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Jeschurun · 1887-04-21 · Heft 15-16 (21.4.1887) · p. 254

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 15-16 (21.4.1887)
Article
Amerika [Nachricht]
Date
1887-04-21
Page
254 (sequence 2)
Language
German
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254 sollte in Amerika keinerlei Duldung erfahren. Und weil er ein Jude ist, befürworte ich seine Ernennung als eine paffende Anerkennung dieses merkwürdigen Volkes,-" welches beginnt, in so hohem Maße zur Wohlfahrt Amerikas׳beizutragen, und dessen Verstand, Sittlichkeit und große Freigebigkeit bei allen öffentlichen Maßnahmen für die Wohlfahrt der Gesellschaft eine derartige Anerkennung verdient und sie aus den Händen unserer Negierung in irgend einer Weise enipfangen sollte. Ist eS nicht auch eine Pflicht in dieser stillen, aber wirksamen Weise den Genius des amerikanischen Staats- Wesens darzuthun, welches unter seine liebreiche Obhut die Söhne und Töchter aller zivilisirten Nationen nimmt und sie alle ohne Rücksicht auf bürgerliche, religiöse und Klaffen-Eigenthümllchkcitcn als gleichberechtigte Bürger behandelt? Wir schicken Dänen nach Dänemark, Deutsche nach Deutschland; wir verwerfen Niemanden, weil er ein Franzose ist. Warum sollten wir nicht dies glänzende Zengniß für den Genius unseres Volkes dadurch krönen, daß wir einen Juden nach der Türkei senden? Die Unwissenheit und der Aberglaube des mittelalterlichen Europas mögen für das Vorurthcil jener dunklen Zeit die Erklärung geben. Aber wie ein Christ unserer Tage sich von einem Juden abwenden kann, ist mir unverständlich. Das Christenthum ist vom Jndaisnms gesäugt, es wurzelt tnt alten Testament. Wir sind in Blüthe und Frucht geschossene Juden. Das Christcnthlim ist die Fortentwickelung des Judcnthums, und es würde sonderbar sein, wenn die Frucht sich gegen den Stamm wenden wollte auf dem sie gewachsen ist. Ihr ergebenster Henry Ward Beecher." Persien. * Herr A. Löwy, Sekretär der Angls-Jewish Association, hatte kürzlich eine Unterredung mit dem persischen Gesandten in London, Malcom Khan, in Betreff der aus Tiflis, Salivar und Crivan ausgewiesenen Juden. Malcom Khan sagte seine Vcr- Wendung zu und wandte sich nnvcrweilt auf telegraphischem Wege an seine Negierung in Teheran mit dem Ersuchen, den persischen Konsul in Tiflis anzuweisen, bei russischen Behörden die Aufhebung der Auswcisnngsordre, insofern davon Persische Juden betroffen werden, zu fordern. ״/' ... .Indien. \ * Die Zahl der in Indien wohnenden Juden wird verschieden angegeben, sic dürste zwuchen 6600 und 8000 liegen. Inden größeren Städten Kalkutta, Bombay, Rangun m s. w. befinden sich ansehnliche Gemeinden. Eineni an die ״Hazefirah" aus Kalkutta gerichteten Schreiben des Herrn EliaS Moses. Hcikohen, erster Chasan der Synagoge ״Magen Dawid", Herausgeber des ״Haperach," entnehmen wir die folgenden Notizen. Die jüdische Gemeinde in Kalkutta zählt jetzt etwa 1100 Seelen, etwa 60 Familien aschkenasischer Juden nicht׳ mitgcrechnct, von denen der Briefschrcibcr leider nicht viel RühmenswerthcS zu Berichten weiß. Der erste Jude, welcher nach׳ Kalkutta kam, hieß Schalom Aharsn Cohen aus Damaskus. ES sind zwei Synagogen vorhanden. Die eine,, welche den Namen ״Magen Dawid". führt, ist von dem sehr angesehenen Herrn Ella Dawid Joseph Esra an der Stelle der alten Synagoge errichtet worden und zeichnet sich durch große Pracht aus. Der Bau hat etwa 150000 Rupien (1 8?upic 2,05 Mark) gekostet. Bei. dem hier, üblichen geringen Arbeitslöhne würde derselbe in einer großen europäischen Stadt wohl das Achlfache^gekostct haben. Die Synagoge ist mit einem Thurme nebst Glockenuhr versehen. Der Minhag ist der. altsephardische. Nach dem Maariwgebet' ״lernt" der Chacham mit mehreren Baale-Bathim. täglich bis zum Anbruch der Nacht, dann wird nochmals קרייאת שמע gebetet. An jedem Sabbath hält der Chacham einen längeren Vortrag. Die Ausgaben für die Synagoge belaufen sich auf etwa 6000 Rupien jährlich und werden lediglich durch freiwillige Spenden 'beim Vorlesen der Thora ausgebracht. Für die Plätze in der Synagoge wird kein Stellcngeld erhoben. Der. erste Chasan hat eine Besoldung von 150 Rupien monatlich.— Die andere Synagoge führt den Namen ״Bcth El" und ist vor etwa 30 Jahren von Herrn Dawid Joseph Esra errichtet worden. Sie erheischte einen Aufwand von 50000 Rupien. Im vergangenen Jahre wurde sie bedeutend verschönert. Die Ausgabe hierfür, etwa 60000 Rupien bestritt Herr Ella, Vorsteher derselben. Bei jeder dieser Synagoge ist ein rituelles Bad angelegt.—.Die Gemeinde hat zwei Schulen unter den Namen ״Kehillath Jeschurun" und ״Magen Dawid". Die erstere erfordert einen monaüichen Aufwand von etwa 1100 Rupien, welche in folgender Weise aufgebracht werden. Ein edler bcgüterter, Mann, Herr Elia steuert 400 Rupien, andere hochherzige Männer 350 Rupien bei. und der Nest wird von den Eltern der Schüler, welche ein Schulgeld zu entrichten im Stande sind, gezahlt. Die Schule zerfällt in zwei Abheilungen und wird'von 70 erwachsencn Knaben und 130 jüngeren Knaben und Mädchen besucht. Sechs Lehrer unterrichten im Hebräischen und in Religionswissenschaften und elf in änderen Wissenschaften. Die. Schüler werden in dcu letzteren soweit gefördert, daß sie in das Gymnasium cintrctcn könnctt. Die kürzlich stattgehabte Prüfung, welcher auch der Vizekönig beiwohnte, hat ein glänzendes Resultat, ergeben und den Lehrern und Leitern hohe Anerkennung zngezogen. Die andere Schule ״Magen Dawid" ist von Herrn

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