Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 15-16 (21.4.1887)
- Article
- Rußland : Warschau [Nachricht]
- Date
- 1887-04-21
- Page
- 253 (sequence 2)
- Language
- German
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25a ländische Juden keine Erlaubmß, sich in Rußland und Polen aufzuhalten. Nur wenigen Kaufteuten wird diese Erlaubmß ausnahmsweise gegeben; doch muffen dieselben ein Patent der ersten Gilde besitzen. - xx Nostow. ־ Bekanntlich sollen die Städte Rostow und Tangarog dem Dänischen Distrikte einverleibt werden und damit ist, wie auch seinerzeit in dieser Zeitung berichtet wurde, die Ausweisung der ziemlich zahlreichen jüdischen Bevölkerung verbunden, weil es den Juden verboten ist,, im Donischen Bezirke zu wohnen. Wie die Zeitung ״WoSchod" meldet, hat die Stadtverwaltung .von Rostow mit 42 gegen 3 Stimmen beschlossen, dem Kaiser die Bitte zu unterbreiten, der etwa 10.000 Seelen zählenden jüdischen Einwohnerschaft der Stadt den scrucren Anfcnthaltzn gestatten, weil durch deren Fortzug dem Handel und Gewerbe, in welchem jährlich etwa 300 Millionen Rubel nmgcsetzt werden, ein cmpfindlicher Schaden zugefügt werden würde. Wie von anderer Seite berichtet wird, soll Aussicht vorhanden sein, daß die Inden in Rostow und Tangarog vorbleiben dürfen. ES sind auch früher einige Entscheidungen des hohen Senats getroffen, welche darauf hlndeutcn, daß in anderen Spezialfällen derselbe die harten Gesetzesbestimmungen in niildem Geiste anzuwcnden nicht abgeneigt ist. ... . - Nu mänien. b. Bukarest, 8. April. Wie verschiedenerseitS gemeldet wird, soll demnächst hier ein zweiter antisemitischer Kongreß stattfinden. — Der Strom der Auswanderung ist noch im Steigen begriffen — ist doch das, was mnS in der Zukunft noch droht, unberechenbar. Jede Gelegenheit wird benutzt, um uns unser Dasein zu verbittern. So werden angesichts des bevorstehenden NVL-Festcs in den verschiedensten Orten Tableaus kolportirt, aus denen eine Szene ad'- gebildetist, wie die Juden behufs'Gewinnung von' Christenblut zur Mazzothbcreitung Christenkinder abschlachten. Was Anderes ist der Zweck der-Verbreitung solcher Bilder, als das Volk wider uns zu Hetzen. Mit Zagen sehen wir dem VesreiuugSfestc entgegen. Wann dürfen wir das Fest unserer Befreiung von der rumänischen Unterdrückung feiern? .England. . ■5§* London, April. Die״Anglo-Jewish-His!orital Exhibition" ist eröffnet.- Die große ״Albert-Hall" in South Kcnsiugton ist die Stätte, wo eine emsig arbeitende und sammelnde Kommission Alles zusamm cngesteÜL hat, was geeignet erscheint, ein anschauliches Bild von dem Leben und Schaffen des israelitischen Stammes - auf englischem Boden zu gewähren. Ihr Korrespondent fühlt sich nicht' befähigt,- eine sachkundige Darstellung'! dieser eigenartigen Ausstellung zu entwerfen. Cs'mangelt׳- ihm an. den erforderlichen Fachkenntnissen. Cr zieht eS:- deshalb vor, dem Berichte der Zeitung ״The Jewish׳ World" zu folgen und Ihnen an deren Hand'einen Einblick in die höchst interessante Sammlung zu bieten.׳ Für heute beschränke ich mich auf dasjenige, was diese cniS der Zeit des elften,' zwölften und dreizehnten Jahr- Hunderts aufwcist. ES sind 520 Nummern, größtenthcilS Dokumente 'Unter diesen ist Nummer 510 von einer Jüdin aus Oxford, Mildegöda mit/ Namen, mit deren Jnsicgel bcachtcnSwerth. Nummer 512 zeigt die hebräische NamenSzcichnüug des berühmten Aron von Jork, des Rothschilds seiner Zeit, das Prototyp des ״Isaak von Jork" in Jvänhoe von Scott. Nummer 14 ist eine Eintragung in daö Waldregister von Essex und zeigt am Rande die Skizze eines Inden in׳ der damals üblichen Tracht mit der sonderbaren Ueberschrift ״Aaron, son of Lhe Drvil", virnuithlich ein lustiger׳ Streich des Beamten, welcher die Eintragung vornahm.׳ Nicht minder kurios ist Nummer 15, der Kopf einer׳ Akte des Schatzamts, in welchem die Zeichnung vom zwei Inden angebracht ist, welche von dem Dämon! ״Colbis" besessen sind (?!) Außer diesen Dokumentensind höchst interessante Photographien nnd Stiche vom Gebäuden aus dieser Periode ausgestellt, jüdische Häuser zu Lincoln und Bury St. Edmund'S. Das׳ crsteregehörte der reichen Jüdin Bellaset von Wallingford; daö letztere, ursprünglich ein Kloster, ging durch Kauf in׳ jüdischen Besitz über und ward zn einer Synagoge umgcwandelt. Ferner sind einige Handschriften, Kopien von Werken, ausgestellt. So eine hebräische Grammatik und ein hebräisches Wörterbuch von der Hand R. MoseS ben Isaak von England, eine Dichtung ־ von Moscö von Norwich, zwei Werke von der Hand Jbn CSra aus der Zeit seines Aufenthalts in England., Amerika. :׳ ׳ ׳ ’ * Der berühmte amerikanische Geistliche H. W. Vcecher hat kurz vor seinem Tode einen bcmerkenSwerthell Brief geschrieben, in welchem er, und zwar mit. bestem Erfolg, dem Präsidenten Strauß, einen israclitischcu Mitbürger, zum Gesandten in Konstantinopcl empfahl. ' Derselbe kautet in Uebersctzung: ״Brooklyn, Ncwhork, 12. Februar 1887. Au Grover Clcveland. Lieber Herr Präsident! Einige unserer besten Bürger wünschen sehr die Ernennung von Oskar Strauß zum Gesandten in der Türkei.- Es wird allgemein zugestanden, daß er sich seinen persönlichen Eigenschaften nach, wie durch seine Bildung vortrefflich dazu eignet. Aber mich inlcrcssirt eine andere Eigenschaft — die, daß er Hebräer ist. Das bittere Borurthcit, welches in vielen Thcilcu Europas gegen'die Juden Herrscht,