Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 15-16 (21.4.1887)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1887-04-21
- Page
- 251 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Auch wir müssen das beim jüdisch-rituellen Schlachten eingehaltene Verfahren als eine rasche und angemessene TödtungSart anerkennen, welche sich ohne eine Verlängerung׳ oder Verschärfung der Schmerzen schnell und sicher vollzieht." . .. 6. Berlin,' 19. April. Daö ״Berliner Tageblatt" schreibt: Die politische Agitation der Geistlichen ist, wie die ״Rordd. Allg. Ztg." meint, keineswegs ganz /auSzuschlicßcn. Nur soll sie sich in einer ״nationalen",׳ d. h. regierungsfreundlichen Richtung bewegen. Regiernngöfeindliche Geistliche sollen nicht agitircn dürfen. Zu diesen letzteren rechnet daS Kanzlcrblatt— und das ist wohl das. Interessanteste an dem Artikel — jetzt auch^ Herrn Stöcker, welchem w'icderum ein offiziöser Tritt crthcilt wird mit der Erklärung, ״die antisemitischen Strömungen seien.bisher in einer Tnrbnlenz bethätigt worden, daß man nieincn sollte, nicht nur eine Autheilnahme, sondern n!chr noch eine Führung derartiger Strömungen müßte Geistlichen schon durch die Rücksicht auf ihr Amt verboten sein, ohne daß cS:dazu .einer Vcrsügung von zuständiger Stelle bedürfte." — ES ist nicht ohne Pikanterie, daß daö Schlagwort ״national", mit dem das Stöckcrthum selbst so viel Humbug getrieben hat, jetzt dazu dienen muß, cö bei Seite, zu. schieben. Oester reich-Ungarn. . . - *||* Pest, 8. April. Die Hausordnung dcS ungarischeu.Abgeordnetenhauses.wird möglicherweise demnächst nm eine. Bestimmung vermehrt, welche den Herren Antisemiten gerade nicht sehr angenehm sein dürfte. ES sollen nämlich in Zukunft alle diejenigen Wahlen annnllirt werden, die nachgelviesenermaßen durch Aufhetzung' gegen eine Nationalität oder Konfession zn Stande gekommen sind. *||* Pest, 6. April. Die ״Neue jüdische Pcstcr Zeitung" knüpft an die von ihr berichtete Thatsache, daß der erste von der ״Landes-Nabbiucrschnlc" ansgebildete und autorisirte Rabbiner, 1)r. Neumann in Groß-Kanischa, nicht imr' einer ausschweifenden Reform huldigt, sondern sogar die Abschaffung der reiigiouSgesctzlichen Ehescheidung befürwortet, als deren Ersatz die von dem bürgerlichen Richter ausgesprochen genügt, recht bcherzi'genSwerthe Betrachtungen. ES wird daraus hmgcwiesen, wie der als Direktor dieser sogenannten Nabbinerschule fungircnde Herr Rabbiner Bloch ehemals, als er noch zn Lcipnik in Mähren, als Rabbiner amtirte, sich als streng orthodox gezeigt habe. Er hat sich n. A. damals in seinem Gntachtcn über die von der Wiener Gemeinde eingeführtcn KnltuSrcsormen ganz entschieden gegen die Reform ausgesprochen und sich vollinhaltlich den Anschauungen dcS Herrn Rabbiner Salamon Spitzer in Wien angeschloffen. Es sei deshalb seine Pflicht, falls er seinen Grundsätzen treu geblieben sein wolle, daß er die dem vr. Reumann ertheilte rabbinische Autorisation öffentlich zurücknehme. Ferner wird , sehr richtig bemerkt, daß die Prosperität der reformistischen ״Rabbinerschule" wesentlich von derungeeigneten Organisation der Jeschiboth ׳bedingt sei. Würden die Leiter der. Jeschiboth den dringendst befürworteten Vorstellungen. Gehör geben und es sich angelegen sein lassen wollten dcn unabweislichen Anforderungen der Gegenwart; ent* sprechende Rabbiner heranzubilden, so würde: jener! Pflanzstätte der Reform 'der Boden entzogen - werden. Sie verschließen sich aber meistens leider beharrlich den' wohlgemeintesten Rathschlägcn und tragen dadurch nicht wenig dazu bei, daß nach und nach immer mehr ungarische Rabbinatc der Reform auSgcliefert werden. - *0* Nesrtraim April. . Die kürzlich stattgehabte: Prüfung unserer Schule legte ein höchst erfreuliches: Zeugniß für den Stand des Unterrichts ab, welchen unsere Jugend in den Religionswissenschaften genießt.! Sowohl in der Kenntniß von חומש ודשי, wie in den anderen Büchern der heiligen Schrift und entsprechender grammatischer Bildung zcigken die Schüler recht lobend-׳ werthe Kenntnisse und Gewandtheit.׳ Ebenso war daS: . Resultat der Prüfung im Talmud sehr befriedigend. Möge׳ der Geist, welcher hier gepflegt wird, das Herz unserer. Jünglinge mit solcher Innigkeit erfassen, daß sie auch, als gereifte Männer - in dem Studium des Gesetzes und der Lehre Israels ihre, höchste Freude suchen und im . Leben durch ihr Thun und Lassen bekräftigen, daß sie׳ :wahrhafte למודי ד׳ fint. ' p. Aus dem Zalaer Kormtat, April. Das aberwitzige Märchen deö jüdischen Blutdurstes wird.; alljährlich aufgewärmt, um den Haß gegen die Inden aufs Nene: zu schüren. Diejenigen, welche den Juden-, haß und die Verfolgung der Inden zu ihrem Spezialgewerbe erwählt, benutzen diese verruchte Ausgeburt! eines sanatischen Blödsinns, um׳ ihr sauberes Geschäft: in Flor zn bringen. In Zala-Apati, einem Dorfe in! der Umgegend Zala-EgcrßegS, des ׳HauptortcS unseres KomitatS, blieb eine bei einem jüdischen Wirthe bedienstete Magd kürzlich über Nacht vom Hanse ihres Dienstherr!: fern. Dieser schickte zur Mutter der Magd hm und ließ fragen, ob sich die Tochter vielleicht dort befinde. Die Frau erhob aber ein großes Geschrei׳ und lief die Dorfgaffe entlang mit dem Rufe: der Jude habe ihre Tochter verstecht um siezu schlachten. Daraus nahm die Einwohnerschaft eine so drohende Haltung ein, daß der Wirth, Herr Deutsch, nach Egcrßeg eilte um Schutz zu suchen. Der Vizcgespan sandte sofort vier Gendarmen nach dem Dorfe, welche bald heraus׳ bekamen/ daß die Magd bei der Mutter versteckt sei. Matter und Tochter sind Ungezogen und werden ihrer Strafe nicht entgehen. ׳ - .I!״»׳. סי