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Jeschurun · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. 188

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1887-03-24
Page
188 (sequence 2)
Language
German
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188 den Verein wirkende Damenkomitee und der Vorstand unseres Vereins zur feierlichen Eröffnung der Anstalt in deren Räume zusammengefunden. Schon in den nächsten Tagen wurden die ersten Kranken ausgenommen und sind gegenwärtig bereits sechs Betten belegt. So hat uns denn die Gnade Gottes bcigestanden, uns ein kleines Asyl für unsere Kranken zu erwerben, welches im jüdischen Geiste geleitet und neben den sanitären auch den religiösen Bedürfnissen und Anforderungen der Israeliten genügt. Gleichwohl müssen wir daran erinnern, daß das Werk nicht abgeschlossen, sondern im Gegcntheil erst jetzt eigentlich begonnen ist. Gewiß ist cS ein großer Fortschritt, .daß wir nunmehr aus dem Stadium des bloßen Sammelns herauSgctreten sind und ans ein sichtbares Ergebniß unserer zwölfjährigen Thätigkcit Hinweisen können. Aber wir dürfen dabei doch nicht vergessen, daß daS bisher Geschaffene den Anforderungen einer großen und sich immer vergrößcrndcn Gemeinde nimmermehr genügen kann. Nachdem einmal hierorts eine besondere Station für jüdische Kranke errichtet worden ist, werden die Verhältnisse ganz von selbst dazu drängen, sie den wachsenden Bednrfnissen gemäß zu erweitern. UeberdieS ist ja die eine der beiden unserem Vereine bei seiner Gründung gestellteuAufgaben, dieErrichtnng eines AlterversorgungS- Hauses, bisher noch gar nicht zur Ausführung gelangt und hat auch unter den bisherigen bescheidcnenVerhältnisscn nicht zur Ausführung gelangen können. Eine Erweiterung der kleinen Station zu einer der Bedeutung der Gemeinde Hannover entsprechenden, großen und ansehn« lichcn Kranken- und Alterversorgungöanstalt, — das ist daS Ziel, dem fortan unausgesetzt und mit allen Kräften wird zngesteuert werden müssen. -a- Berlin, 22. März. An den! Fest- und Freuden tage des deutschen Volkes, an des Kaisers neunzigsten Geburtstage, weiß die ״Kreuzzeitnug" nichts Besseres zu bieten, als die Erklärung: den Kampf gegen das Jndcnthnm nngeschwächt fortznsetzen. Auch wenn es keinen einzigen Inden mehr geben sollte, welcher einer oppositionellen politischen Partei sich anschließen möchte, so würde sie dennoch unentwegt in dem bisher so tapfer geführten Kampfe stehen. Wir akzeptiren diese Erklärung, mit welcher der letzte Nest des Feigenblatts von der durch die ״Krenzzeitung" rcpräscntirten antisemitischen Bewegung fällt. Bis jetzt hat diese noch den schwächlichen Versuch gemacht, sich hinter staatsrettenden Gründen zu verschanzen. Ihre Faiseurs gaben vor,. die-Juden zu bekämpfen, weil diese sich mit der Demokratie und Sozialdemokratie zum Umsturz.der Gesellschaft verbunden hätten. Jetzt aber liegt die Erklärung vor,׳ daß dieses doch nur ein leerer Vorwand sei, man werde die Juden bekämpfen, auch wenn sie alle gleich den beiden Professoren Lazarus und Goldschmidt den Freund deö Herrn Höfpredigers in den Reichstag zu senden sich durch Brief und Siegel verpflichten. ״Der Jude wird verbrannt!" das ist fortan das Motto. Verwunderlich ist eS nur, daß trotzdem die ״Kreuzzeitung" . den alten Kohl von der Verbindung des Iudenthnmö mit der Sozialdemokratie aufwarmt, weil — Singer ein Jude ist und angeblich ein paar Leipziger Studenten jüdischen Bekenntnisses sozialdemokratische Allüren angenommen haben. Man unterlasse doch endlich diesen Hohn auf den gesunden Menschenverstand. Erklärt die ״Krcnzzcitung" etwa auch das evangelische Christenthum und die Evangelischen in die Acht, weil Hasenclcver, Bebel, Meister, Harm, Kräcker u. s. w. evangelische Christen sind?? — Nur immer hübsch aufrichtig und vernünftig! Frankfurt a. M., 20. März. In Hinblick auf die in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes gegebene Notiz aus Galizien über den השש חמרן beim Pfeffer dürfte cs Ihre Leser interessiren, zu erfahren, daß der Rabbiner unserer Ncligionsgesellschaft sich veranlaßt gesehen, die Mitglieder seiner Gemeinde aufmerksam zu machen, dafür Sorge zu tragen, daß in ihren Haushaltungen kein weißer Pfeffer an: פסח gebraucht werde. Nur der geringere Theil des weißen Pfefsers erhält diese hellere Farbe durch längeres Hängen׳ bleiben am Baume. Der bei weitem größere Theil wird nach neuerdings eingezogenen zuverlässigen Informetttonen zu diesem Zwecke mit Kalk, Gips oder mit Mehl behandelt. צ Hamburg, 20. März. Sie haben seinerzeit über die von Amerika nach Deutschland iniportirtcn Institutionen des Vne-Brith-OrdcnS in einer längeren Briefkasten-Notiz Ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß eine Vereinigung'von Juden zum Zwecke der Selbst- Veredlung und der Förderung der höchsten ethischen Ziele keinen anderen Boden habe dürfe als das Juden- Lhum im vollsten Umfange. So ungefähr, glaube ich, lautete Ihre Meinungsäußerung. Sic fügten noch hinzu, 'wenn ich nicht irre, daß jede Gehcimuißthnerci und die Annahme von wichtig scheinenden Formalitäten ernsten Männern nicht anftfmbc. Ihre Kundgebung ward damals auch in manchen hiesigen Kreisen eifrig besprachen. Manche thcilten Ihre Meinung, Andere lickämpften dieselbe: DaS Neue hat immer für Manchen einen gewissen Reiz, der Nimbus dcS Gcheimnißvollen imponirt Vielen und die Gelegenheit, etwas Besonderes darzustellen, wird von .manchen eitlen Menschen in bcsonderem Behagen benutzt. Wohl trifft eS sich auch, daß der Eine oder der Andere in diesem Neuen ein willkommenes Mittel zn erkennen glaubt, um für wirklich. ernste und würdige Zwecke auf die Eitlen zu wirken, indem sie von dem Gedanken ausgehen, מתוך שלא לשמה בא לשמה. Inzwischen hat sich auch hier eine

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