Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1887)
- Article
- Deutschland : aus Kurhessen [Nachricht]
- Date
- 1887-03-31
- Page
- 205 (sequence 2)
- Language
- German
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205 von den Juden auSgesogencn Bevölkerung über diejenigen Mittel aufzuklärcu, welche wirklich zu ihrer Befreiung von ihrer unwürdigen wirthschaftlichcn Abhängigkeit führen, und hinter tiefer Presse muß eine feste kouservative Phalanx stehen, welche sie wenn möglich unter jedes Dach bringt und and) durch Korrespondenzen n. s. w. unterstützt. An einer solchen Phalanx fehlt cL aber. Manche Konservative sind im Stillen Anhänger Iw. Böckels, andere widmen ihre Mitarbeit der in Kassel inlmcr mehr Terrain gewinnenden sogenannten parteilosen Presse. In Kassel wird zur Zeit ein Zirkular zu Gunsten der parteilosen ״Kasseler Allgemeinen Ztg." mit Unterstützung von Herren herumgetragen, welche für konservativ gelten wollen, die Herren arbeiten mithin gegen ihre eigene Partei, und das zu einem Zeitpunkt, wo sich alle Hände regen sollten, die Partcipresse zu stärken. Diese hat mithin nicht nur gegen die gegnerischen Blätter sich zu wehren, sie muß cS auch mit ansehen, wie die Schwäche der eigenen Freunde zu ihren: Nachthcil thätig ist. Unseres Erachtens sollte die konservative Partei in unserer Provinz die Sache nicht länger so gehen lassen sondern, sich zu einer entschiedenen und schneidigen Initiative nach rechts und links hin ansraffen. ES kann ein Zeitpunkt eintreten, an dem cS zu solchem Vorgehen zu spät ist". — Die ״Stellungnahme״ der ״Krcuz-Ztg." zu der Jndcnsragc ist bekannt. Sie will von Ehrcn-Kapistrano.-Böckel nichts wissen, weil dieser ihr die Sache zu plump anfängt. Aber auch sie reitet auf dem abgetriebenen Hengst der ״Aussaugung" dcö armen Volkes durch die bösen Inden die Antiseruitcnfragc und stürmt gleich dem edlen Don Quijote ebenfalls in blinder Wuth gegen die Juden loS. Der häusliche Zwist zwischen Böekcl und Stöcker kümmert u!:S nicht viel. ES kann uns gleich sein, ob wir auf die eine oder andere Manier verdächtigt und augefeindet werden. * Posen, 21. März. Der ,.BolkS-Ztg." wird gemeldet: Das Provürzial-Schulkollegium der Provinz Posen erließ an die Vorstände der Synagogcngemcinden derjenigen Städte, an deren staatlichen Gymnasien jüdischer NeligiouSuliterricht crthcilt wird, in jüngster Zeit folgende Verfügung: ״Nach einer Entscheidung dcS Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angclcgcnhciten besteht eine Verpflichtung des Staates - zur Gewährung nichtchristlichen NcligiouS-׳ ׳ Unterrichts an die Schüler höherer Lehranstalten nicht. Wenn nichtsdestoweniger für diesen Zweck eine Ncnmneration in den Etat des staatlichen GymnasienS daselbst gestellt wird, so ist dies von den Angehörigen der jüdischen Gcnicinde als cin besonderes Entgegenkommen anzuerkennen. Dieses Entgegenkonnnen ist aber davon abhängig, daß seitens der letzteren, wie dies auch in anderen Provinzen geschieht, die Halste der zu zahlenden Remuneration getragen wird. 'Wir werden daher,' falls dcr VorstLnd sich rechtzeitig hierzu verpflichtet, die im Etat auSgesctztcn Remuneration von jährlich . . . vom 1. April d. I. zahlen lassen, im anderen Falle aber von demselben Zeitpunkte ab den jüdischen ReligionSunterricht gänzlich cinstellcn, wenn nicht etwa der dortige jüdische Neligionölchrcr sich zur Fortleistuug der bis׳ hcrigcn Stundenzahl gegen Gewährung der Halste der jetzigen Ncmuncration bereit erklären sollte. Oesterreich-Ungarn. ׳-' Eisenstadt (Ungarn). Herr BezirkSrabbiuer Salomon Kutna in Eisenstadt schreibt unö das Fo!- gendc: ״Obwohl die Zeit bereits ziemlich vorgerückt und wir schon nahe zu 22ת sind, so finde ich es dennoch für angezeigt, ja als eine heilige Pflicht, meine vorzüglich Galizien und Bukowina im Auge haltende Warnung vor Fälschung des יין של פסה mit Spiritus zur Vcrösscntlichnng oder sonst beliebigen Notiznahme einzuscnden. Noch nie wurden diese Fälschungen in diesem Maße und mit solchem Erfolge betrieben. Der Umstand, daß inan . sich daran gewöhne, von einem חבשו־ von berechtigter Seite abznsehcn, hat den Fülschungen Thür und Thor geöffnet". In der הודעת ותעודת macht Herr Kutna bekannt, daß er in Folge gegebener Veranlassung eine sorgfältige Nachforschung angcstcllt habe und leider zu der Ueberzcl!gung gelangt sei, daß unter den in den Verkehr als ,יין של 22ד gebrachten Weinen viele mit einem Zusätze von 5 Prozent Spiritus vermischt und deshalb für 22ת durchaus unbrauchbar sind. Er macht deshalb eindringlich darauf aufincrksam, daß n:an genau darauf achten möge, für jedes Gebinde Wein einen speziellen הנשר eines anerkannten Nabbincn zu verlangen. Diese Warnung verdient nicht nur für Ungarn, Galizier: und Bukowina, und nicht allein für Weir: .beherzigt zu werden, sondern dürste überall und für jedes zmu Genuß a:u N25 bcst'unmte Nahrungsmittel zu gelten. Rußland. ...)׳. Petersburg, März. Der ״WoSchod" bcrichtet über den großartigen Syriagogenbau in hiesiger Stadt, daß derselbe voraussichtlich im Laufe dcS Somn:crs zu Ende geführt sein wird. Die Synagoge enthält 750 Stellen, von welchen bis jetzt 146 für 407 750 Rubel verkauft sind, welche in zehn Naten erlegt iüctucii müssen. Warschau, Anfangs März. Unter unserer zahlreichen jüdischen Bevölkerung — sie beläuft sich, auf etwa 115 000 Seelen — herrscht große Noth. Freilich sind wir an Dürftigkeit und Elend von jeher gewöhnt, aber cin solcher Nothstand, wie der äugen-