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Jeschurun · 1887-03-31 · Heft 13 (31.3.1887) · p. 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 13 (31.3.1887)
Article
Pirqe avot
Date
1887-03-31
Page
198 (sequence 2)
Language
German
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108 blick auf und meine nicht, die gute Absicht rechtfertige Alles, entschuldige Alles und genüge zu Allem. Willst du auf die Gemüthsstimmung des Nächsten einwirken, so versuche dies nicht im Momente seiner Erregtheit, sondern warte, bis er ruhiger und damit vernünftigen Vorstellungen zugänglicher geworden ist, so mit Besänftigungen, Tröstungen, Lösungen unüberlegter Gelübde, Theituahmebezcugung. אל תשתדל, bemühe dich nicht, dränge dich nicht dazu, Jemandem, dem etwas Itnlicbfameö zugekommen, zu besuchen, wenn du erfährst, daß er lieber allein, unbesucht, ungesehen bleiben' möchte- *)2.4. . Schemncl der Jüngere sagt: Wenn dein Feind fällt, freue dich nicht, und. wenn er strauchelt, frohlocke dein Herz nicht. Gott würde eS sehen und cö würde ihm mißfallen und er .würde von ihm seinen Zorn zurücknehmen. Wenn dein Feind, der dich verfolgt, fällt, freue dich nicht, und wem! er sittlich strauchelt, sei darüber nicht froh, daß nun die Welt sehe, wie schlecht cr ist. Mit solcher Schadenfreude versündigst du dich schwer vor Gott, und wenn nun Gott die Feindschaft deines Feindes vielleicht als Werkzeug zu deiner sittlichen Besserung zugelassen hat. so könnte deine sündhafte Schadenfreude eben ein Beweis deiner noch sittlichen Unreife sein und Gott zu deiner Besserung deinen Verfolger wieder ausrichtcu. Diese den Proverbicn 24, 17.18. entnommene Warnung fuhrt שמואל'הקטן im Munde, wohl nur sich und Anderen stets vor die Seele zu führen, wie sehr wir darüber zn wachen haben, daß unfern Gesinnungen jede Gehässigkeit gegen Mitmenschen fern, bleibe, indem wir selbst dem Feinde nicht nur nichts Vöscö thnn, nicht nur nichts Böses wünschen sollen, sondern selbst die Freude über einen ohne.unser Zuthun ihm zngekommencrz Unfall eine ernste Versündigung vor Gott wäre. **) 25. Elischa, Sohn Abuja'S, sagt: Was einer in seiner Jugend lernt,׳ gleicht Dinte ans frisches Blatt geschrieben, was einer im Alter lernt, gleicht Dinte aus verlöschtes Blatt geschrieben. . Das in der Jugend zu Lernende fordert einen noch von keinen andern Vorstellungen und ^Begriffen eingenommenen Geist, das zu Lernende prägt sich scharf und dauernd ein. Im Alter ist der Geist bereits von so vielem Fremdartigen voreingenommen, das zurück« gedrängt werden muß, um dem neu Aufzunchmcnden •ז שמואל הקטן אוסר•) Sein אויבך Sk חשמח• וכבשלו Sk יגל pV־• פך יראה יי ידע בעיניו והשיב מעריו אפו. **> אלישע כן־אמיה אובד• הד י ד:־!• יליד לרה הוא דומה• לדיו כתובה Sy ניר חרש• והלומד זקן למה הוא רומח• לריו נישבה Sy* גיר מחוק- Na um zu schaffen. Daher prägt sich das zu Lernende nicht leicht und nicht tief genug ein, um dauernd zu bleiben. (Fortsetzung folgt.). ' Ans MB uftgöupct Zeit. Novelle von Friedrich N o t t. (Nachdruck vcrLot.cn.) (Fortsetzung.) Er hielt einige Augenblicke in ne, dann fuhr cr mir fester Stimme fort: ״Ich habe mir gelobt, von nun an sämmtliche Vorschriften der jüdischen Neligio» püuktlichft zu erfüllen." ״Gott segne Sie für diesen Entschluß," sprach der Rabbiner, als der Doktor schwieg. ״Doch in welcher Beziehung wünschen Sie meinen Nath?" ״In mehrfacher Beziehung. Ich habe gelobt, wie ich soeben erwähnt, fortan sämmtliche religionsgesetzliche Vorschriften zu Hallen — aber — cs sind mir nur sehr wenige bekannt." ״Sie wünschen demnach Belehrung," siel Doktor R ... . entgegenkommend ein, ״ich erkläre mich gern bereit, Ihnen diese zu ertheileu. Allabendlich werde ich von neun Uhr an zu Ihrer Disposition sein." ״Ich sage Ihnen im Vorhin meinen verbindlich- [teil Dank," entgegnen bei* Doktor sich verneigend. ״Und in welcher^ Beziehung könnte ich Ihnen außerdem mit meinem Nathe dienen?" Der Doktor fuhr sich mit der Hand über die Stirn. ״Es. ist eigentlich — das heißt —" er stockte abermals. ״Ich habe mir gelobt," fuhr cr nach kurzer Pause fort, ״wie gesagt, ich habe mir gelobt, sämmtliche Vorschriften der indischen Religion pünktlichst zu erfüllen — und selbstverständlich, was ich gelobt habe, das werde ich halten. — Ebenso selbstverständlich ist cs jedoch, daß dieses Gclöbniß nur jür meine Person gilt." Der Rabbiner schüttelte den Kopf. ״Es ist mir nicht recht klar, was Sie damit sagen wollen. Ein Gclöbniß hat selbstverständlich mir für Denjenigen Geltung, der cS ausgesprochen hat, obgleich —״ ״Das eben wollte ich sagen," fiel der Andere lebhaft ein, ich werde, meinem Gelöbnisse entsprechend, streng nach religionSgesctzlichcr Vorschrift leben, ich habe dem entsprechend bereits gestern und vorgestern in einer jüdischen Restauration gegessen. — Doch ich bin verlobt mit Fräulein Lewison, Tochter des Ihnen vermuth-!ich bekannten Nähmaschinenfabrikante» Herrn Julian Lewison —.

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