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Jeschurun · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. 270

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1887-04-28
Page
270 (sequence 2)
Language
German
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270 gegen das Ende des 16. Jahrhunderts. Dagegen sind von der Rückkehr der Juden (1656) sehr interessante Nummern ausgestellt. Nr. 820 ist die von Amsterdam aus an Lord Fairfax und den ״Gcncral-Council of Officerö" im Jahre!646 gerichtete Bittschrift der Juden um Aufhebung der VcrbannungSaltc. ES ist dabei bemerkt,' daß diese Behörde die Bitte ״wohlwollend ausnahm", woraus erhellt, daß die Armee, damals der -mächtigste Faktor in! englischen Staatswesen, die Wiederaufnahme der Juden nicht pcrhorreszirte. Cromwells selbständige günstige Entscheidung ist hierans um so mchr erklärlich; er kümmerte sich nicht um den Widerspruch der Geistlichkeit und Kaufmannschaft. ES steht fest, daß der Lord-Protektor und nicht Karl II. die Wiedcrcinlassung der Inden gestattete. Nr. 521ist der Vertrag wegen Erwerbung dcS spanisch-portugiesischcn Friedhofs in Stepney im Jahre 1657. Nr. 1158 zeigt das Portrait des berühmten Menasse ben Israel, welcher die Rückkehr der Inden nach England betrieb. Nr. 951 zeigt dieses bedeutenden Mannes Bildniß, wie er vor Cromwells Slaatsrath steht und für die Inden plaidirt. Nr. 616 ist der silberne Teller, welchen-er Eromwcll überreichte. Auch von Sasportas, dem ersten Londoner Chacham nach der Rückkehr der Inden, ist ein Portrait (Nr. 925) ansgestellt. — Es sind clwa 10 Chanuckalcuchtcr ansgestellt, die thcilweise ein hohes Alter haben. — Ein zinnernes Platean, welches die Ereignisse der Purimgeschichte darstcllt, ist sehr bcachtcuöwcrth. — Eine große Anzahl hebräischer Münzen sind ausgestellt, welche freilich mit der jüdisch-englischen Geschichte nichts zu thun haben. Das Gleiche gilt von der schönen Sueka und vielen anderen Ausstelluugsgegenständen. . Italien. * Nom, 8. April. Noch vor Beginn des heiligen Festes beeile ich mich, Ihnen eine interessante Mitthcilung zu machen. Wie bekannt, ist es schon seit Jahrhunderten Gebrauch am päpstlichen Hofe — diesen Gebrauch sott Papst Gregor der Große im scchszehnten Jahrhundert eingeführt haben — daß immer an! Charsamstag eine ganze-jüdische Familie, mindestens aber ein Jude oder eine Jüdin, die Taufe׳ erhalten, damit cs heiße, auch in diesem Jahre haben einige Juden die Irrlehren ihrer Väter verlassen und dafür den katholischt» Glauben angenommen. Dieser Taufakt wird immer vom Kardinal-Vikar in der Laterankirche, gleich nachdem derselbe dort das Weihwasser gesegnet, vollzogen, und pflegen diesem Akte viele Adelige und zahlreiche Bürger der ewigen Stadt anzuwohncn. Nach der Taufe werden dann die Nenbekehrten in ihren weißen Taufmänteln in den Vatikan geführt, um'daselbst dem Papste vorgcstcUt zu werden, der sie reichlich beschenkt und ihnen auch seinen Segen ertheilt. Auch die Kardinäle und der Adel Noms Pflegen dann die Neubekehrten reichlich zu beschenken, die dann Wochen hindurch Gäste der Kirchenfürstcn und der Mobilität sind, bis man ihnen ein neues Heim, eventuell sogar auch ein lukratives Geschäft, eingerichtet hat. Seit einigen Jahren fand sich jedoch keine jüdische Familie vor, welche bereit gewesen wäre, den! Glauben ihrer Väter abtrünnig zu werden, und so begnügte inan sich im Vatikan mit jüdischen Jünglingen, Mägden, Dienern u. s. w. Im vorigen Jahre begnügte sich der Kardinal-Vikar sogar mit einer.halb blödsinnigen Handarbeiterin. Heuer aber fand sich Niemand, der bereit wäre, für Geld und eine mchrwöchentlichc gute Beköstigung den Glauben der Väter abzufchwören, und so wird der Kardinal- Vikar morgen am Charfanlstag kaute de roicux damit sich begnügen müssen, zwei christlichen Knaben die Taufe zu ertheilen. (Israelit.) Nutzland. ...z. Petersburg, 18. April. Nach neueren Erhebungen über die' jüdische Bevölkerung Rußlands, sott dieselbe in den westlichen und südlichen Gouvernements, sowie in den Städten Petersburg, Moskau und Odessa 111/a Prozent der Gesammtbcvölkcrnng betragen. Die meisten Juden wohnen in Litthancn und in Weißrußland, die wenigsten in Kleinrußland. .Die meisten wohnen in den kleinen Städten. So z. V. wohnen in den kleineren Städten des zmn Gouvcrment Wilna gehörenden'Kreises Troki 18802 Inden bei einer Gesammteinwohnerzahl von 20 246, mithin 92 Prozent der Einwohnerschaft. Was die Dörfer betrifft,, so wohnen nur in den zum Gouvernement Kiew gehörenden Kreise Kanew viele Inden. In 12 Gouvernements^ Hauptstädten (Bessarabien, WitebSk, Wolhynien, Grodno, Jekatcrinoölaw, Kiew, Kowno, Podolicn, Poltawa, Tannen, Cherson, Tschernigow) sind 5'/-2 Millionen Dcßjatincn Grundbesitz in Händen der Juden; aus jeden Inden kommen 0,3 ans jeden Nichtjuden 2,9 Deßjätinen. Nnmänien. d. Bukarest, .18. April. Ich berichtete am 6. d. M., daß in den verschiedensten Orten Tablcaux kolportirt werden, auf denen eine Szene abgebildet ist, .wie die Juden behufs Gewinnung von Christenblnt zur Mazzothbereitnng Eynslcnkinder abschlachten. Es ist nun Seitens der Negierung ein Befehl an sämmtlichc Präfekten ergangen, den Vertrieb dieser Bilder zn verbieten. Uebrigenö waren wir gar nicht überrascht, als jene Bilder gegen die NLL-Zeit verbreitet wurden. Geht doch bereits alljährlich seit'einer geraumen Zeit kurz-vor dem NOD-Feste die Warnung durch eine große

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