Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : aus Galizien [Nachricht]
- Date
- 1887-02-24
- Page
- 127 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 2× ep/1048155
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127 den Vätern ererbten durch ' das jüdische Gesetz geheiligte Gebräuche gelten uns Orthodoxen nicht. als zu beseitigende Borurtheile, vielmehr als gewissenhaft zu beachtende Hebungen. Verstehen sie unter ״Anpasscn an Gesellschaft und Staat" lediglich die Aneignung von Kenntnissen und gesellschaftlichen Formen und nicht das Nbstreifcn gewisser Satzungen der jüdischen Religion? Denn die letzteren werden von uns Orthodoxen als unantastbar gehalten. Wenn wir Orthodoxen hierauf die befriedigende Antwort erhalten könnten und wenn die Leiter des Vereins uns durch das Beispiel ihres eigenen Lebens zeigen würden, daß sie mit uns hierüber einerlei Sinnes in Wahrheit wären, dann möchte eine Beseitigung des Konflikts unschwer zu erreichen sein. So lange dieses aber nicht der Fall ist, werden sie sich nicht beschweren können, daß wir nnS an leeren Phrasen kein Genüge können sein lassen und nicht im Stande sind, ihrer Leitung vertrauensvoll unsere Hciligthnmcr zu überantworten. Wir können so lange uns nicht von ihnen Rabbiner auSbildcn und Lehrer hcrauziehen lassen, können auch ihnen nicht den Unterricht unserer Kinder überlassen. Gegen die Verdächtigung des Widerstandes der Orthodoxen als aus schmutzigem Eigennutz entstanden, legen wir aber die entschiedenste Verwahrung ein und erklären solche als einen Ausfluß eines Fanatismus, für welchen weder in dem von den Vätern ererbten heiligen Glauben, noch in der wirklichen Bildung der Gegenwart eine Rechtfertigung zu finden ist. Frankreich. *** Paris, 21. Februar. Einer der berühintesten Kan;elredner der hiesigen katholischen Geistlichkeit, der Abt Fremont, hat vor einigen Tagen in seiner Predigt Gelegenheit genommen, energisch das Verfahren des Herrn Drumont und die Tendenzen der von letzterem verfaßten judcnseindlichen Schrift ״la France Juivc“ zu tadeln. Ebenso hat der bekannte streng katholische Journalist Herr des Houx im ״Constitutionell" den gefährlichen Pamphlelisten heftig angegriffen. Herr Drumont läßt jetzt sein Buch neu in Lieferungen erscheinen und hat für das Titelblatt Abdrücke des bekannten Vildcö ״der Seder" veranstaltet, wogegen der jüdische Künstler Leon, der Schöpfer dieses Bildes, Protest erhoben. — Große Anstrengungen machen die Judenfeinde seit langer Zeit schon, die französische Kolonie Algier und auch das unter dem Protektorate Frankreichs stehende Tunis für ihre Gehässigkeiten empfänglich zu machen. In beiden Ländern suchen unsere wackeren Glaubensgenossen durch Tüchtigkeit der Gesinnung und Patriotismus ihre Verleumder zu beschämen. Möchte nur bei der fortschreitenden Französirung dieser Länder auch gleichzeitig das strenge Festhalten an den Satzungen der jüdischen Lehre den Bekennern die wahre Anerkennung sichern. In Algier ist leider, schon viel verdorben. Wir wissen nicht, wie dort die Konsistorialrabbinen ihre Aufgaben erfaßt und erfüllt haben. In Tunis wäre cs vielleicht jetzt noch Zeit zu retten. Rußland. ...z. Warschau, 18. Februar. Die hiesigen Verhältnisse der Inden erhalten eine treffende Kenn- Zeichnung durch die folgende Mittheilung der ״Warsza Dniewüik". Ein bedeutender Baumwoll-Fabrikant, Adolf GünSberg, im Kreise Dendio dcö Gouvernement Petrikau, hat sich dieser Tage an die Negierung mit der Bitte gewandt, ihn zu gestatten, Geschäfte nach Rußland zu machen. Herr GünSberg ist ein Preuße, der in seinem Etablissement 1450 Arbeiter beschäftigt, und sür anderthalb Millionen Rubel jährlich produzirl. Trotzdem steht ihm als einen ausländischen Juden nicht das Recht zu, m Rußland Geschäfte zu machen, wenn ihnl hierzu nicht die ausdrückliche Genehmigung seitens des Ministeriums erthcilt worden ist. Nach einer statistischen Gewcrbeanfnahme befinden sich hier 16 048 Schuhmacher, unter welchem 2117 Juden sind. ... z. Warschau, 20. Februar. Der Bericht dcS indischen Krankenhauses Pro 1836 weist folgende Daten ans: ES wurden in dasselbe ausgenommen 2411 Männer und 2044 Frauen. Es starben 233 Männer und 192 Frauen. Als geheilt entlassen wurden 2048 und 1694 Frauen. Unter diesen befanden sich auch 205 Männer und 105 Frauen christlicher Religion. In der Ambulanz wurden ohne jeglichen Unterschied des Bekenntnisses 17251 Personen unentgeltlich bchandelt und zwar mit 34152 Ordinationen und 1717b Rezepten... III Kiew, 17. Februar. Die Jagd auf die Inden nimmt ihren ungestörten Fortgang. Allnächtlich wird auf solche gefahndet, die sich nicht durch einen besonderen Erlaubnißschein zum Aufenthalt auSwcisen können. In. der Nacht von 8. Februar wurden allein 63 Personen aus dem Bette geholt. Amerika... ft. Newyork, Februar. Die Hafenpolizei ist strenge angewiesen worden, nur denjenigen zur See ankommenden Personen das Landen zu gestatten, welche sich über genügende Subsistenzmittel auSweisen können. ES möge deshalb überall davor gewarnt werdeü, mittellose Personen hierher zu dirigiren. - -