Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 14-15 (7.4.1887)
- Article
- Bilder aus Australien
- Date
- 1887-04-07
- Page
- 214 (sequence 2)
- Language
- German
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214 als Ehre rechneten, sich ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit zu verschaffen. Aber in! Laufe der Zeit änderte sich' daö, namentlich als die ehrbaren Zünfte mit Zustimmung hoher Obrigkeit unserem Volke die ׳ Betheiligung an ׳ Handwerken versagten und cs dadurch zwangen, sich fast ausschließlich dem Handel zu widmen.׳ Allein diese trübe Zeit ist Gott Lob vorüber. In unserem gesegneten Australien hat man nie etwas davon gewußt. Unter den ersten Ansiedlern, namentlich hier in Viktoria, waren auch viele unserer Glaubensgenossen, die gleich anderen Kolonisten auf dm neu entdeckten Goldfeldern ihr Glück zu machen suchten. Nur wenigen gelang cs. Gold fanden sie zwar in reicher Fülle, aber die Preise der Lebensmittel waren zu jener Zeit so hoch, und der Wahn, daß eS immer so bleiben werde und darum Sparsamkeit ganz unnSthig sei, war so allgemein, daß ״wie gewonnen so zerronnen"-bei den meisten zur Regel wurde. Bald fand man auf der Oberfläche gar kein Gold mehr, und große Kompagnien mit ansehnlichem Kapital mußten gegründet werden, um das kostbare Metall Lief auö dem Schooße der Erde zu' holen. Den einzelnen Goldgraben: war dadurch die Hoffnung, bald reich zu werden, abgeschnitten. Kanfleute, Profcssionisten, Mitglieder des gelehrten Standes, die zu Hunderten nach den' Goldseldern geeilt waren und daselbst lange im Schweiße ihres Angesichtes, obwohl meistens umsonst gearbeitet hatten, kehrten nun zu ihren früheren Beschäftioungen zurück, und diejenigen, die weder ein Handwerk noch irgend etwas Anderes gelernt hatten und sich zu der schweren Arbeit eines um Lohn arbeiten- - dcrl Goldgräbers nicht tauglich fühlten, unternahmen irgend welche Beschäftigung, um׳ eben ihr Leben zu fristen, oft'ein sehr kümmerliches Leben. So׳ darf eS denn' die geehrten Leser nicht befremden, daß ich früh an einem עלב תשעה כאב su einem jüdischen Schornstein-' feget gerufen wurde. Er war in der vergangenen Nacht gestorben, und die Leute, bei denen er wohnte, Christen, sagten mir, daß er kurz vor seinem Tode den Wunsch ausgesprochen hatte, unter seinen Glaubensgenossen begraben zu werden. Obwohl in der Nähe wohnend, hatte ich doch nie von.-dem Manne das Geringste gesehen oder gehört. Tn der Synagoge war er meines Wissens׳ nie erschienen, selbst, nicht am י״צ, und von seinen Glaubensgenossen hatte er'sich fern gehalten. Solche Fälle ereignen sich leider hier häufig. Von der Geldsucht hingerissen, kanlen Inden nach diesem Lande,' die sich weder praktisch noch dem Namen nach zur Religion ihrer Väter bekennen. Gewinn ist. ihr einziges Ziel, um Religion kümmern sie-sich nicht. Und wenn dann die höhen Erwartungen nicht in Erfüllung'gehen, wenn sie ein Leben voll bitterer Erskhrungrn durchmachen müssen,, wenn ,Kummer und Noth sie hart bedrücken, dann vicUeicht, und auch dann׳ nicht immer, wenden sie sich an ihre Glaubensgenossen, diren Hülfe in Anspruch nehmend. Viel gewisser ist eS indessen, daß der Tod, so er nicht-ganz unerwartet centritt, sie zur Rückkehr bringt. Namentlich ist dies der Fall, wenn die ersten kindlichen Eindrücke eines, frommen Elternhauses noch nicht ganz anS dem Gedächtnisse entschwunden sind. Hören Sie nur, wie es uns mit diesem jüdischen Schornsteinfeger ging. Seine Hauöleute (er war nnverheirathet) wüßten׳ nicht, daß er Jude war. Er hatte es nie geäußert. Sie wußten nicht einmal seinen Zunamen. -Sie nannten ihn nur einfach George. Wir untersuchten seine Kiste, und da fanden wir unter alten werthlosen Lumpen einen. Beutel, den .wir sofort als einen Tallis-Bentel erkannten. Tnwendig war ein wohlerhaltenes Tallis mit ZiziS versehen, obwohl gelb von: Alter, nur auf. dem Beute( war die Inschrift in Seide gestickt:'. Presented to George Fonseeca גרשון p אברחם by his loving raother on the day 'of liis. Bar Mitzwoh. Dies beseitigte jeden Zweifel, ob der Mann ein Jude sei. Nun denken Sie sich, durch alle Gefahren deS. Lebens,- durch die mannigfachen Wechsel' des Glückes hat dieser jüdische Schornsteinfeger daö Geschenk seiner . liebenden Mutter bewahrt. Manches mag er - ans. Noth verpfändet haben, nur btrfcG nicht. Es hat ihm schließlich zu קבר ישראל verholftn. Die hiesige ה״ק verrichtete die nöthigen Riten, und so bestatteten, wir ihn kurz vor -dem Anbruch des nationalen Trauertagcö. Möchten doch jüdische Mütter bedenken, daß das Beste, -was sie ihren Söhnen mit in die Fremde geben können, - die Religion ist. Sie ist ein Baum des Lebens für Alle, die daran festhalten. ׳.איש ישעי ' Novelle von Friedrich NotU ANS MW verWgmrr . (Nachdruck verboten.). (Fortsetzung.) . Er blätterte abermals m dem Pentateuch. ״Sehen Sie hier. Dieses Kapitel handelt von den Speisegesctzcn. Hier sind uns diejenigen Thiere bezeichnet, die uns zum Genüsse erlaubt und auch die- - jenigcn, die uns verböten sind.'— Bitte, lesen Sie? — Von den Sängethiercn sind uns nur diejenigen erlaubt, deren Hnf vollständig gespalten ist und die. wiederkäucnd sind. Diese beiden-Zeichen vereint müssen vorhanden sein, um uns den Genuß eines ThiereS ׳ erlaubt zn machen.—.Hier nennt uns nun die Schrift drei Wiederkäuer, deren Fleisch uns verboten ist, weil ihre.Hufe nicht gemalten sind und ein Zweihufer, wird -