Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1887)
- Article
- Rußland : Warschau [Nachricht]
- Date
- 1887-03-10
- Page
- 157 (sequence 2)
- Language
- German
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157 Polen 335 ländliche Grundstücke in jüdischen Händen befinden, von׳ welchen!47 in guter Sebstbewirthschastung, 143 in einer etwas weniger entsprechenden eigenen Behandlung, 63 in schlechter Verfassung, 15 in Parzcllirungcn und 9 in Pacht sind. Charkow, Februar. Wie der ״Od. Westnik׳׳' meldet, sind während des jüngsten hiesigen Marktes die denselben besuchenden jüdischen Kaufleute allesammt zur Polizei befohlen worden, wo ihnen eröffnet ׳wurde, daß sie fernerhin nicht mehr hierher fommett dürften. 311 Folge dessen haben die Spritfabrikantcn und Händler beschlossen, fortan in Pultawa oder Krcincntschng zusammcnziltrcffcn. Der Eharkower Handel wird durch diese Maßregel gerade nicht gefördert und der Wohlstand im Allgemeinen nicht gebessert. Es leiden alterdingö zunächst die Inden, aber auch die Christen werden geschädigt. HI Bcrdidschew, Februar. Die allgcineinc Stockung des Geschäfts hat unter der hiesigen zahlreichen jüdischen Bevölkerung einen furchtbaren Nothstand erzeugt. Die fleißigsten und geschicktesten Handwerter, welche sich stets anständig ernährt haben, sind mit ihren. Familicn dein Hungcrtode anSgesctzt. Wegen der Ucbcrfülle dcS ArbcitangcbotS ist der Tagelohn auf 15 Kopeken gesunken und selbst hierzu keine Arbeit zu sindcn. Die wohlhabenden Juden bemühen sich nach Kräften, die Noth der unglücklichen Glaubensgenossen zu lindern. Durch freiwillige Besteuerung hat sich ein HiilfSkomitce für dieselben gebildet, welches allwöchentlich über etwa 30 000 Brödc und 300 Rubel zu verfügen hat. (Von ähnlichem furchtbaren Elend wird noch ans vielen anderen Städten berichtet, so auS BohnSlaw, PerizaSlaw 1t. A. in.) * Bialystok. Der ״Hazefirah" wird von hier das Folgende berichtet. Kürzlich fuhr ein höherer richtcrlichcr Ecamtcr durch die Straßen, als der Wagen von Soldaten, die einen freien Tag hotten, angehaltcn vurde. Sie riefen den! jüdischen Kutscher zu, seinen wrrn aus dem Wagen zu Wersen und sic selbst zu rhren. Auch in diesem glaubten sie einen Inden zu rkennen. Der Kutscher kehrte sich nicht an diese Ans- /ordcrung. Er wurde daraus vom Bocke gerissen und der Beamte furchtbar durchgeprügclt. Aus den Hülferuf eilten Juden herbei und retteten .ihn auö den Händen der trunkenen Soldaten. Diese sehen natürlich ihrer Destrasnng entgegen. - * Der Monatsbericht der ״All. isr. Univ." cnthält folgende Mitthcilung: ES hat zu gewissen Zeiten eine ziemlich bedeutende Gruppe von persischen Inden in.Tiflis, Erivan und Schulaveri gegeben. Die jüdische Bevölkerung dieser drei Städte besteht heute aus ungcführ 300 Familien; dieselben haben ihre persische Nationalität behalten und befinden sich unter dem Schutze des persischen Konsuls. Diesen Familien ist kürzlich ängstigt worden, daß sie ihren Wohnort zu verlassen hätten und in ihr Vaterland znrückkehren müßten, ohne daß man in Erfahrung bringen konnte, ob dicscr Befehl von der Zcntral-Ncgiernng in PetcrSbürg herrührc oder von den Lokalbchördcn.' Die ihnen gewährte Frist ist sehr kurz, und die AuSgewiesencn, welche alle mehr oder minder in Handelsgeschäften verwickelt sind, werden nicht einmal die Zeit haben, ihr Guthaben ciiiznkassircn. Es sicht zu hoffen, daß das wohlwollende Eingreifen dcS persischen Konsuls ihnen zu einer längeren Frist vcrhilft, damit sic wenigstens ihr Hab und Gut mitnehmen und nicht mittellos nach der Heimath zurückkehren. Nn mänien. ...z. Bukarest, 27. Februar. In vielen Städten dcS Landes waren die Briefträger meistens Juden. So sehr man sich auch darüber grämte, so erwiesen sich doch wiederholte Versuche, diese jüdischen Briefboicn durch mchtjüdische zu ersetzen, als verfehlt, weil die Sicherheit der Bestellung der Postkarten darunter litt. Nunmehr ist man jedoch fest entschlossen, alle jüdischen Briefträger zu entlassen. ES werden dadurch viele Familien an den Bettelstab gebracht./ III No man, 83. Februar. Von einem für die rumänischen Verhältnisse recht bezcichnendcn Vorfälle wird drm ״Hajoez" berichtet. Am 3. (15.) d. M. sand man eine hiesige Kirche durch eine Frevclthat entweiht. Alle Bilder waren ihres Schmuckes beraubt und in der Kirche eine heillose Zerstörung an Heiligthümcrn angerichtet. Die ob solcher Gräuel empörte Einwohnerschaft klagte die Inden der Verübung derselben an. Die Polizei nahm auch einige Inden in Hast und suchte durch harte körperliche Züchtigung ein Geständniß von ihnen zu entlocken. Inzwischen aber meldete sich ein Bürger und brachte einen Kasten von Blech, welcher gestern am späten Abend bei ihm niedergesetzt worden war, um von dem Bürger am andern Tage abgcholt zu werden. Die Polizei öffnete den Kasten und fand in demselben die der Kirche entwendeten Gegenstände. Sie stellte nun Nachforschungenbei allen Blechschmieden an, um den Käufer dcS Kastens zu ermitteln. Da ergab cS sich denn, daß derselbe von einem Geistlichen bestellt worden war. Dieser leugnete auch gar nicht, aber gab an, daß ihm der Kasten schon seit längerer Zeit abhanden gekommen wäre und deshalb sicherlich gestohlen worden sei. Die Polizei hatte aber zugleich auch die Magd dcS Geistlichcn vernommen, welche anssagte, daß der Kasten noch gestern im Besitz ihres Herrn gewesen. Es stellte sich auch heraus, daß derselbe sich mit einem Nciscpasse nach Odessa versehen hatte. Der Geistliche ist