Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest, 5. Mai [Nachricht]
- Date
- 1887-05-12
- Page
- 300 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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einer anderen nützlichen Kunst, habe ich nicht erfahren können.' / A. Preßlmrg, 7. Mai. Die Antisemitenpartei des ungarischen Abgeordnetenhauses sicht sich bei Zeiten um, ihre Partei durch Zuwachs von Mitgliedern zu verstärken. Sie lugen so lange nach gesinnungsgenössischcn Bezirken aus, bis sie solche auch wirklich ׳ sinden. Für die heurige Abgeordnetenwahl trachten die Antisemiten einen Vrnchtheil ihrer Getreuen aus dem Prcßbnrger Komitate zu rekrutiren, wo sic nicht weniger als ׳acht, sage acht Kandidaten aufgestellt haben. In den benachbarten Komitaten. Wieselbnrg und Neutra kaudidiren zusammen fünf Antisemiten. Dem Vernehmen nach wurde dem berüchtigten Antisemiten Simouhr׳ aus seinem bisherigen Wahlbezirke Altenburg angedeutet, dort nicht mehr aufzutreten. .A. Preßburg, 8. Mai. ׳ Der Vorstand des ״Marpe Lcnefcsch-VereinS", welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, die in dem hiesigen Landeskranken Hause Heilung suchenden israelitischen Glaubensgenossen während ihres ÄusenthalLS in .diesem Krankcnhause mit Koscherkost zu versehen, sieht, sich aus Mangel .von genügenden Mitteln ׳leider ׳ veranlaßt, den Beschluß bekannt zu -geben, daß künftighin nur kranke Israeliten attS solchen Orten, deren Gemeiüdevorstnnde einen jährlichen Beitrag zur Vereinskasse leisten, von seiner Wirksamkeit berücksichtigt werden können. Es steht zu hoffen, daß der Verein durch reichlichere Zuwendungen in den Stand gesetzt wird, allen Anforderungen zu entsprechen, um seiner wohlthätigcn und frommen Aufgabe vollkommen gerecht zu werden. . ■ . * KojeLekrr (itl Mähren), ’ 4. Mai. Mit wclst müthigcnt Herzen bringe ich Ihnen die Nachricht, daß gestern unsere Judengasse der Schauplatz von Judenkravallen. gewesen ist. Die Veranlassung hierzu war, daß vor zirka 14 Tagen ein Christcnmädchcn von 24 Jahren in der. Nacht verschwunden ist. . Obzwar das Mädchen Spuren von Geisteskrankheit zeigte — ihre Großmutter hat sich ins Wasser gestürzt, und ihre Mutier hat-ebenfalls einen Sclbstmoxdversuch gemacht, wurde abcr'noeh rechtzeitig gcrctte, — somit .ganz bestimmt auch jetzt ein Selbstmord durch Ertrinken angenommen werden kann, da - dieselbe bis heute nicht aufgesunden wnroe, schreit der Pöbel, daß die Juden sie-gemordet und in einer Kiste per Bahn nach Biscnz, wo man das ganze Jahr Mazzot backt-, cxpedirL worden ist.׳ — Der Pöbel drang gegen 7 Uhr Abends in die Judengasse ein und zertrümmerte Thüren und Fensterscheiben und begann mit Verwüstungen. Die Polizei war nicht bei der Hand, und wäre nicht unser ehrwürdiger Herr Nabbiucr, trotz der größten Gefahr dem Pöbel trotzend, um Hülse geeilt, wäre cs sehr traurig ausgefallen; daß bei dieser Gelegenheit mehrere Inden auch mit Schlägen bedacht worden, ist selbstverständlich. Für heute Abend soll ein größerer Krawall stallsindcn, jedoch hat unser geehrter Bürgermeister Herr Dudik, der nicht blös rechtliebend, sondern auch ein Menschenfreund ohne Unterschied der Konfession ist, Vorkehrungen getroffen, daß die Nuhe und Ordnung aufrcchterhalten wird. Mehrere Mitglieder unserer Knltnsgcmeinde. bemühen sich, das Möglichste zu thnn und besonders verdient cs Herr Josef Arreli, daß man ihn: den Dank für seine aufopfernde Mühe ansspricht, denn, trotzdem er und die Scinigen gar keiner Gefahr anSgescht waren, da er in der inneren Stadt wohnt, war er. der erste an Ort und Stelle, um Abhülfe zu Schaffen. (Oesterr. Wochensch.) * Gwozdziee (Galizien), im April. Her Baruch Mayer schreibt von hier der ״Oesterr. Wochensch.": Um die religiösen, patriotischen und sozialen Gefühle ln der christlichen Bevölkerung zu wecken, entsenden die polnischen Bischöfe Missionäre in die Provinz, denen die Aufgäbe wird, durch mehrfaches unverdrossenes Predigen das Volk vor Verrohung zu wahren. Auch unsere Provinz ist vor einigen Tagen von einer derartigen Mission, durch Auftrag des polnischen Bischofs Pnzyna besucht worden. Was Anfangs die jüdischen Insassen mit einem etwas mißtrauischen Befremden erfüllte — da man in einer vor Ostern abgehaltencn Mission kein gutes Zeichen erblicken wollte — wurde bald durch eine frohe Stimmung verscheucht. Denn der greise Missionär v. Dabrowöki hat seine christlichen Zuhörer in Moral und. Ausübung religiöser Pflichten dnrchgchends auf die. jüdischen Mitbürger verwiesen und zur Nachahmung ihres Beispiels dringend ermahnt. ״Ihr klagt wohl" — sagte der Prediger unter Anderem — ״über die Geldgier der Juden und deren Lüsternheit nach pekuniärem Gewinn, aber gestehen müsset ihr doch, wenn man einem armen Juden eine große Summe Geldesdarböte, daß er dafür seinen Sabbath oder gebotene Feiertage entweihe, dieser gewinnsüchtige Jude würde den leckcrn TaschenschmanS zurückwcisen. Was ttjut aber nicht einer von Euch an seinem Feiertage um eines elenden.Guldenstackes Witten? Der schacherische Jude.schätzt also noch ' immer, die Neligion üls das kostbarste Kleinod. Ihr habtin allen Dörfern Kirchen und Prediger, aber wie Wenige denken daran, die Kirche zu besuchen,. dem Gottesdienst und der Predigt beizuwohncn. Betrachten wir nur als Gegenstück die Dorfjuden, cö fehlt ihnen wohl die Synagoge, im?Wohnorte, doch sie..ermangeln nkcht beim Gottesdienst zu erscheinen. Schon in aller' Frühe werfen sie am Sabbath oder an Feiertagen ihren Vctmantcl (TaliS) um den Nacken und wandern zu - Fuß in die nächste Stadt, wenn diese auch oft ziemlich weit entfernt liegt, um daselbst in ergreifender und! inbrünstiger Weise ihre Gebete zu verrichten. ׳