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Jeschurun · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. 298

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Article
Die Theilnahme der Juden an dem Handel der Vereinigten Staaten von Amerika
Date
1887-05-12
Page
298 (sequence 1)
Language
German
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298 kr, Dereichtes Siaafcu. mi teti&a. Die zu Ncwyork erscheinende Zeilschrist ״Mail and Expreß" bespricht den hervorragenden Anlheit, welchen die israelitischen Kansleute an der Mehrung des nationalen Wohlstandes in den Vereinigten 'Staaten nehmen. Die Fonds-, Produkten- und Metall-Börse in Newyor? wird von Direktoren geleitet, welche sich zur jüdischen Religion bekennen. Ebenso die Baumwoll- und Petroleumbrauche. Ihr Einfluß ist ׳ nicht minder bedeutend in dem Eisenbahnwesen, der Rhederei und dem VersjchcrnngSgeschäft. Im Bankgeschäft rcpräseutiren die Newyorker Israeliten ein Kapital von etwa hundert Millionen Dollar. Ein ähnliches Verhältniß ist in anderen bedeutenden Börsenplätzen der Union zu konstatiren. Sicbenachtel des bedeutenden Konfektionsgeschäfts (Kleidcrgcschäfts) liegt in jüdischen Händen. Viele Hunderte von Firmen sind mit der Kleiderfabrikation beschäftigt, von welchen mehrere bis zu zweitausend Arbeiter besolden. An dem Juwelen- und Uhrenhandel ist von jüdischer Seite ein Kapital von etwa fünfundzwanzig Millionen Dollar cngagirt. Der Tabackhandel ruht wohl zu zwei Drittheilen in den Händen von Inden, von welchen ein nicht geringer Theil als vermögenslose Arbeiter begonnen hat. Ebenso ist eS der Fall mit der Zigarrensabrikation, von welcher etwa Scchshnndermillionen Stück jährlich ans jüdischen Fabriken hervorgehen. In Ncwyork gicbt es etwa 4000 Details und 300 Großschlächtcrcjcn. Die Hälfte davon zählt Juden -zu Inhabern, welche etwa 6000 Arbeiter beschäftigen. Nicht minder hervorragend ist der jüdische Unternchmungögeist in der Fabrikation von Hüten und Mützen, dem Import von Leder, Pelzwerl, Spitzen, Blumen, Federn, Wein 1t. f. w. u. s. w. Der in Händen von Juden besindlichc Grundbesitz Ncwyorks wird auf rund Hundertnüllionen Dollar geschätzt. KorresMdellM Md Nachrichten. Deutschland. 6. Berlin, 6. Mai. Das einzige Mitglied des Deutschen Reichstags, welches durch die Bezeichnung ״Antisemit" seinen -Politischen Standpunkt ׳ genügend gekennzeichnet glaubt, Dr. Bocket (Marburg), hat die gestrige Sitzung des Parlaments dazu benutzt, nur nach Weise seiner Kollegen im österreichischen Reichsrath seinen antisemitischen Standpunkt hcrvorzukchren. Ich glaube nicht, daß der Deutsche Reichstag ein ähnliches Vorkommniß erlebt hat, bezweifele aber nicht, daß I)r. Böckel für öftere Wiederholung.sorgen wird. Jedenfalls ist der Vorgang in der gestrigen Verhandlung charakteristisch genug, um auch in den Annalen der jüdischen Publizistik eine Stelle zu finden. Ich -gebe die Szene nach dem PartamentSberichL des ״Berliner Tageblatts": Bei dem Titel ,,Naturalvcrpflegung" beschwert sich Abg. Böckel (Antis.) darüber, daß Lieferungen in unsere Armee an jüdische Lieferanten vergeben werden und bittet, dieselben den Bauern selbst znzuwenden, denn unsere Armee sei nicht dazu da, die Juden zu bereichern. Kriegsministcr Dronsart v. Schellendorf: Ich muß den Vorwurf, als ob in der Armceverwaltung das jüdische Lieferantenwescn begünstigt würde, als unzutreffend hiermit zurückweisen. Die Bestrebungen der. Armee- Verwaltung gehen überhaupt, soviel als möglich und sofern nicht finanzielle Nachtheile daraus erwachsen, darauf, direkt von den Produzenten zu kaufen. Der Herr Abgeordnete scheint die wirklichen Verhältnisse wenig zu kennen (Große Heiterkeit), sonst hätte er die Erfahrung machen müssen, daß in neuester Zeit gerade dem eben von mir ausgesprochenen Grundsätze Folge gegeben ist. Ich spreche nicht von! jüdischen Lieferantenwesen, sondern vom Licfcrantcnwcsen überhaupt. Daß im Jahre 1670 einige Lieferanten reich geworden sind, will ich nicht bestreiten. Es kam unS damals. darauf an, die Armee unter schwierigen Verhältnissen zu ernähren. Wenn wir da, ohne zu fragen, wer nnS die Lebensmittel lieferte, sie nahmen, woher wir sie be- 'kamen und auch vielleicht etwas mehr dafür bezahlten als früher, so kann das-nicht Wunder nehmen. Der Soldat mußte gesättigt werden, um brauchbar zu bleiben.- Es ist übrigens auch in dieser Beziehung jetzt Vorsorge getroffen.. Im Ganzen ist aber der Vorwurf, daß die Militärverwaltung das jüdische Liefer.antrnwescn begünstige, unbegründet. (Beifall.) Abg. Struckinann (nat.׳lib.): ES ist das erste Mal, daß bei dieser so unpassenden Gelegenheit konfessionelle Gegensätze in unsere Debatte hereingebracht werden. Es erscheint mir nicht nöllsig, ausführlicher auf diese Sache , einzugehen, ich habe nur den dringcnden Wunsch .auszusprcchen, daß es uns erspart bleiben möge, in dieser Weise konfessionelle Gegensätze in unsere Debatte hineingezogen zu sehen. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Böckel: Ich muß mich sehr darüber wundern, daß der Herr Vorredner die Judenfrage

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