Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1887) · p. 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-04-07
Page
228 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932770--24720-2934852
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

228 semitische Kandidaten. Die Resultate in den übrigen Stadt-Bezirken lassen aber befürchten, daß künftig die Antisemiten eine größere Anzahl Mitglieder in den Gemcindcrath bringen werden. - Holland. -0- Amsterdam, 3. April. Obwohl Amsterdam an jüdischen WohlthätigkeitSstistungen nicht arm ist, verdient es doch der Erwähnung, daß wir vor 8 Tagen wieder um eine bereichert wurden. Es wurde nämlich eine Alterversorgungsanstalt für verheirathete portugiesische Israeliten eröffnet. Wir besitzen zwar eine Altervcrsorgungsanstalt für Männer und eine solche für Frauen; für Verheirathete fehlte aber bis jetzt ein Unterkommen. Da der neue Verein nicht über genügende Mittel verfügt, konnten von 14 Anmeldüngen nur 3 Berücksichtigung finden. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die fehlenden Mittel dem Verein in reichem Maße zufließen werden, so daß er in Zukunft allen Anforderungen wird gerecht werden können. n Haag, 3. April. ״Israel en Oranje", der Verein unseres Iudenviertels, von dessen Triumphcn gelegentlich des jüngsten Königsfestes ich Ihnen berichtete, hat von einem Vatertandsfreun.de eine Prachtvolle Fahne zum Geschenk erhalten, deren Einweihung Mittwoch durch .unseren Bürgermeister, Mr.. I. G. Patyu, erfolgte. Ich rcferire nur das "besonders Bemerkenswerthc. Eröffnet wurde die Feier mit dem Volksliede ״Wien Ncerlandsch Bloed", und nachdem. ׳ die letzten Töne verklungen waren, nahm Herr B. Wolsf-7 der Vorsitzende des Vereins, das Wort. Ausgehend von der Gründung des Vereins, erinnerte er an den unvergeßlichen 49. Februar, jenen schönen Tag, an welchem das ganze Volk mit seiner fürstlichen Familie den 70. Geburtstag des Königs gefeiert. Der Verein sei entstanden, um die Liebe zu dem theuren Fürstenhause zu Pflegen oder, wo etwa uöthig, zu wecken. Israel sei sich bewußt, daß cs viel von seiner Freiheit Orauicn verdanke, und darum wolle cS seine Söhne, aber auch durch die Macht des Beispiels weitere Kreise außerhalb, in der Treue zum Hause Oranicn kräftigen . und diese Treue und Anhänglichkeit. zu einer Macht gestalten, die den Stürmen der Zeit Trotz biete. Der Verein fei stolz darauf, das Oranjebanurr so hoch erhoben zu haben; gehöre Oranien und Israel doch zusammen:׳ Oranien/ das gesegnete Fürstenhaus, unter dessen Negierung Holland in Freiheit blühe, und Israel, das auserwählte Volk, das sich der Gnade Gottes erfreue. Das Band zwischen Oranien und Israel würde nie brechen, sondern die Liebe Zu diesem Fürstenhause würde stets in den Herzen seiner Kinder leben. Hierauf. flehte der Redner zu Gott, Laß Er den König auch in seinem Greisenalter segne und bewahre, daß Er die geliebte Königin auch ferner zum Segen ihres Gemahls, ihrer Tochter und des ganzen Volkes erhalte, und -aß Er die liebe Prinzeß Wilhelmiua, das Kleinod der Nation, heranblühen lassen möge zum Ruhme ihres Geschlechts, vom Volke wie sein Augapfel geliebt, und daß dereinst ausihr Zweige hervorsprießen mögen an dem Stamme des alten und geliebten Hauses Oranicn. — Nach einer kurzen Panse ergriff der Bürgermeistcr das Wort. Wenn er an jenen denkwürdigen Februartag zurückdeuke und in seiner Phantasie die geschmückte Residenz sich ins Gedächtniß zurückrufe, daun verweile sein Blick vorzugsweise bei den durch ״Israel en Oranje'׳ in Fcstcsklcid gehüllten, von FesteSlicht erstrahlten Stadtviertel. In jenem Viertel hat die wärmste Freude und zugleich die größte Ordnung geherrscht, und nie würde er des Momentes vergeffen,- als er die hohe Ehre genossen, Ihre Majestät die Königin und die geliebte Prinzeß, von dem Vorsitzenden mit Recht das Kleinod der Nation genannt, durch das Viertel der Israeliten zu geleiten. Kein Fleckchen auf den Straßen, kein Eckchen an den Fcnftem unbesetzt, die Menge unzählbar groß und doch bei aller Erregtheit der weitgehendste!׳. Festesfreude nicht die geringste Störung. ״Israel eu Oranje" hat damit einen schönen Erfolg erzielt, cs hat auf würdige Weise den Gefühlen der Liebe und Treue, welche Israel zum Hause Oranien beseelt, Ausdruck gegeben. Solch ein Verein verdient unsere Unterstützung und Sympathie.... Auf ein gegebenes Zeichen wurde nun die Fahne enthüllt, und der Bürgermeister fuhr in seiner Rede fort. Er beglückwünsche den Verein zu diesem schönen Banner, w'elchcö ihm zu einen! würdigen Zeichen der Einheit und Entwickelung gereichen möge. Er hoffe, daß der Verein dasselbe unbefleckt, treu und in die Dauer der Tage bewahren werde, aus daß ein folgendes Geschlecht der hier ansässigen Söhne von Israel sehen könne, was ihre Väter für Oranien gefühlt. Diese Ueberlieferung würde dazu beitragen, das Band, welches Oranien und Israel vereinigt, unverletzt zu erhalten und cs stets noch fester zu knüpfen. Dieses Banner muß ein Zeichen bleiben von dem innigen Bewußtsein der unverbrüchlichen Einheit zwischen der Niederlande, worunter Israel ja mitbegriffen, und dem theuren Stammhause von Oranien.-Die Fahne ist ein Prachtstück. Aus dem Fahnentuche von blauen! Sammet befindet sich das goldgestickte niederländische Wappen, darunter die Worte ״Israel en Oranje" und das Datum der Gründung 1״. Januar 1887".. Das Wappen , ist von einem ׳goldenen Lorbeerkranze umgeben, darüber ebensallS in Gold ein ״Magen David". ־־:..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.