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Jeschurun · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. 124

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Article
Deutschland : München [Nachricht]
Date
1887-02-24
Page
124 (sequence 2)
Language
German
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124 Augenschein genommen, gelaugt er, ohne den mindesten Schaden erlitten zn haben, nach Jerusalem, wo er nach Besichtigung der beiden Tempel dasselbe Resultat konstatirt mit dem Zusatz, daß an den! salonionischen Tempel die Worte prangen: ״jikore ]echol hoamim, würdig allen Völkern zur Nachahmung" (wörtlich), daß in den GotteS- Hausern die Platze freigcgcben werden sollen. ״Die Ruthe her!" möchte hier Lcssing entrüstet ansrnfen. Jikore ist nicht das Snbstantivnm יקר (Würde), sondern der Niphal vom Verbum קרא (nennen, rufen). Hätte aber der NituSforscher einige Bibclkenntniß besessen, so würde ihn! ein solcher Lapsus unmöglich .gewesen sein. Er Hütte wohl gewußt, daß der von ihm zerstückelt zittirte Satz in seiner Vollständigkeit also lautet: בי ביתי בית יקרא לכל העמיס,, denn mein Haus wird Bcthans für alle Nationen genannt werden. Auf Grund dieser Forschung wendet sich nun der Wüsten- und Palästina-Reisende gegen die Diaspora, die auch heutzutage in der Zeit der Gleichberechtigung aller Konfessionen bei ihren heidnischen (?) Gebräuchen bcharrt, die Sitze in der Synagoge an den Meistbietenden zn vergeben, während die Kirche, den! Exempel der Stiftshütte der alten Juden folgend, in toleranter und humaner Weise jedem Kirchenbesucher die Betstühle frei und unentgeltlich überläßt. Abgesehen von den großen Fonds, die der Kirche zur Verfügung stehen, so :nutz doch die Liturgie der Mutter- und Tochterreligion, die trotz der engen Verwandtschaft himmelhoch von einander unterschieden sind, in Betracht gezogen werden. Der Bekenner des Christenthulns ist in seiner AndachtSvcrrichtung weder an eine gewisse Personenzahl, noch an eine absolut festgesetzte Stunde des Tages gebunden, die Kirche steht 'den ganzen Tag offen, Jeder kann kommen, wann er will und seinen religiösen Bedürfnissen Genüge thun. Der Jude hingegen ist von der Zehn.zahl der Personen, die zum Abhalten des öffentlichen Gottesdienstes unbedingt nöthig ist, abhänging und!uuß, um nicht עובר קריאת שמע zu sein, an der von den Gesetzen des "ש׳יע vorgeschriebencn Stunde in der Synagoge anwesend sein. Ferner nimmt der kirchliche Gottesdienst die Dauer von höchstens einer Stunde in Anspruch, während der jüdische Gottesdienst am שבת zwei, an den י״ט Minimum drei Stunden und an den י׳נ einen ganzen, beziehungsweise halben Tag laug anhält. Wie sollte nun, fragen wir, in Aubctracht dieses Sach- Verhaltes die Ruhe und Ordnung in der Synagoge ausrecht erhalten werden, wenn die Betplätze Herrenloscö Gut wären? Sollte etwa auch hier an der Stätte der GottcSverchrung zur Wahrung der Ruhe profane Brachialgewalt geübt werden? AllerdiugS, wenn man sich über die unbequem druckenden, daher.ünze'ttgemäßen. Paragraphen des שיעי hinwegsetzt, wenn man nach einem neuen dem Zcitgeiste entsprechenden Kirchcnkodcx (?) Acndcrnngcn verlangt, wenn man an Feiertagen bloö zur Betäubung des ruächtig erwachenden RcligionsgesühleS auch ein halbes Stündchen die Lynagogc besucht, dann allerdings wäre das Gemeingut der Bet- Plätze anzricnrpschlcn. Aber, Gott sei Dank, noch denkt nicht die große Mehrheit der jüdischen Gemeinde über NitnS und Synagoge, wie der Herr. Gewährsmann der ״Allg. Ztg.", dem trotz seiner gelehrten Schluß- Worte: cs möge doch dazu bcigetragcn werden, daß der neue israelitische Tempel in München ״keatas (?) vielleicht ״kcdatii“! — mosche wcjisrael" zu Stande komme, der Ausspruch unserer Weisen: הו׳ קובע מקום לתפלתן־ cnkgangcn ist. * Regettsbrrrg, Februar. Die ״Laubhütte" schreibt: ״Gar oft behaupten die Antisemiten, die Juden beuten ihre Arbeiter ans. DaS Gegentheil ist wahr. Die Juden sind humane Arbeitgeber. Davon auch hier ein Beweis. Die Passauer ״Douauztg." berichtet: Ein schönes.Beispiel von Wohlwollen und Fürsorge für ihre Arbeiter haben die Besitzer der Parquctfabrik Sailcrwöhr, die Herren Gebrüder Maicr-Locwi (aus Regeusburg) gegeben. Die Arbeiter der genannten Fabrik erhalten in Krankheitsfällen aus der Fabrikkraukeukasse 8 Jk 40 wöchentlich. Da sich dieser Betrag für die verhcirathetcn, besonders aber mit Kindern gesegneten Arbeiter als ungenügend erwies, so haben die Herren Maier Loewi sich verpflichtet, jeden! verheirathcten Arbeiter im Falle einer Erkrankung für die Frau und jedes Kind eine Mark wöchentlich aus ihrer eigenen Kasse ausznbczahlcn. * Krojanko (Wrstpr.),!5. Februar. Ein sehr dreister Einbruchsdicbstahl wurde diese Nacht in der hiesigen Synagoge verübt. Die Diebe erbrachen die Opferbüchsen .und nahmen deren Inhalt, gegen lO bis 12 J!L (Dan;. Ztg.) .r. Fürth. Nach dein Jahresbericht der Nicßcrscheu Stipcndien-Stiftnng sind durch diese Verwaltung im Jahre'880/86 zwanzig Stndircnde mit Präbenden in ihren Studien gefördert worden und zwar insgesammt mit 3500 in Portionen, welche zwischen 30 Jii! und 350 oü variiren. Es empfingen drei Juristen 720 J4, elf Mediziner 1940 J6., drei Polytcchniker 540 JC. und drei Seminaristen 300.0iL Seit dem Bestehen dieser (Stiftung 1867 hat dieselbe im Ganzen 25 470 cM Stipendicngeldcr an 204 Bcnefiziatcn ver- Iheilt. Das Vermögen derselben beziffert sich auf 19 694.05 oiL Die Stipcndiengelder crflosscn im Jahre 1885/86 auS Kapitalzinscn. 673.51 Ji und Beiträgen 2839.50 otL Die letzteren stammen auS Beiträgen der Kultusgemeinden: Augsburg mit 100 ./5. Regensbürg mit 50 M. und Fürh mit 50 ofi, und von Pri«

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