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Jeschurun · 1887-05-05 · Heft 18 (5.5.1887) · p. 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 18 (5.5.1887)
Article
Ein jüdischer Festzug in Prag vor 146 Jahren
Date
1887-05-05
Page
282 (sequence 2)
Language
German
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282 An klopfen mit einem hölzernen Hammer an den HauSthüren anzuzcigen. Die nächste Gruppe war durch jüdische Gelehrte und Celebritätcn, jüdische Studenten mit Sperr und Helmbusch nebst ihren Führern rcprascutirt, diesen schlossen sich an Primatoren aus anderen jüdischen Gemeinden, in deren Trachten die Landesfärben vertreten waren, jüdische Notabilitätcn zu Pferde, nach diesen kamen die jüdischen Doktoren der Medizin mit ihren Diplomen, der jüdische Apotheker und die Barbiere. In der folgenden Gruppe erschienen der Syuagogeukantor und andere Sänger, denen ein alterthümlicheS klavicrähnlichcS Musikinstrument vorangetragen wurde, die armen Waisen aus dem jüdischen Studierhause, diesen folgte eine kostümirte Musikkapelle, ein Herold zu Pferde und Ritter, denen sich die jüdischen Fleischhauer mit ihrem historischen Schlüssel und der Fahne anschlossen. Hierauf kanten zwei groteske Lustspringcr, Posaunenbläser, die jüdischen Kürschner in mit persischem Pelzwcrk vcrbräinter Tracht, mit zwei Fahnen und einem von sechs Männern getragenen Portativ, auf welchem anö Fichtcnbäumen ein Wald gebildet war, zwischen denen ausgestopftes Wild lagerte. Die folgende Gruppe 'bestand abermals aus jüdischen Fleischhauern mit einer zweiten Fahne, welche den Prager Juden im Jahre 1357 von König Karl dem IV. verliehen wurde und die noch heute in der Alt-Nensynagoge anl'Emporium angebracht ist. Auf dem Gipfel der mit dem von Kaiser Ferdinand II. den Prager Inden wegen ihrer Thütigkcit bei Abwehrung des Feindes während der Schwcdcnbclagernng verliehenen, in einem Schweden- Hute innerhalb des sechseckigen Sternes bestehenden Wappen geschmückten Fahne stand rin Knabe; die kolossale Fahne selbst, deren Stange die Höhe und Dicke eines Schifssmastes hat, wurde von zehn Personen getragen. Dieser Gruppe folgten die jüdischen Schneider mit einer aus Tnchrestcn fabrizirten und reich gestickten Fahne, die Posamentircr, Knopfmacher und Weber ntit Webstuhl, die Schuhmacher uüt dem' silbernen Stiefel,, voran eine kostümirte Musikkapelle. In der nächsten Gruppe lenkte wiederum ein Brautpaar in Nolkokokostüm die Aufmerksamkeit. auf sich, ihm folgten berittene Garden und Trompeter in bunter. Tracht, diesen reihten sich an ein Hochzcitsnarr, cm Schalksnarr, Herkulesse mit Keulen in den Händen,-Gnomen und. Bacchus auf geschmückten!, von Bacchanünen gezogenen Wagen. Den Schluß jenes FestzugeS bildete eine Bauernhochzeit. (Israel. Familienblatt.) Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. : * Trier, 27. April. Dein ״Bert. Tagbt." wird von hier geschrieben: Die Nr. 84 der ״Germania" vom 15. d. M. enthält eine Korrespondenz ans Trier, welche von den in den letzten Jahren eröffnten Konkursen fünf als besonders merkwürdig wegen der großen Passiv-!nassen und der begleitenden Urnftäiibe hcrvorhcbt. Die Träger von vier dieser falliten Firmen, sagt sie, seien Juden, einer dagegen Katholik gewesen. Der Katholik habe eine Unterbilanz von nur 191,000 Mark, zwei Juden hätten eine solche von 1,200,000 und 1,700,000 Mark gehabt; der Katholik sei zu 4I/2 Jahren Gefängniß verurtheilt, ein Vergleich wäre nicht zu Stande gekommen, sein Hans und seine Möbel hätte man ihm verkauft; zwei Juden aber wären,s nachdem sie zur UntersuchnngS- Haft gezogen, wieder entlassen worden und hätten einen Zwcmgsvcrgleich zu 12 bezw. 65 Prozent geschlossen. Die Tendenz dieser Mittheilung liegt auf der Hand; da sie aber Tendenzlügen enthalten, sind, wir genöthigt, die Thatsachcu richtig zu stellen. Zunächst sind im verflossenen Jahre in Trier 40 Konkurse eröffnet, und von den Trägern der falliten Firmen waren nur sechs der jüdischen Religion ungehörig. Die größte Schuldenmasse unter allen,׳ in den letzten Jahren eröffneten Konkursen hatte ein Bankgeschäft, .dessen Inhaber ein junger Katholik war, denn die Passivmasse betrug hier 42/ז bis 5 Millionen Mark, von welcher etwa 3 Millionen auSfallen werden; eS ist auffällig, daß der Korrespondent der ״Germania" diesen gewiß-merkwürdigen Fall ver—gessen hat. Nicht minder auffällig scheint es, daß der Korrespondent der ״Germania" den Lesern derselben nicht mittheitt, daß der eine Katholik, von dessen Fallissement sie spricht, eine fünfjährige Gefängnißftrase wegen einiger hundert Betrügereien erlitten hat, deren er sich schuldig gemacht, und daß.ein Zwangsvcrgleich nicht zu Stande gekommen, weil die Masse nicht einmal die bevorrechtigten Forderungen deckte. Wenn der Korrespondent der ״Germania" dann vorschlägt: 1) diejenigen Kauften^ welche in Konkurs , gcrathcn und Jahrelang mit Unterbilanz gearbeitet haben zu bestrafen, 2) jedem falliten Kaufmann den Nachweis anfzugeben, wozu er die schuldigen Gelder verwendet, 3) dem wegen betrüge- .rischen VankerottS bestraften Kaufmann, seiner Ehefrau und' seinen Verwandten die Etablirung eines Geschäfts in dem Orte des Konkurses zu untersagen, 4) von der Rehabilitirung des Kridars die Ausübung aller bürgerlichcn Ehrenrechte abhängig zu machen, so möchten wir bemerken, daß bei-Annahme des ersten Neformvorschlages der gute Katholik, der Inhaber des großen verkrachten

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