Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1887-03-17
- Page
- 173 (sequence 2)
- Language
- German
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173 rcdigirte früher in Preßburg die hebräische Zeitschrift ״Hakol". Bor Jahren soll er in Deutschland inr Dienste der MissiouSgcscllschaft eine hebräische Zeitschrift herausgegeben haben. AnS Rußland ist er flüchtig geworden, um sich den! Vollzüge einer Strafe wegen Wechselsälschung zu entziehen; seither führte er die Namen ״M. L. Frnnlin, Alter Frunkin, M. L. Nodkinösohn, Alter NodkinSsohn, M. L. Alter". In kleinen russischen Städten und Ortschaften war er in der Mitte der siebziger Jahre als Wunder-Rabbi umhcrgereist, besonders nnfruchtbare Frauen wendeten sich häufig an ihn. Seine AbnUheilnug ei folgte im September 1875 beim Schwurgerichte zu Petersburg zu einer einjährigen Zuchthausstrafe, zu dreijährigem Ehrverlüste und,zum Schadenersatz von 1800 Rubeln. Frunkin soll mit Professor Rohling in Korrespondenz gestanden und auch der Verfasser von Schmähschriften gegen das Indenthnm sein, trotzdem er. zur kritischen Zeit Unterstützungen von der Wiener israelitischen KnltnSgcineinde und gleichzeitig von der englischen Mijsionsgcsellschaft erhalten hat. Im verflosscueu Monate erschien gegen Frunkin in einer hiesigen Wochenschrift ein Aufsatz mit heftigen Angriffen, welcher auch Enthüllungen über das Vorleben des Literaten brachte und sein ganzes Treiben beleuchtete. AIS Entgcgnung darauf erschien in den letzten Tagen eine von dein genannten Literaten unter dem Titel ״Wahrheit gegen Lüge" versagte Flugschrift, in welcher er die Angriffe zn wiedcrlegen suchte und insbesondere die Behauptung aufsicllte, daß er in Petersburg wohl verhaftet, aber wieder in Freiheit gesetzt worden sei. *||* Pest, 10. März. Man täusche sich nicht über die Macht unserer Feinde. Trotz der Zurück׳ Weisung, welche die antisemitischen Deputirtcn von der Majorität des Reichstags fortwährend erfahren, trotzdem jeder Bcsscrgesinnte sich mit Ekel von dem fluchwürdigen Gebühren der fanatischen Heißsporne des Judenhasses abwendet.— sie ruhen nicht und fahren fort, den inneren Frieden zu gefährden und das Volk gegen seine jüdischen Mitbürger anfznwiegcln. Es sind für die nächsten Wahlen bereits die umfassendsten Maßregeln zur Propagirung deS Antisemitismus getroffen. Ein förmlicher KriegSplan ist entworfen, um das Land zu erobern, unb zuversichtlich.rechnen unsere Feinde auf einen endlich vollständigen Sieg. Es darf nicht überraschen, wenn die antisemitische Partei im Reichs- Lage zunimmt. Wir vertrauen auf den Beistand GotteS und hoffen, in der geistigen Elite des ungarischen Volks einen unermüdlichen Bertheidiger nnscrcs Rechts zn finden, wie wir auch in unsere Negierung das nnbedingte Zutrauen setzen. -i- Lemberg. Die hier bestehende;,Erste Jüdische Volksküche" hat nach Ausweis ihres Rechenschaftsberichts im Jahre 1866 11 373 Portionen zu 10 Kreuzer und l 5 126 Portionen zn 5 Kreuzer — und au die Schule besuchende Kinder 20 2-10 Portionen zn 4 Kreuzer und 27 310 Portionen zn l'/- Kreuzer auSgcgcbcn. Sie verfügte außer den Einnahmen anS den Speisen im Betrage von 3112 Fl. 85 Kr. über ihr anS regelmäßigen Beiträgen, Schenkungen unb Subventionen zugchende Gelder in Höhe von 055 Fl. 70 Kr., also im Ganzen über eine Einnahme von 4.068 Fl. 55. Kr. * Ans Galizien wird berichtet, daß daselbst vielfach Pfeffer im Handel austaucht, welcher mit aus Mehl hcrgestcllten Falsisikat gemischt ist. Diese Fälschnng ist sehr künstlich auSgcführt, so daß man selbst bei aufmerksamer Betrachtung keinen Verdacht schöpft. Es wird im Interesse ciucS חשש איסור המין בפסה dringend gewarnt, von nicht anerkannt gewissenhafter Seite für Peßach bestimmten Pfeffer zn beziehen. Eö gilt diese Warnung zunächst den Händlern mit Peßach׳ Waarcn, welche wohl daran thnn, den Pscsfer von Fachkundigen prüfen zu lassen, bevor sic ihn in den Verkehr bringen. England. y London, 10. März. Merkwürdiger Weise hat die von dem wegen seines Judenhasses berüchtigten Franzosen Drumont anSgcstrente Giftsaat auch in dem Brittischcu Reiche einen empfänglichen.Boden geslmdcn. Freilich nicht in England nnd Schottland, wohl aber auf der interessanten grünen Insel Erias. Ein Irisches Blatt, ״FrcemanS Journal", hat eö sich nicht nehmen lassen, sieben cnggcdruckte Spalten der Veröffentlichung der schwindlichcn Drnnionl'schcn Lügen zn widmen. Gedenkt das ehrenwcrthe Blatt eine Wiederholung im verstärkten Maße der von dein Mob vor Jahresfrist cxckntirten Jndcnkrawalke zn inszcnircn? Man verdammt hier allgemein das Gebühren dieser Zeitung, welche damit der Irischen Sache wahrlich keinen guten Dienst erweist. Verlangt Irland Shmpal hie für seine NcchlSanspräche, dann sollte cS sich doch wohl hüten, die Rechte Anderer anzntastcn. In! Uebrigen ist die Zahl der in Irland wohnenden Inden eine so geringe, daß selbst das erfinderische Genie eines Drumont nicht im Stande׳ sein dürste, zn behaupten, Irland würde vcrjndct. Frankreich.' Paris, März. Der Senat hat ohne Debatte daö von der Kammer ftstgcstcltte Budget des Kultus angenommen. Demgemäß sind für dcn jüdischen Kultus im laufenden Jahre bewilligt: 158000 Frank für die Besoldung der KnltnSbeamtcn, 22000 Frank für das Nabbincrseminar und 40 000 Frank für die Knltnögcbände.. An letzterer Summe partizipircn die Protestanten mit dcn Juden zusammen. . i