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Jeschurun · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1887-02-24
Page
126 (sequence 2)
Language
German
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eine besondere Steuer zu entrichten, oder eigene Mittelschulen und Universitäten auf ihre Kosten zu gründen. Der geistliche Abgeordnete Joseph Weres; sekundirte seinen Kollegen und berechnete, daß die Juden an Auögäbe für die Bildung ihrer Jugend jährlich 1700000 Gulden sparten. Daö sei unrecht und dem müsse abgeholfen werde»'. Der Abgeordnete Simon di bczeichnete die Juden als heidnische Talmudjudcn und bezichtigte die Negierung dcS Einverständnisses mit denselben, um die Nation zu Grunde zu richten. Cr erging sich in solche Ausfälle, daß der Abgeordnete Franz Pu!Ski erklärte, daß man diese Reden nicht ernst nehmen könne, da eS nicht die Aufgabe der Abgeordneten sei, sich mit der Ungezogenheit und Rohheit hcrumzuschlagcn. Er will den Juden, als deren besten Freund er sich bekennt, einen guten Rath crrhcilen. Sie. sollten Prämien für die besten Schüler stisten. ES sei gewiß, daß der größte Thcil den jüdischen Schülern davon zusallen würde, da sie klüger und fleißiger wären. — Man kann sich denken, daß die Antisemiten einen furchtbaren Varm hierüber anschlagen. PulSki rief ihnen aber zu: Die Herren auf den Antisemüensitzen gestehen ja selbst zu, daß aus den Reihen der Juden die meisten ausgezeichneten jungen Männer in Ungarn hcrvorgchcn. Die ganze Weisheit des AntiscmiliSmuS besteht ja darin, daß sie angeblich!5 Millionen Ungarn vor der Gefahr schützen wollte, von 600000 Juden verschlungen zu werden! * Treues«! (Ungarn), 18. Februar. Die ״N. jfib. P. Ztg." erfährt von hier, daß unser Glaubensgenösse, Dr. Samuel Weiner, zum-Stadthauptmaun ernannt worden ist. ES liegt hier der erste Fall vor, daß zu einem solchen Amte ein Jude in Ungarn berufen ist. * BcrrLmrya. Der ungarische Kultusminister hat.dem Abgeordnctcnhanse den XV. Bericht über den Stand des ungarischen UntcrrichtSwesenö im verflösseneu Schuljahre -1885/86 vorgclegt. Der Bericht enthält über daS ungarisch-jüdische Schulwesen folgende Daten, welche für Ihre Leser von Interesse sein dürften: Die Zahl der schulpflichtigen (6—12 jährigen) Kinder bcträgt 2 292 052. Hiervon sind mosaischer Konfession 116233. Die Volksschule besuchten 90266 (77,66 Prozent) jüdische.Kinder (gegen 36 234 im. Vorjahre). Volksschulen gab cS 16 305, hiervon 512 jüdische. Die Zahl der an jüdischen Schulen wirkenden Lehrer ist 947. Die Unterrichtssprache an den jüdischen Schulen ist durchgchcnds die ungarische, und doch sprechen uns die Antisemiten. jeden Patriotismus ab! Die Zahl der Schüler in den Mittelschulen betrug 41 508, hiervon Juden 7677 d.!. 19,9 Prozent. Von 100000 Jsrac- Uten besuchten die Mittelschulen 1227; die Bndapcster Universität, wird von 3375 Hörem srcqnentirt, wovon 1058 Juden sind. Das Polytechnikum besuchen 621, hiervon Inden mehr als ein Drittel, nämlich 220. (Jsr. Gemd.-Ztg.). W. Uns Galizien. An! 12. d. M. hielt der Verein ״Schomcr Israel" seine Generalversammlung ab, über welche das Vereinsorgan, der Lcmbergcr ״Israelit", einen eingehenden Bericht erstattet. Der Präsident, Herr Dr. Emil Byk, kennzeichnet die zwanzigjährige innere VercinSthätigkeit dahin, daß dieselbe ״sich hauptsächlich gegen die jüdische Masse" richtet, welcher der Verein ״bei aller Hochachtung des von unseren Vätern crebtcn heiligen Glaubens, das Ablassen von Vornrthcilen und daö Anpassen an die heutige bürgerliche Gesellschaft und den modernen Staat predigte". Nun wird gewiß ein jeder Einsichtsvolle damit einverstanden sein, daß man den von den Vätern ererbten heiligen Glauben Hochhalten, von Vorurtheilcn lassen und sich der Gesellschaft und dem Staat anpassen müsse. Es handelt sich aber darum, welche Begriffe man mit den Worten ״Hochhaltnng des Glaubens״ ,״Vornrthcilen" und ״Anpassen an Gesellschast und Staat" verbindet. Herr Byk klagt über den ״passiven Widerstand der Indolenz und der in Gedaukcnlosigkeit versumpften Gewohnheit" und erhebt den schweren Vorwurf, daß der Konflikt mit bei* orthodoxen Partei durch ״die Selbstsucht derer, denen die Fiusterniß der Masse eine Erwerbsquelle ist", hervorgerufen sei. Augcsichtö dieser harten vor der Ocffentlichkeit erhobenen Anklage dürfte cS gewiß nicht unberechtigt sein, einige Fragen an den Verein ebenfalls vor dem weitesten Forum zu richten. Versteht derselbe unter Hochhaltnng dcö väterlichen Glaubens die gewissenhafte Befolgung des JudenthumS, wie wir cs von den Vätern ererbt haben? Sind die Leiter des Vereins, der sich ״Hüter Israels״ nennt, in der That treue Hüter des jüdischen Gesetzes zunächst gegen die eigene Bequemlichkeit, die eigene Erwerbssucht, die eigene RuhmeSsucht? Mir anderen Worten: Erscheinen die Leiter des Schomer-JsraelS-VereinS als leuchtende Vorbilder einer mit allgemeiner Bildung gepaarten gewissenhaften Beobachtung deö jüdischen NeligioSgcsetzcS, so daß sie in ihren angesehenen bürgerliehen Stellungen den Sabbath nicht durch von diesen! NcligionSgcsctze verpönten Thätigkcitcn entweihen, die von diesem Gesetze vorgcschricbcncn Vorschriften in Betreff der Nahrung, des häuslichen und FanrilienlcbcnS ans daö Gewissenhafteste beobachten?? Denn dieses und nichts' Anderes dünkt uns Orthodoxen als ״Hochhaltung des׳ von den Vätern ererbten heiligen Glaubens". ׳ Verstehen sie unter Vornrthcilen lediglich Vorurthcile, nicht aber durch das von den Vätern ererbte > jüdische Gesetz geheiligte Gebräuche! Denn solche von

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