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Jeschurun · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. 190

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1887-03-24
Page
190 (sequence 2)
Language
German
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190 geordneter Nenwirth: Aber nicht Schwähfreiheit!)" Darauf Hub der Präsident an und sprach: ״In Bezug auf die Ausführungen des Abgeordneten Türk habe ich zu bemerken, daß der Herr Abgeordnete über das Gebahren der Israeliten, namentlich von Abgeordneten, Auslassungen gemacht hat und sich in dieser Beziehung in abfälliger, ich möchte sagen, in beleidigender Weise ausgesprochen hat, wofür ich ihm den Ordnungsruf crthcilen muß." Mit Herrn D1\ Pattai war cS so. Er hat kürzlich den Abgeordneten Wrabctz auf dem Korridor des NeichötagcS beleidigt. Dieser strengte die Klage an. Das Gericht verlangte vom Reichstage seine Auslieferung. Dieser bewilligt solche trotz der geharnischten Reden seiner Freunde. 0. Wien, 17. März. Der Wunsch nach einer durch NcichSgesetz hcrbeigeführtm staatlichen Regelung ״der äußeren Rechtsverhältnisse" der jüdischen Gemeinden CiSleithaniens dürfte seiner Erfüllung nicht mehr fern sein. Es steht fest, daß die Arbeiten im Kultusministerium über diese Materie fast oder ganz vollendet sind, und daß voraussichtlich in Bälde der NeichSrath sich damit zu befasse׳.׳, haben möchte. Nicht mit Unrecht hat Herr von Tausch, der Inhaber deö Kultusministeriums, kürzlich diese Angelegenheit eine der schwierigsten seines Ressorts genannt. Würde cS sich in Wahrheit lediglich um die ״äußeren Rechts- Verhältnisse" handeln, so ließe sich diese Schwierigkeit kaum begreifen. Aber der Herr Minister weiß cS so gut wie Jeder, der es wissen will, daß unter diesem Titel die internsten Angelegenheiten des JudcnthnmS getroffen und seine vitalsten Interessen berührt werden sollen. Von einer Seite, welche dem orthodoxen Judenthum abhold gesinnt ist, will man eine jüdische Zentralbehörde 'für die cisleithauifchen Krouläuder schaffen, welche als höchste Instanz in allen jüdischen Augclegcnheiten, vermöge der ihr einzuräumeuden außerordentlichen Kompetenz, sowohl das erste anregende wie das letzte gestaltende Wort zu sprechen hat. Ein israelitisches Konsistorium ü la fran^aisc oder eine israelitische Obcrkirchcnbchörde nach Württembergischem Stil,' das wäre so recht nach dem Herzen der leider -nur zu einflußreichen Herren. Eine solche Behörde würde der Entfaltung ächt jüdischen Geistes und Lebens in dm Gemeinden sehr energisch cntgegentretcn können. Aber auch diejenigen Gemeinden, welche nicht orthodox sind, hätten eS schwer zu büßen, wenn sie nicht rechtzeitig ihre Stimme gegen jeglichen Versuch erheben, ׳ der die Autonomie der Gemeinden zu vernichten droht. In der vorgestrigen Generalversammlung des ifraeliti.- schm Wählerveremö ward über dieses Thenca ebenfalls . verhandelt. Das bekannte NeichSrathömitglicd Dr. Bloch hielt einen ziemlich ausgedehnten Vortrag über ..die.zu erwartende Regierungsvorlage im Sinne der zu erhoffenden Zentralksirmig und Neglementiru Der gleichfalls anwesende Abgeordnete Dr. Krön weiter trat seinem jüdischen Kollegen entgegen 1 warnte vor der Einmischung des Staats in die inner Angelegenheiten der RelkgionSgtmclndm. In di Hinsicht müssen wir entschieden Herrn Kronawettcr b pflichten, glauben aber kaum, daß dessen Meinung maßgebenden Kreisen gctheilt wird. Cs ist dieses, sch zu bedauern. Vor Allem aber ist cs zu bedauern, daß die gcsctzeötreucn Gemeinden Oesterreichs in dieser Sache gar nichts thun, und die gcsctzeStrcuen Rabbiner ebenfalls gleichgültig dreiuschauen. Dieser .JndiffereutiSmuS wird sich früher oder später bitter rächen. f. Wien, 18. März. Die Affaire zwischen den Abgeordneten Dr. Pattai und Dr. Wrabctz, über die Sie in Nr. 6 d. I, berichteten, wird jetzt gerichtliche Entscheidung finden. Im österreichischen ReichSrathc hatte während einer Debatte Anfang Februar d. I.. . der Antisemit Pattai den Dr. Wrabctz zugerufen: ״Den Wrabctz gefällt das, der denkt wie ein Jude!" Al dann nach der Sitzung draußen Wrabctz über Pattai'» Zuruf sich abfällig äußerte, sagte Pattai,zu ihm: ״Sie sind ein so gemeiner und niederträchtiger Mensch,, daß ich mich bcfch'.nutzen würde, wenn ich mich mit Ihnen abgeben wollte." Wrabctz reichte beim Bezirksgerichte die EhrmbcleidiguugSklage ein/ und jetzt hat am 10. d. M. der österreichische Reichstag, nach heftiger Debatte und trotz energischsten Protestes der Antisemiten, mit 146 gegen 37 Stimmen beschlossen, Dr. Pattai dem Gerichte auSzuliefcrn. Die gerichtliche Entscheidung ist abzuwartcn, dürste aber wohl dem flegelhaften Antisemiriömus einen Dämpfer aufsetzen. * Krakau, 17. März. Der ״Wiener Israelit" schreibt: Aus׳ Krakau wird tclcgraphirt, das; daselbst einige Vierzig Inden durchreisten, welche Nußland-vcrlassen haben, um sich ständig in Spanien ansässig zu machen. Schweiz. ל Zuzerrr. In alten Gemeinden pulsirt stets ein reges jüdisches Leben, daß Jedermann, der sich gerne mit spezisisch jüdischen Angelegenheiten besaßt, vollauf zu thun hat^ oder sich, zu beschäftigen weiß. Anders ist das Vcrhältuiß in unserer Gegend, wo neue Gemeinden wie Pilze aus dem Boden wachsen, und dieselben aus den heterogensten Elementen.bestehen. Da fällt es schwer,, sehr schwer, etwas Rechtes zu Stande zu bringen. Um so mehr muß man unserer .kleinen, zwanzig Mitglieder zählenden Gemeinde.nachsagen, daß sie vcrhältnißurüßig Bedeutendes geleistet hat, da sie die Errichtung unb Erbauung eines jüdischen Friedhofs mit schwerer Mühe und bedeutenden Kosten zu Stande gebracht. Dieser Friedhof wurde am.3. Marz

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