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Jeschurun · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. 299

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Article
Deutschland : Berlin, 6. Mai [Nachricht]
Date
1887-05-12
Page
299 (sequence 2)
Language
German
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299 immer noch als konfessionelle betrachtet. Die Judenfrage ist nur eine Rasfenftage. Abg. Struckmann: Daun möchte ich dem Herrn Vorredner erwidern, daß die Juden ganz dasselbe Staats-' bürgerrecht haben, wie wir, sie sind ebenso gut Deutsche und NeichSangehorige wie wir, und Niemand ist im Reichstage berechtigt, an diesen Rechten direkt oder indirekt zn rütteln. - Präsident v. Wcdell-PieSdorff: Ich habe den Gegenstand, welchen die Debatte berührt hat, von der Berathung nicht auSschließcn können, so lange eS sich darum handelte, über jüdische Lieferanten zu reden. ES erstreckt sich jetzt aber, wie es scheint, die Debatte auf die jüdischen Angelegenheiten im Allgemeinen (Heiterkeit) und ich, möchte bitten, davon abznsehen. - ‘ Abg. Kalle (nat.-lib.): Ich möchte den Abg. Di־. Vöckel nur darauf aufmerksam machen, daß die Frage der Armcelieferungcn im vorigen Jahre in der Budgetkommission eingehend geprüft ist, nicht nur vom nulitärischen, sondern auch vom allgemeinen Volkswirthschaftlichcn Standpunkt. Es sind uns damals Zahlen anfgegcben, welche bewiesen haben, daß allerdings unter gewissen Uinfländen die Lieferung von Produzenten direkt zweckmäßig sein kann, daß cS aber auch eine Reihe von Fällen gicbt, in denen dies nicht dnrchsührbar ist. Damals hat der KricgSministcr erklärt, daß er eö sich angelegen sein lassen. werde, soviel als möglich die Lieferungen von den Produzenten, zu beziehen. Abg. Dr. Vöckel: Ich wollte nur bemerken, daß die Thatsache nicht zn leugnen ist, daß für das Jäger- Bataillon in Marburg ein jüdischer Armeelieferant existirt. Einen Vorwurf wollte ich nichtgegen' die Armeevcrwaltnng auSsprcchen, sondern nur die Bitte, daß die Liesernngen den Produzenten übertragen werden. Herrn Strnckmann gegenüber möchte ich daraus hinweisen, daß, wenn auch noch momentan die Inden in Deutschland sind.'.... (Großer Lärm, Glocke dcS. Präsidenten.) 0. Ger!in, 9. Mar. Ich entnehme hiesigen politischen Zeitungen die felgenden Notizen: Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde wird, nachdem die erforderliche Genehmigung eingegangen ist, ans den dazu erworbenen drei Grundstücken (Lindenstraße 50— 52) eine neue große Synagoge erbauen und auch Vurcauräume dort nnterbringcn, da die jetzt dafür zu Gebote stehenden 'Räumlichkeiten nicht auSrcichcu. Die zu erbauende- Synagoge wird die vierte Gemeindesynagoge sein. ׳Bis zum Jahre 1666 reichte die 17 l 4 in der Hcidercutergasse eröffnete Synagoge als Gemcindesynagoge aus; 1866 wurde die in der Oranienburgcr Straße, einige Jahre darauf die in der Kaiserstraße eröffnet.- Der Vorstand der Gemeinde hat (wie die ״Voss. Ztg." hervorhebt) auch gestattet, ״daß die Beisetzung von durch Feuer bestatteten Leichen auf den Friedhöfen unter der Bedingung erfolgen kann, daß die den Nest des Asche enthaltende Urne in die Erde vorsenkt und dem Grabe, wie allen andern.Gräber, ein Hügel ansgesetzt werde. Die Beisetzung erfolgt, falls nicht eine Leichenfeier schon vor der Beerdigung stattgefunden hat, unter Beobachtung der gewöhnlichen Beerdigungs-Zeremonie." Allerdings sehr angemessen von einer Gemeindeverwaltung, die sich noch immer eine ״jüdische" zu nennen wagt. -0- Leipzig, Mai. Die ״Grenzboten" bringen in ihrer Nr. 16 vom 14. April aus der Feder von Ernst Willkomm eine Schilderung des jüdischen Gottesdicnstcü, welche diesen nur allzu sehr herabwjirdigt. Wenn Willkomm seine ״Jugenderinnerungen" - dies, ist der Titel für die senilletonistische Abhandlung '— schreibt und demgemäß den ans seiner-Jugendzeit ver-- bliebenen Eindruck von einem Besuche der Synagoge zum Besten giebt, so dürste doch eine ernste Redaktion billiger Weise Anstand nehmen, diese' kindischen Gedanken der Oeffentlichkcit zn übergeben, falls in.ihnen eine Herabwürdigung des Gottesdienstes einer vom Staate anerkannten .Neligionsgcnossenschaft enthalten ״ ist. Welcher Werth kann, überhaupt wohl der Ansicht eines, wie cS scheint, ziemlich altklugen Knaben bei-. gemessen werden? Was sollen demnach diese Naisonnemcntö dcö Knaben Willkomm über eine ernste und. heilige Angelegenheit? Der Knabe hatte, wie Willkomm erzählt, - überhaupt noch keinen Inden gesehen, und macht nun seine jedenfalls recht fürwitzigen Glossen über' dieselben. Der Herr Papa, der "zugegen war, hätte wohl daran gethan, dem jungen Burschen begrciflich zn machen, daß man mit seinem Urthcil zurückhaltend sein müsse, namentlich über ganz sremde Erscheinnngen, und inSbesonders, wenn man. noch, recht unreif ist. Ganz besonders aber gezieme. cS sich für einen frommen Christen, auch der NetigionSübung ' Andersgläubiger Achtung entgegen zu tragen. - Oesterxeich-Ungarn. *I!* Pest, 4. Mai. Herr Schnitz er hat zunr Van eines neuen jüdischen Kraukcnhanscs die betrachtliche Summe von 70 000-Gulden gespendet,, welche zwei Jahre nach seinem Tode baar anöbczahlt werden . soll. Außerdem sind für den gleichen Zweck nicht un- ׳erhebliche Beiträge gezeichnet worden. *II* Pest, 5. Mai. Der Neformschwindel 1\ la Stcrenyi scheint selbst bei den Reformern wenig Anklang zn finden. Ich vernehme nämlich, daß der Herr Rabbiner (?) Stcrenyi entschlossen ist, nach Amerika zn wandern, um das dortige Israel zn beglücken, ob als Reformator und- NeligionSstistcr oder mit irgend

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