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Jeschurun · 1887-05-05 · Heft 18 (5.5.1887) · p. 281

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 18 (5.5.1887)
Article
Aus Australien
Date
1887-05-05
Page
281 (sequence 1)
Language
German
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JK1& Zeschurün. 281 Bon geachteter Seite in Australien, an welche wir die Frage richteten, ob eine Uebcrsicdclung unserer unglücklichen Glaubensgenossen dorthin zu empschlen sei, empfingen wir das folgende Schreiben. Melbourne, 24. März.-!887. Sehr geehrter Herr! Ihr wcrtheS Schreiben vom 20. Dezember!886 ist mir seiner Zeit richtig zugegangen. Dir mir darin vorgclegtcn Fragen, die Einwanderung unserer Unglücklichcn Brüder aus Rußland und Rumänien betreffend, habe ich in englischer Ucbersctzung in die Spalten des ״Iewish Hcrald" veröffentlicht, um die Sache zu einer öffentlichen Besprechung seitens unserer hiesigen Glaubensgenossen zu bringen. Aber אין קול ואין ענה ואין קשב. Niemand schien sich für die Sache zu interessircn. Die Leute hier haben zu viel mit sich selbst zu thun, um an die Lage-ihrer ausländischen Brüder zu denken. Wahrenp eines jüngst in Sydney stattgefundenen .Meetings kam die Sache wohl zur Sprache, aber die 'allgrmeine Meinung war gegen die Einwanderung der betreffenden Leute. Man fürchtet, daß für eine größere Anzahl jüdischer.Flüchtlinge unsere schon stark in Anspruch genommenen Wohlthätigkeitsmittel nicht hinrcichcn ^würden, und daS hat auch meines Erachtens sciuc Nichtigkeit. Ferner ist zu bedenken, daß derartige Leute in einen ganz fremden Erdthcil kommen, dessen Sprache und Gesetze ihnen völlig unbekannt sind. Um ihnen Praktisch zur Hand zugehen, müßte sich dann ein Komitee bilden, dem sicherlich keine leichte Ausgabe zufallcn würde. Derartige Männer, denen die ersorderliche Muße zu Gebote steht, giebt es hier aber wenig, so daß sich die Einwanderer im Großen und Ganzen selbst überlassen bleiben. Nun zu Ihren Fragen im Einzelnen.!) Es liegt außer Zweifel, daß eine größere Anzahl jüdischer Familien in Australien eine Heimath sich gründen können. Jedoch müssen dieselben nicht unerhebliche Mittel besitzen.') Alles ist theucr und die ersten Auslagen für Wohnung rc. re. sind nicht nnbedeutend. י 2) Eine gesetzliche Schwierigkeit steht der Ansicdelnug nicht im Wege. 3) Handwerker, die ihre Profession gründlich vcrstehen, können leicht Beschäftigung finden. Kauflcnte sind gänzlich unbrauchbar. Ackerbauer mit Mitteln dürsten es im Laufe der Zeit zu einer Existenz bringen, obwohl sie schwer zu kämpfen haben würden. ג) Herr Dornet Hai nnS mitgethrilt, daß 1s» Pfund Sterling eine kntsprechcudc Summe sei. Die Redaktion. 4) Was die praktische Theilnahme der australischen Juden betrifft, so habe ich mich darüber schon oben ausgesprochen. Unsere Wohlthätigkeitsanstaltcn haben vollauf zu, thun und könnten sich schwerlich mit einer größeren Anzahl jüdischer Einwanderer befassen.' 5) Ob den Einwanderern und Ansiedlern die Möglichkeit gewährt sei, ohne zu große Opfer die Gesetze der jüdischen Religion ausznüben, darüber kann ich durchaus keine günstige Aussicht stellen. Handwerker würden ohne Zweifel מהלל שבה sein müssen und junge Leute, selbst in den größeren Städten, würden Schwierigkeiten finden כשר zu leben. Es sei denn, daß eine Zahl Familien mit שוהט und מנין irgendwo im Innern des Landes beisammen wohnen könnten, sonst ist die Ausübung der religiösen Pflichten eine Unmöglichkeit. Im Ganzen halte ich die Einwanderung jüdischer Flüchtlinge unter den jetzigen Berhältnissen als sehr gewagt 11nb darum nnrathsam. Ein. Bisher Mig in Prag vor W Jahre«. Am 24. April wurden cs gerade!46 Jahre, daß zu Ehren der Geburt des.Erzherzogs von Oesterreich, nachmaligen Kaiser Josef I., von der Präger Judenschast ein feierlicher Aufzug in Szene gesetzt wurde. Dieser Festzug der Prager Juden, der von ihrem Primator Simon Wolf Frankel entworfen wurde, gestattete sich, wie cS der Chronist meldet, zu einem für die damalige Zeit imposanten Schauspiele und zeichnete sich sowohl durch die sinnige Gruppirnng, als auch durch die Abwechslung der reichen, zum größten Theite dem fünfzehnten und.scchszchtttcn Jahrhunderte entlehnten Trachten der Betheiligtcn ans. Der Zug -bewegte sich ausschließlich in der mit neun Thoren versehenen Indenstadt von.einem derselben, welches ׳dem Tununclplatze zu gelegen^ bis zu'dem anderen, welches au der Grenze der Geistgasse errichtet war, in folgender Ordnung: -Voran die jüdischen Postbricfträger und..zwei Herolde zu Pferde, die in Posaunen stießen, ihnen folgten sechs .Läufer, diesen der Pryger Inden-Primator Simon Wolf Frankel in' altspanifchcr Tracht auf reich geschmücktem Rosse, umgeben von Dienern, sodann der älteste Beisitzer David Kühe als Major zu Pferde und Reiter in alter, prnukrvollcr Hnssarentracht, Abraham Buuzl nebst den geschworenen Schreibern und Schulklopsern, deren Amt darin bestand, nach Art der Glöckner den Beginn des Gottesdienstes in den Synagogen durch

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