Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1887)
- Article
- Deutschland : Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1887-03-31
- Page
- 204 (sequence 2)
- Language
- German
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204 gleichkommen soll, scheint eine völlige Begriffsverwirrung zu sein. Wenn dem Oberrabbiner der OhlSdorfcr Begräbnißplatz in Betreff des NeligionSgesetzcS nicht genugt, so hat er nur seine Pflicht gethau, wenn er sich nach einen! andern umgesehen hat, und wenn ihm dies endlich trotz der mehrmals dagegen ins Werk gesetzten Machinationen gelungen ist, so kann nur ein tendenziöser Haß gegen ihn dies als Ungehorsan! gegen die Behörde bezeichnen, Auö dein ganzen Aufsatz scheint nur der Verdruß hervor zu leuchten, den man ob des Gelingens der Sache empfindet, und daß man nicht im Stande war, wieder dagegen zu iutriguircn. Wir hoffen, daß die Zeit, die ja so viele Wunden heilt, auch die Hitze dieses Streites abkühlcn und so den von allen Seiten ersehnten Frieden in der Gemeinde wieder Herstellen wird, damit sich der Ausspruch der Waisen עד זיבולא בתריתא להוי שלגזא auch hier wörtlich erfülle. XX HaZberstadt, 25. Marz. In Betreff der Unterhaltung, welche Professor Goldschmidt in Berlin mit dem Reichskanzler gehabt hat, veröffentlicht der Erstcre in der ״Magdcburgischen Zeitung" folgende Nichtigstcllung. ״Der in der ״Magdebnrgischcn Zeitung" veröffentlichte Bericht über eine zwischen den! Herrn Reichskanzler und mir stattgchabte Besprechung ist vollständig erfunden. Nichtig ist lediglich, daß eine vom Herrn Reichskanzler durch Schreiber! vom 20. Februar veranlagte Unterredung am 2l. Februar stattsand und daß diese, neben vielen anderen, auch die antiscmitische Agitation betraf; auch dieser Theil der Unterredung ist von! Herrn Reichskanzler veranlaßt und hat keinerlei Vorschläge!neincrseitS zur Folge gehabt. Berlin, 21. März. Professor l)r. Goldfchmidt, Geheimer Iustizrath." — Frankfurt a. M., 28. März. Der EinladungSschrift zu der öffentlichen Prüfung der Realschule der Israelitischen NcligionSgefellschaft entnehnren wir die folgenden bemcrkenSwerthen Daten. Die Zu- Wendungen, welche den UuterrichtSanstalten der Israelitischen NeligiouSgcscllschaft — Realschule, Vorschule, höhere Mädchenschule — in dem abgelaufcnen Schuljahrc zu Theil geworden sind, zeugen von dem lebendigcn Bewußtsein der hohen Bedeutsamkeit dieser Institutionen, welches die Gemeinde in allen ihren Kreisen durchzieht. ES wurden zwei Freiplätze mit je 2600 c/L, zusammen 5200 J6, gestiftet. — Die Lehrer- Wittwcn- und Waisenkassc erhielt 24-33.60 J6, der Lehrcr-PcusionSfondö 993 M.t die Schreibmaterialienlasse für unbemittelte Schüler 1232 J6, die Schulgclderkasse 168 J6, die Zuschußlasse 200 JL die Preisvcrthcilungskasse 110 Jb.r die Talmnd-Thorakasse 3010.42 J6., die laufende Schulkasse 144.08 J6\ in Summa 13 391.10 J6. — Die Seitens dcö Königlichen Provinzial-SchulkollcgiumS vorgcuommcne Inspektion der Realschule ergab ein sehr befriedigendes Resultat. Durch Erlaß des Ministeriums ist den Schulen der Anstalt gewährt worden, daß sie bereits nach erfolgreich zurückgelcgtcm sechsjährigen Schulbesuche das QualisikationSzeugniß für den einjährig-freiwilligen Militärdienst erlangen können. — In der Realschule definden sich 210, in der Vorschule 73 Schüler, in der höheren Mädchenschule 204 Schülerinnen. 24 Lehrer und 6 Lehrerinnen wirken an diesen Schulen. Es wird in der Anstalt, neben dem vollständigen Pensum einer Realschule in der jüdischen Wissenschaft ein anögicbigcr Unterricht gewährt, welcher eingehende Kcnntniß von ganz ת׳נ׳־׳ן mit Kommentar, Ritualien und Talmud umfaßt. In der obersten Klasse wurde im Talmud während des Jahres חולין von Fol.14 ׳a bis 49 a mit תוספות ,דשי und ראש und פסחים von 2 a bis 21a und 42a bis 48!) mit דשי und תוספות gelehrt. j|j Nus Kttrhessen läßt sich die ״Krcuz-Ztg." folgendermaßen schreiben: Die Stellungnahme der ״Kreuz- Ztg." zu der in unserer Provinz besonders brennenden Juden frage wird in allen denjenigen Kreisen, in welchen die ״Krcuz-Ztg." und der ״NcichSbote" gelesen werden, volle Billigung finden. Wenn die konservative Partei die Rücksichtnahme auf die Nationallibcralen und die diesen zuueiaeudeu Kreise so weit treibt, daß sie auf eine Initiative zur Lösung der hier zu Lande lichterloh brennenden Judeufrage verzichtet, so steht zu erwarten, das; die sogenannte ״Hessische Antisemitcnpartei", deren Führung dem 1)1\ Vöckel trotz der ihm widerstrebenden (Elemente der Partei nach dem Gesetze der schiefen Ebene Zufällen nmß, den Konservativen über drei Jahre die Mehrzahl ihrer Mandate in der Provinz abnehmcn wird. Eine ihrer ersten und wichtigsten Pflichten lvird von einem Theil der hessischen Konservativen leider nicht genügend gewürdigt, Millich die Pflicht, die provinzielle Presse zu unterstützen. Wir besitzen, von der! Kreisblättern abgesehen, drei in konservativem Geiste geschricbeuc Blätter, daß ״Kasseler Journal" als Proviuzialorgan und die ״Schaumburgcr" und ״Oberhessischc Zeitung" mit enger begrenzten! Wirkungskreis. Welchen Einfluß diese Presse auf die Wahlen auSzuüben vermag, hat die Wahl'!!!! Kreise Homberg. Fritzlar, Ziegenhain dargethan, wo der Autiscurit Liebermann v. Sonnenberg den langjährigen konservativen Abgeordneten von Gehren bckänipste. Nachdem daö ״Kasseler Journal" ziemlich lange gezögert hatte, Stellung zu der Kandidatenfrage zu nehmen, was verstimmend wirkte, brachte eS noch in letzter Stunde einen sehr schneidigen Artikel aus dem Zicgcnhaiuscheu, dessen Erfolg nach der Schätzung der Autisemitcn selbst ein Verlust von gegen 900 Stinunen für -Liebermann v. Sonnenberg war. Unsere provinzielle Presse!nutz unseres Erachtens cS sich zur Aufgabe machen, die Köpfe unserer ländlichen, vielfach