volle Vernichtung der Gesellschaft anstreben und stets und überall angcstrebt haben. Selbstverständlich geht das Interesse des Iudeuthums mit dem Gesammtintcrcssc der Nation und des Staats nicht Hand in Hand. — Warum, ihr Nationen und Staaten, duldet ihr ein solches euch zerrüttendes und der gänzlichen Vernichtung überantwortendes Element in eurer Mitte? Unterdrückt cs, tretet es zu Boden, rottet cs mrS! Das die allerneucstc Leistung der Krenzzeikung, welche sich ihren bisherigen großen Werken sür Wahrheit, Recht und Liebe würdig anrciht. Man bewundere zunächst die Geistesgröße. Einige oder viele junge Leute iu Wien bcuchinen sich gegen ihren Lehrer ungezogen. Vielleicht, oder sagen wir gewiß, befinde»' sich unter diesen jungen Leuten auch einige jüdische Jünglinge. Dieser Anlaß genügt, um den Vernichtmkgskamps gegen die gesammte Iudcnhcit auf weiter Erde zu predigen. Ist das nicht genial? Gegen die von der Krcuzzcitung verübte schwere Anschuldigung des Jndcnthums muß aber die entschiedenste Verwahrung eingelegt werden. Die Geschichte der Vergangenheit und der Gegenwart alter Länder ist der vollgültige Protest gegen die Lüge, daß das Indenthum wie ein Wurmfraß m den! Lebensmark der Gescllschaft wuchere. Wohl wirkt das Judenthum zcrstörend. ES ist der ausgesprochenste Feind jeder Lüge, jeder Bosheit, jeder Ungerechtigkeit, jeder Unbilligkeit. Es bekämpft die Noth, das Elend, den Kummer und die Verzweiflung. Seine Predigt ist Wahrheit, seine Lehre ist Gerechtigkeit, sein Schaffen ist Liebe. Cs vecbreitet überall hin Tugend und Gottesfurcht, cS spendet Trost, cs richtet auf die verzweifelnde Seele. Ja, allewahrhaft Edlc und Gute, alles wirklich Wahre und Menschen Beglückende ist wahrhaft jüdisch, entstammet dem Indenthnme. Das Judenthum ist der Segen der Menschheit; scinc Lehren bilden die Grundlage der auf Gerechtigkeit und Sittlichkeit sich ausbanendcn Gesellschast. Und wie weit auch die einzelnen Individuen in menschlicher Schwäche noch den von dem Judenthum gezeigten hohen Ideale fern sind, die Juden standen und stehen doch überall und zn jeder Zeit in den vordersten Reihen der Gesellschaft, welche dieses Ideal zu erreichen streben. Sie zählten und zahlen noch jetzt überall zu den besten, tngcndhastcstcn, gcsittesten, gemeinnützigsten Mitgliedern der Gesellschaft. Man zeige erst einen Kreis von Menschen, der dem jüdischen hierin überlegen ist. Wenn der erste Satz der Kreuzzcitnng als eine Unwahrheit bezeichnet werden muß, so ist dcr zweite dieser Unwahrheit als Beweis zngesclltc um seiner stannenswürdigcn Logik willen höchst interessant. Gewiß ist cs kein Zufall, daß iu Nordwestdeutschland weniger Juden als im slavischcn Osten wohnen. Die Geschichte weiß zn erzählen,, warum die Juden nach den slavischcn Ländern sich wenden mußten. Aber wem! cS so wahr wäre wie cs unwahr ist, daß die Juden sich an der Armuth Poseus und ObcrschtesieuS zu bereichern suchen, — daß dieser Ausdruck einen sehr bösen Beigeschmack hat, bedarf wohl nicht der Erwähnung — so handelten sie doch sehr einfaltig, wenn sic sür ihre Bereicherung gerade die Armuth aufsnchen. Man kann doch bei dem Ncichthum dieses besser erlangen. Ist aber die deutsche und österreichische Hauptstadt auch so arm, Breslau. Frankfurt und Hambürg auch so arm, daß daselbst so viele Inden wohnen um sich an der dortigen Armuth zu bereichern?? Gicbt es eine größere Lächerlichkeit als diesen zweiten Satz?? So gewiß die Sonne des TagcS das nächtliche Dunkel überwindet, so gewiß wird auch das Licht dcr Wahrheit die sinstcrc Lüge besiegen. Jeder Unbefangene, jeder Redliche wird heute schon anerkennen, daß das Judenthum kein Feind dcr Gesellschaft ist, sondern ein Segen.