Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1887)
- Article
- Bilder aus Australien
- Date
- 1887-03-17
- Page
- 165 (sequence 2)
- Language
- German
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165 schon an einem gewöhnlichen Freitag der australische Jude eS fast als Gcwissenssache betrachtet, Fische zu kaufen — NM ihn דן לכף זכות zu sein, wollen wir sagen לכבוד שבת, obwohl es leider in gar vielen Fällen die einzige Auszeichnung dicscs Tages ist — so war dazu heute noch der Nüsttag zum Jom Kippur, der alljährlich wiederkchreude große Tag, an dem sich Alle erinnern, daß sie Inden sind, selbst Diejenigen, die durch Mischehen und anderweitig sich weit, weit von ihrem Glauben entfernt haben, und für einen solchen Tag und den an demselben zu nuterziehcndcn Kasteiungen müssen doch Vorbereitungen getroffen werden. Obwohl eö erst Anfangs Oktober war, so konnte man doch den herannahenden Sommer schon deutlich wahrnehmen. Ein heißer Nordwind wehte durch die Straßen, den Staub in dichten Wolken vor sich herlrcibend. Trotz dieser Unannehmlichkeit setzte ich meine Fahrt unbeirrt fort, durch blühende Vorstädte mit netten Kottagcn und zierlichen Gärten, längs unbebauter Felder und zur Weide benutzter Ebenen, bis ich endlich vor einer großen, mit' hohen Mauern umgebenen Anstalt anhielt.׳ DaS ist das königliche Zuchthaus — Iler 'Majcstvs Gaol. Ist eS glaublich, dckß man in einem so jungen Lande einer solchen Anstalt bedarf — in einem Lande, auf dem Gottes Segen so sichtbar ruht, und wo jeder redliche, fleißige Mensch sich so leicht und so anständig ernähren kann? Ach, was doch die Gelbsucht thnt und der Hang nach sinnlichen Vergnügnngen! Und ist es nicht noch bektagenSwcrlher, daß auch Israeliten sich von diesem Taumel Hinreißen lassen? Hier in dieser Anstalt befinden sich auch Israeliten, junge Leute, die wohl ein anständiges Leben hatten führen können, die aber durch ihre gesetzwidrigen Handlungen das goldene Nccht der Freiheit verwirkt haben. Wenige derselben sind auf australischem Boden geboren, die meisten kamen von fernen Ländern, oder vielnlehr wurden nach Australien geschickt. Und das führt mich auf den Punkt, den ich Ihren geehrten Lesern zur Beherzigung vorführen wollte. Gar oft trifft eS sich, daß Eltern in Deutschland und anderswo ungcrathene Söhne haben, Kinder, denen Religion und Sitte nicht frühe genug oder vielleicht gar nicht eingeschärft wurden und die im Laufe der Zeit der Vcrführnng anheimfallen, bis sic endlich dem Laster ganz erliegen. Auf heimischenr Boden scheint ihre Besserung unmöglich und da alle Versuche zn diesem Zwecke fehlgeschlagen, so schickt nian sie, in Wirklichkeit um sie los zu sein, nach Australien, wo, wie man glaubt, die Gelegenheit zum Bösen fehlt. Welch ein Jrrihnm! Die Verführung ist hier ebenso groß, und vielleicht - großer als in irgend einem andern Lande. Wohl giebt cs edle Juden,-die, wenn angesprochen, solch jungen Leuten behülflich zur Hand gehen; wohl giebt eS wohlthätige Anstalten, die ihnen mit Rath und Mitteln anfänglich zur Seite zn stehen bereit sind, aber im Großen und Ganzen sind sich diese jungen Leute doch selbst überlassen. Der moralische Einfluß, dessen sic so sehr bedürfen, fehlt gänzlich Die Verführung lauert ihnen überall auf, der Luxus und die Sucht nach lasterhaften Vergnügen sind so häufig, daß der Weg zn unheilbarem Verderben ein gar kurzer ist und die Erfahrung lehrt, daß für den, welcher hier zn Lande ein Mal moralischen Schiffbrnch erlitten, die Rettung nahezu unmöglich wird. In einer Kolonie nach der andern wird er Sträfling,׳ bis er sich innerhalb einer Strafanstalt behaglicher als außerhalb derselben fühlt-. Möchten doch Eltern, die mit ungerathencn Söhnen gestraft sind, beherzigen, daß die elterliche Obhut der beste Platz für sie sei, daß da und nicht anderöwo die einzige Hoffnung für ihre Besserung zu finden ist, daß es aber nicht Recht ist, dieselben nach diesem'Lande zu schicken, wo sie ihren Glaubensgenossen nur zur Schande gereichen. Wären solche Eltern an jenem Crew Jom Kippur bei mir gewesen und hätten sie. gesehen, wie viele der jungen Leute zu den besten Familien gehörten, einer ein naher Verwandter einer berühmten jüdischen, aber längst verstorbenen Kapazität unter den Inden Deutschlands, wie sie bittere Thräncn vergossen, als ich zu ihnen von den theuren Verwandten daheim, von ihrer eigenen unglücklichen Lage redete, als ich sie zur treulichen Benutzung des folgenden Tages ansforderle, ich bin überzeugt, daß solche Eltern Gewissensbisse gefühlt und wohl zugestanden hätten, daß cS nicht weise sei, . derartige junge Leute nach einem so fernen Laude zu schicken. Ich selbst war tief gerührt, als ich von ihnen Abschied nahm und betete inbrünstig, daß meine schwachen Worte einen bleibenden Eindruck gemacht -haben möchten, so daß nach abgelaufener Frist ein neuer Geist und edle Vorsätze diese unglücklichen Leute auf bessere Bahnen leiten möge. ’איש ימיני. ■1i Kollektiv-Berichte ans Ungarn. I.IV. Die stattgchabte Trennung der numerisch und intensiv starken Jtatns-guo-Gemcinde zu S. A. Ujhely hat allenthalben im Lande Sensation erregt. — Wir haben in dieser peinlichen Assaire bereits ein Referat, gegeben. Heute liegen uns in dieser Angelegenheit drei Aktenstücke vor, welche uns veranlassen, nochmals auf den Gegenstand zurückzukommen: 1) ein die stolze und imponirende Aufschrift 'דבר אמת tragendes Zirkular der neu krcirten autonomorthodoxen Gemeinde;