Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. 189

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1887-03-24
Page
189 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932768--24588-2934661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

189 solche ״Loge", wie der technische Ausdruck in Nachahmung der Freimaurer von den Bne-Brith angenommen ist, gebildet. Ich bin derselben nicht beigetreten, weil ich mir sagte, an wirklich wohlthntigcn und religiösen Bereinigungen — Chcwroth — ist hier kein Mangel. Will man noch eine gründen, so wandte man die alt bewährte Bahn, die unsere Väter cingcschlagen. Lasset den HoknSpoknS bei Seite. Sagt offen, was ihr erstrebt, und wenn eö gut und zweckmäßig ist, so findet Ihr Genossen. Es hat gottlob in Israel noch niemals an Männern gefehlt, welche einen wirklich guten und vernünftigen Gedanken zu fördern bereit waren. Was wollen denn diese Bnc-Brith-Logen? Wohlthätige Werke üben, sich gegenseitig unterstützen, sich gegenseitig geistig und sittlich heben? Sehr gut! Das haben die alten Chcwroth, welche Gottlob auch hier in voller Wirksamkeit sind, angcstrebt. Wir haben für die verschiedensten Bedürfnisse der Armnth hier solche Chcwroth, wir haben auch solche ans gegenseitige Leistungen beruhend und zur gegenseitigen oder gemcinschaftlichcn Belehrung unb׳ Veredlung qriftircn LermBcreinc. Genügen diese nicht, so tretet zu neuen Schöpfungen ans der alten Basis zusammen. Wollt ihr euch als Juden geistig und sittlich vercdlcn, so bildet noch einen Talmud-Thora-Verein, . in welchem ihr das Gotteswort stndirt. Lasset euch belehren durch Vorträge über Judcnthnm Gebet euch gegenseitig daö Wort, das jüdische Gesetz in eurem Leben zu verwirklichen. Haltet euch und eure Genossen zur Heiligung dcS SabbathS an, daß ihr und sic die Geschäfte an den von Gott geheiligten Tagen schließet und durch euer BcispicL auch auf Andere wirkt. Und so regt euch gegenseitig an und ermuntert euch ׳in der Befolgung dcS jüdischen Gesetzes und in allen Werken dcS Guten. Das Judenthum ist das Höchste, strebt danach, euch und eure Genossen zu wahrhaft frommen, die Satzungen dcS JudcnthumS heilig haltcndcn Inden zu machen. Dazu bedarf cS aber gar nicht des lächerlichen Pompes von Großmeistern und Logen, von Bestallungen und Ordens- Zeichen. Ich habe eben das osfizictle Organ der B'ue Brüh, die ״Menorah" vor mir. Da erfahre ich unter Andern, wie 27 Juden in'Kairo auch eine solche ״Loge" gründen wollten und sich deshalb an;,das ehrwürdige Exekutivkomitee in Newhork wandten, welches ihnen in liebevollster Weise Lntgegenkam und den ehrwürdigen Ex'-Präsidenten, Herrn Sicgmnnd Simmel aus Berlin, mit der Konstituinlng einer Loge betraute." Welche wichtige, gchtimnißvolle Vorkehrung! Da sind in Afrika 27 Menschen, welche Gutes thun, sich gegenscitig unterstützen und bilden wollen. .Sie müssen sich zu diesem Behuse nach Amerika wenden und von Amerika wird nach Deutschland geschrieben, und ein hoher Herr mit der Mission betraut, den weiten Weg von Berlin nach Kairo zu machen, um daselbst für die 27 Personen zn sorgen, daß sie znsammcnkommm können, um Gutes zn thun und sich gegenseitig anzurcgen! Diese 27 Herren sind übrigens keine bcdürftige Männer, denn sie haben den Legaten nicht nur in ״recht enthusiastischer Weise begrüßt", sondern ein großes Festmahl veranstaltet. Und dieser ehrwürdige Legat hat ihnen den ״Freibrief" gegeben und die Loge ״gesetzmäßig als errichtet erklärt". Ja, die Sache ist so wichtig, daß mit diesem bedeutsamen Tage — man merke sich Datum und Stunde: 16״. Jänner, Nachmittags 3 Uhr", ״nunmehr für die Juden im Orient eine neue Acra cingctreten ist, den Geist dcS Friedens und der Eintracht mit sich führend!!" Man muß nämlich auch noch wissen, daß nach diesem offiziellen Logenblatte die jüdischen Zustände in Kairo sehr desolate sein müssen, ״denn sic haben weder einen Rabbiner noch einen geregelten Religionsunterricht und Gottesdienst." Wenn man alles dieses liest, so gerath man fast in die Versuchung, ganz besondere Gedanken über den Geisteszustand der Herren zn hegen. Es dürsten doch bedenkliche Symptome von Größenwahn hier zu erkennen sein. Oesterreich-Ungarn. 0. Wien, 17. März. Der gestrige Tag zählt nicht zn den glücklichen der antisemitischen NeichSboten. Herr Türk zog sich einen Ordnungsruf zu und ׳Herr Pattai wurde dem Strafrichter zur Uiitersirchilng ausgeliefert. Herr Türk brachte nämlich folgende wratorische Leistung fertig. Er sagte: ״Ich will dem Abgeordneten Neuwirth etwas in Bezug auf die Soziialpolitik sagen. Die schlechteste-Sozialpolitik ist jene, welche nicht den wahren Bedürfnissen des Volkes, sondern gewissen jüdischen Interessen auf den Leib geschrieben ist. (Bravo! Bravo! auf der äußersten Linken. Rufe links: Zur Sache! Rufe der Antiscmiten: Sozialpolitik, ohne die -Inden zu berühren, ist unmöglich!) Das deutsche Volk und auch andere Völker werden sich für alle Zeiten, niemals mit diesen jüdischen Interessen versöhnen. Es wird da ein unaufhörbarcr Gegensatz bestehen, und dieser Gegensatz wird durch kein Taufwasser der Welt hinweggewaschen werden und wird auch durch Mi sch hei ra the n nicht.beseitigt werden. Ich ntöchte da das Gleichniß anwenden, daß ein Dorustranch, wenn er auch noch so oft ofulirt wird, vielleicht ein Rosenstock oder ein Nosenbanm wird (Heiterkeit), ober cS werden aus dem gepropsten Dorustranch niemals Kornähren oder Weintrauben wachsen. (Erneuerte Heiterkeit. Ruse links: Zur'Sache! Abgeordneter Dr. Kronawctter: Redesrciheit! Abgeordneter Dr. Lueger: Ausgezeichnet! Ab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.