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Jeschurun · 1887-05-05 · Heft 18 (5.5.1887) · p. 286

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 18 (5.5.1887)
Article
Rußland : Petersburg, 30. April [Nachricht]
Date
1887-05-05
Page
286 (sequence 2)
Language
German
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286 schätz überwiese» worden. Grund dieser Maßregel ist die Abneigung gegen die Ansiedelung,von Inden auf dem Lande. So meldet die ״N. Pr. Ztg.". Wir bewerfen hierzu, daß die Juden von Anfang an eine sehr große Begeisterung für die Kolonisation in Südrnßland bezeigt haben. Das Nichtgcdcihen der Ackcrbaukolonien ist nicht den jüdischen Kolonisten zu Last zn legen, viel׳ mehr ganz anderen Faktoren. Wir haben darüber wiederholt eingehendere Berichte gebracht. * Warschau, 25. April. Der ״Hazcfirah" gehen von verschiedenen Seiten die belrübcndsicn Nachrichten über die traurige ökonomische Lage unserer Brüder zn. So schreibt man dieser in Warschau erscheinenden Zeitung aus dem Gouvernement Podolien von der Stadt Liten: Die Verhältnisse sind bei uns sehr schlecht. Die Kaufleute ergehen sich in den Straßen, weil kein Käufer sich in ihren Läden eiustcllt. Die Handwerker feiern, weil sie keinerlei Arbeit haben. Biele Familienväter haben während des ganzen Winters kein Feuer im Ofen gesehen. — Aus O m d u r im Gouvernement Grodno wird gemeldet: Eine so schlimme Zeit, wie die gegenwärtige, hat unsere von Braudunglück hcimgesuchte Stadt noch nicht erlebt. Handel und Gewerbe liegen darnieder; nichts wird verdient. In Folge eines Beschlö der Behörde in Wilna weigern sich die kommunalen FeucrvcrsicherungSanstaltcn, die Häuser jüdischer Besitzer zn versichern. Die armen Hausbesitzer der kleinen Stadt können die ihnen abverlangten vier- und fünffach höheren Versichernugsprämien der Privatgesellschaften nicht erschwingen. Ein Gesuch an den Senat um Aushebung des Verbots kam uncröfsuet zurück, weil cS nicht genügend srankirt war. — Ans Ostroho in Volhhnieu wird berichtet: Die Lage der hiesigen Armen ist furchtbar. Es ist bislang nichts zu ihrer Hülfe geschehen. Jetzt haben drei angesehene Frauen cS unternommen, für sic Geld zunc Ankauf von Mehl zu sanuncln. — Aus Letitschcw schreibt!nan: Das Elend unserer Bevölkerung ist jetzt auf bciu äußersten Gipfel angelangt. Die Erwerbsquellen sind gänzlich versiegt. Der Handel, von welchem sich bislang Viele ernährt haben, liegt ganz darnieder. Viele ehemals größere Kausleu.tc sind buchstäblich ׳ in die 'bitterste Armuth versetzt. Viele Hausvater, welche sich früher durch verschiedene Hanthierungen anständig ernährt haben, nagen am H.nngertnchc; natürlich fehlt eö den Handwerkern an jeglichen'! Erwerb. Hunger und Mangel , herrscht in den Häusern. — Aus Kriwoser klagt man: Der strenge Winter ist vorüber und .hat unö rncbtS übrig gelassen als Jammer und Noth. Der ehemals blühende Handel stockt gänzlich. . Unsere Stadt zählt etwa!500 jüdische Familien, meistcnthcilS emsige und .rührige Kausleute. Es wurde ehemals in Getreide ein jährlicher Umsatz von etwa einer Million Pud gemacht. Das hat aber seit drei Jahren ausgchört. Ebenso geht es den Ladengeschäften und nicht minder den Geldgcschäften. — Solche und ähnliche Berichte liegen aus fast allen Provinzen vor. X. Odessa,!8. April. Der ״Oddcssaer Now." zufolge ist eine Verfügung erfolgt, nach welcher in die Odcssacr Gymnasien nicht mehr als 10 Prozent der Gcsammtzahl jüdischer Schüler ausgenommen werden dürfen. — Am 8. Mürz haben sämmtliche bei den hiesigen Advokaten beschäftigte jüdischen Schreiber ihren Dienst verlüssen. j|j Odessa, 23. April. Mit der Ausweisung fremder jüdischer Gewerbetreibender wird jetzt in Folge von hoher Stelle erfolgter Ordre inncgchalten. Hoffen wir, daß der Befehl zur Fortschaffung unbescholtener fleißiger Menschen überhaupt rückgängig gemacht wird. Lublin, Ende April. Der ״Gaz. Warz." wird von hier gemeldet, daß die Auswanderung unter den Inden wieder überhand nimmt. Es sind jüngere kräftige Leute, welche vor den! Mangel an ErwcrbSgelegcuheit sich nach Ainerika wenden wollen. * Saratow, April. Die ״Sar. List." schreibt, daß eine Anzahl jüdischer Handwerker, Schneider, denen der fernere Aufenthalt in der hiesigen Stadt verboten ist, entschlossen sind, sich taufen zu lassen. * Aus dem GottvcrnemeuL Podolien. Als die Judenverfolgungen in der krassesten Gestalt aüftrrttcn (1882), flüchteten sich etwa 50 jüdische Familien aus dem Dorfe Smerinka in die nahe gelegenen Städle. Als später eine Anzahl derselben ׳nach ihrem Haus und Hof zurückkehrcn wollten, wurde ihnen solches untersagt, weit sic als Fremde zn betrachten seien׳ Inzwischen war nämlich die bekannte Verordnung erlassen, daß Juden nicht in Dörfern sich ansicdeln dürfen. Ver-' gebcnS beriefen sich die Inden, daß sie' doch berechtigte ' Einwohner von Smerinka; und dorthin zuständig wären. Sie hätten sich nur zeitweilig entfernt und besäßen sogar noch Grundcigenthum im Dorfe. Die Sache hat sich wie alle solche Angelegenheiten sehr in die Länge gezogen und ist noch zur' Stunde nicht erledigt. Amerika. U..Newyork, 22. April. Jüdisches Leben und jüdischer Geist pulsirt doch in der Metropole der Bcreinigten Staaten. Freilich muß man danach nicht in den sogenannten fashionablen Zirkeln des jüdischen Iligb lifc suchen, sondern in den Kreisen des russischen Elements, welches hier in ziemlich starkem Maße vertreten ist. Da findet man noch ,תורד und עבודה, während in den anderen Kreisen säst nur noch-die eine dritte Säule, aus welcher die Welt mitberuht,

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