Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
- Date
- 1887-03-03
- Page
- 142 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932755-2932765--24420-2934413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
142 1822 Mittagmahlzciten verabfolgt, wofür im Ganzen ciri Aufwand von 800 Gulden in Anspruch genommen worden ist. Der Verein kann aber wegen der Be-' schränktheit seiner Mittel leider nicht allen Anforderungen in ausreichendem Maße gerecht werden. Der Verein sicht sich dicserhalb zu folgendem Appell veranlaßt: ״Mögen von der Vorsehung gesegnete Männer mit ihrem Emffuß auf Andere, mit ihren edlen Spenden, rnögcn Gemeinden und edle Körperschaften diesem jungen, seiner großen Ausgabe ohnmächtigen Vereine ihre Unlcrstützuug zuflicßcn lassen, damit das edle Werk des Vereines zur Linderung und Beruhigung leidender Menschen forterhaltcn werde. Der Vereins- Vorstand sieht sich nothgcdrnngen, die auswärtigen loblichen Geincinden, besonders die nachbarlichen, welche in den ersten Jahren der heilsamen Wirksamkeit des Vereines, dessen heiligen Zweck einschend und würdigend, ihre Unterstützung dem Vereine angcdcihen ließen, aber seit einigen Jahren znrückblicbcn, — cindringlichst anznrnfen und zu bitten, daß sie diesem gottgefälligen und leidenden Menschen wohtthucndcn, nach außen und innen wohl- und hcilförderndcn Institut — ihre spcnden de und schützende Hand nicht entziehen. Tief betrübend wäre cS für den Vorstand, den Kranken aus nicht beisteuernden Nachbargcmcindcu die Koschcr-Kosi versagen zu müssen und dein Gewissen der Gemeinden zu übertragen — weil er sonst gegen die zu Unterstützenden seiner Pflicht nicht Nachkommen könnte." Holland. ----- Haag, 23. Februar. Unser hiesiges Judenviertel — in ästhetischer Beziehung etwa mit dem Amsterdamer vergleichbar und sicher nicht höher stehend — hat wahrend des Königsfestes jüngsten Sonnabend wahrhafte Triumphe gefeiert. Es hat gezeigt, was die tiesgewurzelte Liebe zum KönigShansc und die Begeistcri'.ug für dasselbe auch in einem Stadtthcile hervorzuzanbern vermögen, den: man in manchen Kreisen nur mit einem gewissen Nascurümpfen begegnet. ES wird allseitig anerkannt, daß diesem Stadttheile, sowohl nach seiner äußeren Erscheinung als den Acußcrnngcn patriotischer Begeisterung, vor der ganzen Residenz die Palme gebührt. Und diese Anerkennung ist den Braven, geleitet durch den Verein ״Israel cn Oranje" (Israel und Oranicu), auch von höchster Stelle zu Theil geworden. DaS.konservative und offiziöse ״Dagblad van Zuid- Holland" - schreibt in seinem R׳seralc über die Festesfcier: Wirwollen zuerst (von den gemeinschaftlichen Arrangements) das israelitische Viertel erwähnen, weil ׳daselbst so zu sagen eine ganze Gruppe der Bevölkerung ihren Gefühlen der Treue und Anhäuglichkcit an den König Ausdruck verlieh. Und in der That, wie wir bereits konstatirten, zeigte Israel sich stets innig an Oranien verbunden. Die Liebe zum Fürstenhause ist unseren israelitischen Mitbürgern angeboren, und als eine bemerkenswert!)«: Thatsache sei konstatirt, daß unter dm Israeliten kein einziger Sozialdemokrat gefunden wird. Die Ehrerbietung vor der Obrigkeit, vor der von Gott eingesetzten Autorität wird von den Vätern den Kindern überliefert. Hütte die Obrigkeit keine aufrührcrischcren Unlerthancn als Israels Söhne, Thron und Negierung würde unwaukelbar ftststehen! — Der Vorstand des Vereins ״Israel und Oranien" hat alle Ehre von seinem Werk. Das Viertel wurde von Tausenden, darunter die Edelsten und Vornehmsten der Residenz, besucht, und der Bürgermeister hat ihnen wiederholt seine vollste Zufriedenheit nut Allem ansgedrückt. — Um acht Uhr dcS Abends begann der Trinmphzng Ihrer Majestät der Königin mit dem Kronpinzeßchcn durch die Stadt. Als die Königliche Equipage an die Gedcmptc Gracht kam, lmirbe sie von einer Ehrenwache, dem Vorstände von ״Israel und Oranien" zu Pferde, empfangen. Die sechsjährige Hnisman, ganz in patriotischen Farben gekleidet, bot dein Prinzcßchcn einen Blumenstrauß an und nnirbc unter dem unbeschreiblichen Jubel der Bevölkerung von Ihrer Majestät in den Wagen gehoben und gcküßt. Herr Wynran überreichte der Königin ein prachtvolles Bouquet, und Herr Wolfs, der Vorsitzende von ״Israel und Oranien" hielt etwa die folgende Ansprache: ״Theure Fürstin! Wir segnen den Augenblick, da uns das Glück zu Theil wird. Sie in unserer Dritte zu sehen und Ihnen unsere Huldigung darbringen zu dürfen im Namen aller Israeliten und besonders im Namen des Vereins ״Israel und Oranje", dessen Präsident zu sein ich die Ehre habe. Die ganze Nation vereinigt sich mit uns im Gebete für unser LhcureS Fürstenhaus. Unser Verein ist zu dem Zwecke gefristet, die Baude, welche Israel an Oranien ketten, stets fester zu knüpfen. Wir prägen die Liebe zum Hause Oranien unseren Kindern ein. Wir bitten, dem Könige zu berichten, wie ganz Israel zu Seiner Ehre Fest feiert." Dankend reichte Ihre Majestät dem Sprecher die Hand, Jubelrmfe erschallten und patriotische Lieder erklangen, von allen Seiten der begeisterten Menge des Viertels. — Der Ehren- . wache wurde die Gnade zu Theil, die Königliche Equipage ans ihrem weiteren Zuge bis inö Palais zurückbegleitcu zu dürfen, und in holdseligster Weise dankte dort die Königin den Herren für die Ehrenbezeugungen, welche sie dem Könige und dem Fürstlichen Hause -bewiesen. Noch an demselben Abend erhielten sie auch ein Danktelcgramm dcS'׳Königs, welches in dem Viertel öffentllch verlesen wurde und die größte Begeisterung erweckte. ---Ich will noch hinzufügcn, daß mtser geehrter Herr Oberrabbiner dem wiederholt genannten Vereins- Vorstande seinen Dank für den Kiddusch Haschem anö-