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Jeschurun · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. 269

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Article
Deutschland : Berlin, 27. April [Nachricht]
Date
1887-04-28
Page
269 (sequence 2)
Language
German
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269 ״Freie wissenschaftliche Vereinigung" als ״Judenpartei" bezeichnet und auf Vorhalten sich mit der Bemerkung zu entschuldigen versucht, daß er in diesem Ausdrucke eine Beleidigung nicht erblicken könne. Auf die For-. dernng des Gehrte habe Wolfs erwidert, daß er die Angelegenheit erst dem Ehrcnrathe unterbreiten müsse. Der Angeklagte Gehrte theilte dem Gerichtshöfe noch mit, daß er den Studenten Wolfs geladen habe, um eventuell diese seine Angaben über den ganzen Sachverhalt bestätigen lassen zu können, eS. wurde aber allseitig auf die Vernehmung des Zeugen verzichtet und dem Angeklagten voller Glauben beigemcsjen. Der Staatsanwalt Wagner betonte, daß das Vergehen der Angeklagten äußerst milde aufzufassen sei, er beantragte gegen Gehrte zwei Wochen, gegen Joseph drei Tage Festung. Der Gerichtshof ging aber noch unter dabeantragte Strafmaß herunter und erkannte gegen den elfteren auf eine Woche und gegen den letzteren auf drei Tage Festungshaft. ,, *||* Hamburg, 25. April. Der Aufsatz des ׳־ Herrn 1)1-. S. Goldschmidt über die ״Seminarien" in yilv. 14/15 dieser geschätzten Zeitschrift enthält Manches, welches wohl einer näheren Präzisinmg resp. VerichUgrmg unterzogen werden müßte. Ich erbitte für einige kurze Vcmerkllngen einigen Raum in den Spalten des ״Jeschmun". Mit der Grundidee des Herrn Dr. G.,x daß die Seminarleiter tüchtige Schulmänner sein müssen, - wird man sich gewiß einverstanden erklären. Das ist aber ein Satz, der so selbstverständlich ist, daß er kaum einer Anführung bedürfte. Ich kenne nicht alle israelitischcn Seminarim in. Deutschland in ihrer Wirksamkeit. Deren existiren aber nicht allzu viele, und wenn ich von den zwei mir ziemlich genau bekannten — dem Kölner und Hannoverschen. — aus eigener Wissenschaft berichten kann, daß dieselben sehr gewandte und pädagogisch vorzügliche Lehrer ausbildcn, so möchte ich damit wohl über den dritten Thcil der überhaupt vorhandenen Seminaricn ein Urtheil ausgesprochen haben. An diesen Anstalten wirken durchaus geschulte tüchtige Direktoren. Welche Anstalt einen solchen Stümper von Lehrer, wie ihn Dr. G. in seiner vollendeten Jammergestalt vorführt, mit dem Prädikat ״gut oder sehr gut" in der Pädagogik bedenken kann, ist mir unerfindlich. Ich weiß nicht, gegen welche Anstalt vr. G. seinen Vorwurf richtet. Sollte eine Anstalt in Deutschland vorhanden sein, die einen unfähigen Leiter besitzt, so rechtfertigt dieses doch nicht den allgemein gehaltenen Angriff. 3d). wiederhole, kein Vernünftiger wird daran zweifeln, daß der Lehrer das Unterrichten ans dem Grunde verstehen muß und der Scnnnardirektor hierfür seinen. Schülern, den Lehramtsaspiranten, die entsprechende Anleitung zu geben im Stande sein muß. Wenn irgendwo dieses außer Acht gelassen ist, jo braucht man aber doch deswegen nicht ״unsere Seminaricn" zu verdächtigen.. 8. Karlsruhe, den 21. April. Hocherfreut theile ich Ihnen mit, daß unser geliebter Landessürst gestern Vormittag in Begleitung eines imposanten Gefolges, darunter berühmte Männer der veterinären Wissenschaft, bei Besichtigung dcS neuen jüngst eröffneten Schlacht- Hauses, dem rituellen Schächten zweier Rinder mit lebhaftem Interesse zugeschaut, bei dem stmktionnende» Schächter der israelitischen Religionsgesellschaft, Herrn Israel Baruch, nähere Erkundigungen über die jüdische Schlachtwcise eingezogen, und über das dabei angewandte rasche Verfahren des Letzteren, sowie über das dadurch bewirkte schnelle Verenden des VicheS Sich sehr befriedigend geäußert hat. England. V London, 21. April. Vorgestern fand hier eine große Versammlung, welche etwa 1500 Theilnehmer, darunter auch Viele aus den höchsten Gesellschaftsklasscn. zählte, zu dem Zwecke statt, um die Regierung zu einer Maßregel gegen die Einwanderung armer Juden zu veranlassen. Herr Arnold White, welcher in bem ״Echo" bereits gegen die armen fremden Juden geeifert hatte, führte den Vorsitz und ward von mehreren Parlamentsmitgliedern unterstützt. Er suchte den Anschein zu vermeiden, als ob er sich speziell gegen die Juden wendete und richtete deshalb seinen Antrag gegen arme fremde Immigranten überhaupt. Kapitän Colomb, Parlaiucntsmitglied, stellte darauf den Antrag, . die Negierung zu ersuchen, eine Untersuchung über die Einwanderung sremder Armer änzustetten. Herr Alfred Cohen und Herr Samuel Montagu unterstützten den Antrag, indem sie darauf hinwiesen, daß die Londoner Jndenschaft bereits alles dasjenige was eine königliche Kommission thrm könnte, veranlaßt habe, um der Ein- Wanderung solcher ungeeigneter Elemente zu steuern. Eine Enquete würde dieses nur bestätigen. Die Versammlung nahm einen ziemlich stürmischen Charakter an. und die Resolution würde mit etwa 150 bis 200 disscntircnden Stimmen angenommen. — Man sieht, daß den armen Unglücklichen hier-in Zukunft nur. noch mehr Schwierigkeiten bereitet werden sotten. Statt auf Mittel zu sinnen, denselben zu helfen, erschöpft man , seine Weisheit in der Aufsuchung von Maßregeln, um den Begüterten von der Inanspruchnahme seitens deS Elends zu schützen. Es ist nicht Menschenliebe, sondern Egoismus, dem man huldigt. V London. Aus der vierhundertjährigcn Periode ' der Judcnvertrcibung unter Eduard I. hat die jüdische Ausstellung nur Weniges ausznzeigen. Es ist hier die Nr. 171 anzuführcn, Lin Werk dcS getauften Juden ״Ferdinand"?- welcher in Cambridge hebräisch lehrte

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