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Jeschurun · 1887-03-31 · Heft 13 (31.3.1887) · p. 203

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 13 (31.3.1887)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1887-03-31
Page
203 (sequence 2)
Language
German
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203 höchlich erfreut über den freundlichen Empfang, den ihm das ganze Dorf bereitete. Er lnd Alle, auch die Musik,, ins WirthShauS ein; ״die Bauern tranken wacker, und die Musiker spielten dazu auf, cS war eine wahre Lust. — Und das Ende vom Lied? O, die undankbaren Bauern! Sie hielten ihr Wort und der neue Mitbürger machte keine Geschäfte." Er sah sich natürlich bald zun! Fortzug geuöthigt. Die Bauern sandten ihm eine Deputation und ließen ihn fragen: ״ob eS ihm recht wäre, wenn sie ihn, wie sie damals ihn mit Musik eingeholt hätten, jetzt auch mit Musik hinauSspieltcn." Und die Moral dieser schönen wahrhaftigen Geschichte von den klugen und lnstigeu Bauersleuten? ״Diese Geschichte präge man sich allseitig in die Seele ein und halte die daraus gezogene Lehre fest mit dem ganzen Herzen!" Ist cS nicht traurig, daß ein amtliches FachblatL <S nicht unter seiner Würde hält, mit derartigen Schnurren seine Spalten zu füllen, welche sonst nur ernsten Inhalts sind? Freilich ernst, sehr ernst ist diese Schnurre. Sie hat keinen fröhlicheren Zweck, als das große von den Herren Antisemiten angestrebte Ziel. Den ״Wcstfäl. Bauer" kennen wir nicht; vielleicht passen Form, Inhalt und Zweck zu dessen übrigem Wesen. Einem ״amtlichen Organe" einer Königlichen LandwirthschastS-Gesellschaft aber sollte Derartiges zu tief stehen. 0. Ber!!!;, 24. März. Ich erfahre positiv, das; die bei dem ׳Reichstage wiederum cingegnngene Petition der Thicrschutzvcreine vom 28. Februar sich gegen die j ü d isch e S ch l a ch t m ct h o d e wi e früher wendet. Es ist deshalb an der Zeit, daß auch die sämmklichen Gegenvorstellungen jüdischer SeitS wieder erneuert eingereicht werden. * Berlin. Der älteste Mann Berlins ist einer unserer Glaubensgenossen. DaS ״Berliner Tegcblatl" weiß zu berichten, daß in der deutschen Reichshauptftabt ein Mann lebt, der das 10i. Lebensjahr bereits überschritten hat. ES ist dies, nach einer den! Blatte vorliegenden amtlich beglaubigten Auskunft, der 'seit etwa zehn Jahren in Berlin bei seinem Schwiegersohn Benjamin, . Nene Schönhauscrstraße 1 a, wohnhafte Ncnticr Abraham W it tkow S ky. Derselbe ist nämlich am 20. Januar 1786 in Trcmcsscn geboren. Dieser Acltcste Berlins erfreut sich noch der körperlichen Rüstigfeit und Frische. -h- Hambnrg, 25. März. Die .,Israelitische Wochenschrift"!var wieder so freundlich, sich mit Hamburger Verhältnissen, speziell mit demneuen vorn Oberrabbiner 'erworbenen Bcgräbnißplatze, zu bcschästigcn. Wer mm die Tendenz des Blattes kennt, wußte von vornherein, wie dieser Artikel beschaffen sein würde. Wir wollen uns auch gar nicht mit dem Inhalt desselben, noch mit bem Inhalt dcS im ״Icschnrun" enthaltenen Berichtes befassen, sondern nur einige, wie eS uns scheint, übel angebrachte Ausdrucke richtig stellen. Da finden wir nun gleich im Anfänge den gegnerischen Bericht als ״tendenziös״ bezeichnet. Da in demselben jedoch nur die Fakta dargelegt sind, so ist cS schwer zu crrathcn, was denn eigentlich daö Tendenziöse darin sei. Daß der Verfasser desselben den Oberrabdiner hoch schätzt und wegen seiner hier bewiesenen Energie beglückwünscht, wer will eö ihn; verwehren? Jedenfalls gehört der ״Jcschnrnn" nicht zu den religiösen Equilibristcn, die bald hier, bald dort ihr Lächeln hinsenden, die sprechen: omnia omnibus sinn, wie eS die Vertreter einer gewissen anderen Richtung thun. Er ist auch weit entfernt davon, über ernste religiöse Pflichten die Lauge seines Spottes auSzngicßen, wie wir dies so oft in der ״Israelitischen Wochenschrift" von verschiedenen Seiten wahrnehmcn, und wenn derselbe die Freude seines Berichterstatters theilt, einen den religiösen Erfordernissen entsprechenden Vcgräbnißplatz erlangt zn haben, so ist das seine ernste Uebcrzeugung, der er Ausdruck verleiht. Das; der ״Jcschnrun" ein wenig gelesenes Blatt genannt wird, ist noch kein Beweis, daß dem so ist, und wenn auch, so ist das Viel-gelesen-werden ja noch nicht ein Beweis von dem wirklichen Gehalte deö Blattes, da sonst das Pamphlet von Ehrcn-Drnmont selbst der viel gelesenen ,,Israel. Wochenschrift" noch um ein Bedeutendes über wäre. Heber den Streitpunkt selbst geht der Korrespondent hinweg, da dieser ja genug ventilirt sei. Auch wir folgen ihm hierin, haben nur zu nnscrm Bedauern zu bemerken, daß die Acußerung ״verschiedene der strengsten orthodoxen Richtung angehörende Rabbiner hätten sich für Len OhlSdorfcr Begräbnißplatz erklärt" uns unverständlich ist. Dagegen haben sich ausgesprochen die Herren Rabbiner Hirsch in Frankfurt, Adler in London, Bambergcr bזצ־ in Würzbnrg und 1)1׳. Dünner in Amsterdam, außerdem der berühmte Kownocr Rabbiner Iizchack Elchauan Spcktor. Dafür wird nur Dr. Hildesheimer tu Berlin angeführt; aber auch dieser hat sich nicht etwa in einem Briese oder einem Giltachten an den Vorstand geäußert, sondern nur einem Mitglicde des Vorstandes und dessen Sekretär seine Meinung mündlich mitgcthcilt. (Wie uns jedoch versichert wird, nur für den Fall, daß belegte Gräber nie geräumt zu werden brauchen.) Wer die anderen orthodoxen Rabbiner noch sind, die ihm beipflichten, ist für nnö bis jetzt unerfindlich geblieben. Es müßte vielleicht jener verunglückte Versuch gemeint seid, dem I>1\ Gugenheimcr so gründlich hcimlcuchtete. Wie aber die Erwerbung deö neuen VcgräbnißplatzcS einer Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Behörde

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