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Jeschurun · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Article
Rumänien : Bukarest [Nachricht]
Date
1887-05-12
Page
302 (sequence 2)
Language
German
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gemißhaiidclt. ,So erging es allen zur Hast gebrachten Juden. Manche von ihnen liegen an den Folgen dieser barbarischen Behandlung schwer darnieder. Dieses entsetzliche, jeder Zivilisation Hohn sprechende Vorgehen der Polizei rief übrigens die allgemeinste Entrüstung hervor, so daß die Behörde nicht wagte, dieses summarische Verfahren zur Erforschung eines unbekannten Schuldigen durch eine neue Nazzia zu wiederholen. Das ist aber auch Alles. Es fällt aber Niemandem ein, die Bollsührer dieser unerhörten Barbarei zur Rechenschaft zu ziehen. WaS liegt denn auch daran, wenn etwa neunzig Juden unschuldiger Weise gemartert werden? Dafür genießen sie ja das nnanösprcchliche Glück, in der rumänischen Hauptstadt zu leben!!רעה ישראל האזינה אל נקמות הופיע מ Bottlschmri. Die -auswärtigen jüdischen Zeitungen begleiten das Elend, unter welchem die Juden dieses Landes leiden, mit inniger Thciluahme. Sie verfehlen nicht, die Bedruckungen und Mißhandlungen, welchen die Juden Rumäniens seit mehr als zwanzig Jahren anSgcsctzt sind, zur Kunde des Auslandes zu bringen. Wenn damit freilich auch eine Besserung der traurigen Lage nicht geschasst wird, so gereicht cö uns doch zum Trost, daß unsere Brüder in glücklichen Ländern unfern Schmerz mit cmpsinden und uns ihr Beileid nicht versagen. Ich habe aber bis jetzt in diesen Zeitungen die'Hervorhebung einer Gewaltthat vermißt, welche viellincht die schwerste Verletzung dcS NechtSbewnßtseinS in sich schließt. Auch Ihr Blatt hat deren meines Wissens bisher noch keine Erwähnung gethan. Ich glaube deshalb, daß cS Ihnen nicht unwillkommen ist, wenn. ich darüber hiermit berichte. Mit den Ausnahmegesetzen gegen die Inden, durch welche diese an ihrem Erwerbe gehindert, in ihrer Ehre geschädigt und an ihrem Leibe gequält werdxn, haben die'Inhaber der Gewalt nicht so sehr ihrem erbitterten Haß gegen die Inden ein bleibendes Denkmal gesetzt, als 'mit den den Unterricht betreffenden unerhörten Verordnungen. ES sind jetzt etwa zwei Jahre her, da erging ein Gesetz, daß.die jüdischen Schülc.r der öffcut* lichen UuterrichtSanstaltcn über empfangenen NcligionSunterricht ein Zeugniß von dazu regierungsseitig auto-' risirten Nabbincn aufz'uwciscn oder an dem christlichen Religionsunterricht theilzunehmcn haben. Nun hat aber, der Gesetzgeber nicht angeordnrt, wer diese autorisirten Rabbiner sind, und' so werden überall ' in hiesiger Stadt uichrere Hundert jüdischer Knaben uiib Mädchen gezwungen, christlichen Religionsunterricht zu empfangen. Dir Maßregel scheint übrigens nicht dahin zu zielen, Juden zum Christcuthume zu bekehren, als die Juden au-S dt» Schulln -zu verbannen. Damit steht auch die fernere Bestimmung, im Zusammenhang, daß die Juden für..jeden Schüler der Elementarschulen 10 Franken und für jeden Schüler der höhem Schulen 50 Frauken zu zahlen haben, während für die Christen gar kein Schulgeld erhoben wird. Spanien. * Der ״Jüd. Presse" cutuehulen wir aus zwei ihr von Herrn Lapuya in Betreff der in Madrid angelangten Inden aus Rußland daö Folgende: ״Was soll ich mit der Menge von Inden anfangcn? Wie soll ich sie nach Lissabon befördern? Die Direktion der Eisenbahn hat mir den halben Fahrpreis zngestandcn, jedoch habe ich bereits viele Hunderte von Pesetas aufgewendet und bin nicht in der Lage, derartige Opfer zu bringen. Lasse ich die Leute in den Straßen betteln, so wird meine Idee.vor dem Lande der Lächerlichkeit preiSgegcbcn, und ich müßte auf dieselbe verzichten. Ich kenne Spanien sehr genau und weiß, daß man nicht anders handeln darf, als ich eS gethan. Ich kann und darf die Einwanderer nicht verlassen. Sie, in Berlin, können sich unmöglich .einen Begriff davon machen, was cs kn Madrid bedeutet, Fremde und noch dazu Inden in den Straßen betteln zu lassen. Fürwahr ich wäre gcnvthigt, Spanien auf Nimmerwiedersehen den Rücken zu kehren. Die Presse, die öffentliche Meinung, meine Widersacher würden über mich herfattcn und mich lächerlich zu machen suchen. Die ultramontane Presse würde mich erbarmungslos zerfleischen, und die׳ von mir verlassenen Einwanderer wären in ihrer Verzweiflung fähig, sich an mir zu vergreifen. Es giebt hier nur eine Lösung, und diese besteht darin, daß man mit Geld zu Hülse kommt, nicht um inciuc Auslagen zu erstatten, sondern um ans dieser Lage hcrauSznkommen; sollte dies nicht möglich sein, so würde für lange Zeit an eine Nealisirnug meiner Idee nicht zu denken sein." Dieses Schreiben ist vom 24. April datirt. DaS zweite ist vonl 28. April und lautet: ״Drei Familien und zwei einzelne Leute, im Ganzen abermals dreizehn Israeliten, sind hier angctangt, jedoch nicht auS Nuß« land, sondern aus Marokko. Sie konnncn in Lumpen, in. orientalischer Tracht, mit rothem Fez und mit weißen und blauen ShawlS in der malerischster Weise drapirt. Mein Ha'nS gleicht nun einem Gasthof. Ganz Madrid, wenigstens der Stadtthcil, in dem ich die Nüssen einqnartirt habe und der, in welchem die Marokkaner für eigene Rechnung sich einmietheten, weiß, daß cS Inden sind. Kein Mensch beunruhigt sie, im. Gcgcntheil man kommt ihnen überaus freundlich entgegen, und die. Marokkaner werden von allen Seiten, ohne daß sie darum bitten, so reichlich beschenkt, daß ich mich um sie nicht zu künnncrn brauche. Das ist meine Rettung. Ein ganz neuer Gesichtskreis eröffnet sich mir, und cs ermuthigt mich zu sehen, daß meine Landsleute mir ln

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