Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1887)
- Article
- Spanien [Nachricht]
- Date
- 1887-03-17
- Page
- 174 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Spanien. M. Die in manchen Kreisen gehegte Hoffnung, für unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Spanien eine neue Hcimath begründet zu sehen, erweist sich jetzt als eine durchaus trügerische. Mau' möchte in Spanien wohl durch eine vermögende, geschäftskundige, intelligente jüdische Bevölkerung der darnicdcrliegcndeu Industrie aufhelfcn und würde deshalb einer Immigration solcher Israeliten gern cutgegeusehm. Wir haben aber schon früher darauf hingewiescn, daß die gegenwärtige Gesetzgcbnug, welche den Juden keine völlige politische Gleichstcllmig gewährt und die öffentliche NeligionSübung verbietet, gerade nicht dazu - augethuu ist, vcrinögcndc rumänische und russische Juden nach Spanien zu führen. Diese können anderswo ein behaglicheres Heim finden. Ans einer neuerlichen Kundgebung deö Herrn I. Lopez Lapnya entnehmen wir daö Folgende, welches das Vorstehende vollständig bestätigt. Herr Lapuya schreibt, daß das Komitee alle diejenigen Inden vor der Ein- Wanderung nach Spanien warnen müsse, welche nicht 1) ein Kapital besitzen, daö groß genug ist, um einen Industrie- oder Handelszweig zu ergreifen und mit Erfolg zu betreiben, oder 2) ein Geschäft, eine Kunstindustrie oder ein Handwerk auSznüben, welches sie unabhängig zu ernähren geeignet ist. Demnach dürfen I bloße Arbeiter, welche in allen Ländern sich nur mühsam ernähren, nicht einwandern, weil ihre Lage in Spanien sich doppelt schwierig gestalten würde, da ja die Vcrhältnisse deö Landes ihnen gänzlich unbekannt sind. Und ferner, daß das Kon'.itce ausdrücklich darauf ansmerksan: machen muß, ׳daß nur Dcijcnige, der über einiges Vermögen verfügt, sicher ist, in seinen Unternehmungcn zu prsopcriren; wenn aber die Einwanderer im kritischen Momente an dem Komitee eine' Stütze finden, %0 dürsten sie mit Recht vertrauensvoll in die Ankunft blicken können. Griechenland. v * Korst;. Der Obcrrabbincr Joseph Levi נ״ע ist am 24. Februar verstorben. ES wird demselben nachgerühmt, daß er ein sehr unterrichteter und für die Interessen der Inden anfopserungSsähiger Mann gewesen. Er stand im hohen Ansehen. Bei seinem Leichcnbcgängniß bcthciligte sich die gcsannntc Geistlichkcit und die Kommunaivchörden in eornore. ebenso fast sämmtlichc Vertreter der verschiedenen Konsulate. Außerdem rückte das Militär mit gesenktem Gewehr auö in Folge einer von Athen gekommenen telcgraphischen Ordre. ES wird berichtet, daß sofort, nachdem sich die Kunde von seinem Hinscheidcn in der Stadt verbreitet, nicht allein sännntliche Geschäfte der Juden ihre Läden schlossen, sondern auch sehr viele christliche Industrielle durch das Einstellen ihres öffentlichen Betriebs ihrer Trauer Ausdruck gaben. — Herr Levi war ein geborener Italiener und bekleidete während zwölf Jahren das Oberrabbinat von Korfu. Amerika. S. Philadelphia, Februar. ES haben sich in der hiesigen Stadt, welche wohl die älteste jüdische Gemeinde der Vereinigten Staaten besitzt, nach und nach eine sehr große Anzahl russischer Israeliten angesiedelt, welche zumeist in einem ärmlichen Studtthcilc znsammenwohncn. Dieses Viertel führt Licscrhalb im BolkSmnnde die Bezeichnung ״Neu-Jerusalem". Ach, eö ist ein trauriges Jerusalem, daS nichts gemein hat mit einer קריה עליזח! Elend und Noth, Sorge und Kummer sind daselbst heimisch. Kürzlich wurde auf die Annen in den vornehmen Straßen gefahndet, welche durch einen kleinen Hansirhandel für die Erschwingung der nothdürstigstcn kärglichsten LcbmSfristung sich vom frühen Morgen bis zur späten Nacht admühen. Nicht weniger als 480 jüdische PedlarS, welche keinen Hausirschein hatten, wurden aufgcgriffcn und zur Hast gebracht. Diese einzige Thatsachc illnstrirt besser als bogcnlangc Berichte die Lage dieser unglücklichen jüdischeu Bevölkerung. Eingesandt. Vvrm a. Nh. Wenn gemeinnützige Institutionen und Anstalten ein Anrecht ans daS Interesse deö gebildeten Publikums haben, so gilt dies für das jüdische- Publikum ganz besonders von spezifisch jüdischen Anstaltcn. Von einer solchen Anstalt, die bereits, trotz der Kürze ihres Bestehens, sich schon eines.'glänzenden Renommees rühmen kann, soll hier die Rede sein. Schon längst war cö einmal!nein Wunsch gewesen, daS Innere einer ״Nervenanstalt" zu sehen. Ich sah in meiner Phantasie vergitterte Fenster, ans denen mir glühende Augen cnigcgcnstarrtcn, ich vcrmnthetc eingesperrte Menschen, die tobten und schrien, und ich wollte dies einmal in der Wirklichkeit, sehen. So lenkte ich. denn an! Sabbathliachmittag, den ich in Bonn verbrachte, meine Schritte nach der Qr. Kahn'schcn Privatanstalt. Ich war aber nicht wenig erstaunt, als ich, in das prachtvolle Haus cintretend, weder die vcr- ' gitterten Fenster, die ich mir' geträumt, noch die tobenden, rasenden Menschen erblickte, die ich glaubte, von Weitem schon schreien zu hören. Nachdem ich dem mir entgegenkommenden Dienstmädchen meinen Wunsch geäußert, die Anstalt besichtigen' zu wollen, führte mich dasselbe zu dem Direktor Dr. Kahn, der mich aufs Zuvorkommendste empfing. Jur ganzen Hause