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Jeschurun · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. 156

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1887-03-10
Page
156 (sequence 2)
Language
German
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156 zu bemängeln und die ergreifende EinweihungSfeicrlichkeit in ungeeigneter Weise zu bekritteln. Wir wollen dem Herrn sein Vergnügen' nicht stören, haben auch keine Veranlassung, aus die Sache selbst naher cinzngchcn, zumal die Abhandlung, welche Sie, geehrter Herr Redakteur, über die Angelegenheit veröffentlicht haben, derselben bereits durchaus gerecht geworden ist. Wenn aber behauptet wird, daß Herr Obcrrabbjncr Stern eigentlich gar nicht das Recht habe, sich als mit der religiösen Fürsorge der Gemeinde betraut anzusehen, so muß dagegen Verwahrung eingelegt werden. Herr Stern ist seinerzeit als Oberrabbiuer der Dcutsch-Jsraelitischen Gemeinde bestellt worden. Im Jahre 1668 ist eine Umgestaltung der Verhältnisse erfolgt, durch welche der eigentliche Kultus allerdings der Privatsürsorge der Synagogen- und Tempclvcrbände überantwortet ist. Der Deutsch-Israelitischen Gemeinde aber ist das Begrübnißwesen ausdrücklich Vorbehalten geblieben. Demnach gehört die Sorge für die rcligionSgesetzmäßige Handhabung Qcrabe dieses Erfordernisses einer jüdischen Gemeinde ganz eigentlich zu der Machtsphärc deSObcrrabbinerS, und der Vorstand der Deutsch- Israelitischen Gemeinde wäre verpflichtet, hierin sich nach der Entscheidung des Obcrrabbincrs zu richten. Um so schwerer trifft ihn der Vorwurf, daß er die Autorität des ObcrrabbinerS mißachtet hat. -0- Leipzig, im Mürz. Duo quam faciunt iilom non 0bt idem. In dem Wahlkampfe standen sich die Parteien schroff gegenüber, Sozialdemokraten widcr Konservative und Liberale. Mögen da vielleicht für die Erstcrcn ein paar jüdische Studenten sympatisirt haben, fluggS wird die sozialdemokratische Sache zu einer jüdischen gestempelt, und die ״Leipziger Zeitung" enthält ein Skriptum, welches den Juden überhaupt die Schuld bcimißt und den Antisemitismus als einen berechtigten Faktor kennzeichnet. Das Schreiben schließt!nit den folgenden Sätzen: ״Vielleicht wird matt mit der Zeit imie, daß nicht Unduldsamkeit oder Kulturscindschaft, sondern aufrichtige Sorge ׳um die Wohlfahrt unseres Volkes zür-Abwchr des so lang an anderen Universitäten unbeschränkten jüdischen Einflusses geführt hat. Trüge das besprochene Vorkommniß zu dieser Erkenntniß bei, so wäre es dankenSwcrth." Hundert tausende christliche Deutsche sind Sozia!dem okratcn und es fällt keinen Menschen, ein, deshalb die Christen zu verfolgen, aber ein paar jüdische Deutsche sind Sozialdemokraten, so werden alle Inden dafür veraulwortlich gemacht und verfolgt! Ist das gerecht, ist daS moralisch? * Gnescrr. Von Herrn Rabbiner Dr. Ehrenfcld ist der folgende Aufruf erlassen worden: ״Kantor Elias Dr ach m ann in der Nachbargcmcinde Wittkowo, welcher nicht bloS׳ seine eigene Familie, sondern auch seine Schwiegermutter, die vcrwitlwcte Frau NabbinätS- Verweser S. Lcwin, und deren unverheiratete Kinder rcnährt, ist nebst seiner Familie von der Königlichen Negierung ansgewicsen worden. Alle Bemühungen wegen Zurücknahme der Verfügung hatten keinen Erfolg, os daß den Hartbctroffcncn nur die Auswanderung nach Amerika übrig bleibt. Leider aber fehlen ihnen hierzu alle Mittel. — Ich bitte deshalb edeldenkcude Menschen, die ein theilnehmendcS Herz für fremdes Leid besitzen, den Unglücklichen durch Zuwendung von reichlichen Geld- Unterstützungen zur Hülfe zu kommen. Die crforderlichen Reisekosten sind sehr bedeutend, und nur ebenso zahlreiche wie ausgiebige Spenden können hier zum Ziele führen. Ich hege zu ׳dem bewährten, vielgepriesenen mildherzigen Sinne unserer Glaubensgenossen die feste Zuversicht, daß derselbe in diesem so sehr dringlichen Falle wieder in opferfreudigster Weise sich bethätigen werde. Ich bin gern bereit, Liebesgaben in Empfang zu nehmen und meinen tiefgebeugten, das Erbarmen in höchstem Grade wachrufcnden Empfohlenen weiter zu übermitteln. Oesterreich-Ungarn. *|j* Pest, im Februar. Ans der Provinz laufen hin und wieder Nachrichten ein, welche von dein Treiben der Antisemiten beunruhigende Knude bringen. So wird ans Wcßprim gemeldet, daß in der dortigen Gegend wiederholt die jüdische Bevölkerung Mißhandlungen ausgesetzr sind. Der Pöbel macht sich auch ans die jüdischen Wohnungen und dcmolirt dieselben nebst ihrem Inhalte. Pamphlete ärgster jndenhetzerischer Art werden massenhaft vertrieben. Die Behörden sind angewiesen, diesen Bubenstreichen zu wehren. *||* Pest, 1. März. In dem Reichstage rumort der Antisemitismus unausgesetzt, sendet aber stets die׳ verdiente Zurückweisung. Der Abgeordnete Simondi zog sich unter dem Beifall der Majorität einen OrdmmgSruf zu Seitens dcö Präsidenten wegen der schämlosen Behauptung, daß die ״schmarotzenden Inden sich mit dem Gute und Blute der Ungarn bereichern." Der Abgeordnete Panl Moricz cntgegnete ihn: jedoch, daß die Inden dem Vaterlande durch ihre Betriebsamkcit jedenfallsvielmehr gedient, als sie ihn! geschadet hätten, selbst׳wenn der Vorwurf des Wuchers berechtigt sein sollte. Ja, cs hieße die Wahrheit geradezu verleugnen, wollte mau nicht anerkennen, daß unter allen in Ungarn wohnenden Nationalitäten keine sich so wesentlicher Verdienste um die Pflege und Förderung des ungarischen NatioualbcwnßtseinS ׳ rühmen könnte, wie gerade die jüdische. Rußland. ..z. Warschau, 3. März. Der ״Kur. Warz." berichtet, daß sich nach amtlichen Ermittelungen iit

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