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Jeschurun · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. 154

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Article
Pirqe avot
Date
1887-03-10
Page
154 (sequence 2)
Language
German
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154 Das Schlechte, das ein Mensch übt, ist nie Schein, während bcm Guten unlautere, von uns nicht erkannte Beweggründe unterliegen können, die dem scheinbar Guten allen Werth entziehen. In Wirklichkeit aber reicht unsere Einsicht nicht hin, den sittlichen Werth oder Unwerth eines Menschen festznstellen, noch das Heilbringende oder Unheilvolle einer GeschickcSlage zu bcurtheilen. Darum sotten wir in beiden Beziehungen uns eines jeden UrtheilS begeben und unserer kurzsichtigen Beurtheilung der sich vor unserm Auge vollziehenden Ereignisse keinen Einfluß auf unsere eigenen Entschließungen gestatten. *)20. N. Mathja, Sohn Charasch, sagt: Komme Jedermann mit dem Gruß zuvor, sei Schweis dem Löwen und nicht Haupt den Füchsen. Suche keinen Vorzug darin, daß man dich zuerst grüßen müsse, sondern komme Jedem mit deinem Gruß zuvor. Vor Allem aber suche dich Menschen anznschließen, die geistig und sittlich höher stehen als du, wenn du bei ihnen auch eine untergeordnete Stellung einnimmst mtb du ihrer Leitung folgst, und meide die Gemeinschaft mit geistig und sittlich Minderwerthigen, wenn du bei ihnen auch als leitendes Oberhaupt erscheinen würdest. (Fortsetzung folgt). AmerlilttGtü p k!1 ״Alim AchMM (|>fiei!1k־per0rli!ii!pna. Im ״Jeschuruu" Nr. 3 dieses Jahrgangs unter "׳תקנה לסעודות מקק אנדסמרדם' befindet sich Betreff des Schcnkenü •ביום שנת* die Bemerkung: Dieser Passus ist mir unverständlich. Dieser Passus berührt einen Lokalbrauch, welcher wahrscheinlich nur noch in der Provinz Posen und in Rußland, existirt. Mit der Sitte des SchenkenS am Sabbath hat cS folgende Bcwcmdtniß. Soscrn eine Braut oder ein Bräutigam bei den zukünftigen Schwiegereltern zu Gaste sind — auch am Sabbath nach der Hochzeit — werden sic von Allen beschenkt. Die Geschenke bestehen in Rosinen, Mandeln, Nüssen u. s. w. und werden *1 רבי מתיא כן חרש אומר הוי מקרים בעז^ום כל1 ארם• והוי זנב דאדיות• ואל1 תהי ראש לזע.’ועד)ים• nicht in Düten, sondern auf Tellern, mit einem Tuche zugedeckt, durch Kinder und Dienstboten besorgt. Der Empfänger mit seinen Gästen im engen Kreise sollen sie jedoch nicht allein verzehren, oder sie gar in die Speisekammer tragen, um monatelang von den Süßigkcitcn sich gütlich zu thun. Nein! ״Wie gewonnen, so zerronnen." Noch schlimmer als eine מתנה על מגת להחזיר. — Sämmtliche Schenker, arm oder reich, fremd oder verwandt, haben das Recht, zu erscheinen, und thätigen Antheil zn nehmen, und für das Geschenkte sich hinreichend zu entschädigen. Die Gesellschasi besteht lediglich aus' jungen uuverheiratheten Damen und Herren, auch werden Kinder nicht hinausgewiesen. ES haben sich wohl ein Paar alte Stadt- Tanten, um den Rummel zu vervollständigen, auch eingefunden. Es geschah auch oft, wo die Räumlichkeit nicht ausreichte, daß die Anwesenden den Kommenden den Platz einraumcn mußten. Dies die Bedeutung einer ״Schenke" in ihrer ganzen Gloria. Kassel, am 1. Adar 5647. IL. Korrchslldeirzen imd Nachrichten. Deutschland. $־ Hannover. 8. März. Die Spalten dieser Zeitschrift sind der Politik nicht gewidmet. Nur ungern werden hier die politischen TageSfragen insofern berührt, als sie in die Sphäre des Programms eingreifm, welches dieses in Wirklichkeit ״jüdische" Organ sich vorgezeichuet hat. Der Leitartikel in dem ״Hannoverschen Courier" vorn 6. d. M. ״Die deutschen Israeliten und die-Wahlen" veranlaßt uns zu einigen abwehrendm und berichtigenden Berucrkungcn. Der ״Hannoversche Courier" unterzieht sich der dankbaren Ausgabe, den Antisemitismus zu entschuldigen und die Schuld desselben den deutschen Israeliten zuzuschieben. Diese sollen nämlich in ihrer Mehrzahl sich politisch der äußersten Linken angcschlossen und dadurch die Abneigung konservativer Kreise hcrvorgerusen haben. Ferner sei das herausfordernde Benehmen der Berliner ״goldenen Jugend" daran Schuld und endlich — last not. least -- die von Israeliten heranSgegebene und redigirte Presse. Den Vorzug der Originalität kann diese Tkrgumcntirung nicht für sich in Anspruch nehmen. Sie ist ganz.genau dem zelotischsten Antisemitismus angepaßt, welcher seine Witze ja in den lügenhaftesten Vcrunglimpfung'en erschöpft: daß die Juden die gesellschaftlichen Zustände zerstören,

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