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Jeschurun · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. 123

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1887-02-24
Page
123 (sequence 2)
Language
German
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123 ersehen wir, daß den Rückwanderern auch der Hohn nicht erspart wird. Man beschimpft sie und wirft ihnen höhnisch vor: Seht, man will die Inden auch in Amerika nicht!) h Hamburg, 21. Februar. Am gestrigen Tage wurde der israelitische Begräbnißplatz Langcrselde cröffnet und feierlich cingeweiht. Derselbe liegt auf preußischem Gebiete in der Gemarkung des Dorfes Langcrfclde und ist von hier vermittelst der Pferdecisenbahn in einer halben Stunde zu erreichen. Von dem zur Anlage eines Friedhofs erworbenen Areale ist bis jetzt nur etwa der vierte Theil provisorisch mit einem Plankenzann umgeben worden. Der Platz selbst ist erst nothdürstig Planirt. Es befindet sich daraus ein Brcttcrhäuschcn zur Benutzung als אוהל bei den Bccrdignnacu. Sobald die Witterung cS gestattet und die Pläne behördlicher ScitS genehmigt sein werden, sott mit der Aufführung einer festen Mauer und eines - GebandeS (Hatte für das Lcichcngefolge, Leichenhalle und Aufseherwohnung) begonnen werden. — Die ErösfnungSfeier wurde von dem Herrn Oberrabbiner Stern vollzogen. Bei dein ersten Umzug innerhalb des Begräbnißplatzes wurden die Psalmen 90, 91, 6 und 30 respondirt. Sodann hielt der Herr Oberrabbiner die Festrede, welcher als Text der Ausspruch כי החיים *יודעים שיסותו zu Grunde lag. Er bekannte cs offen, daß unter den vielen Prüfungen seines Lebens ihm auch die schmerzlichste nicht erspart worden sei, sich mit seiner Gemeinde wegen der Anlegung eines Bcgrnbnißplatzeö im Zwiespalt zu sehen. Nächst dem Beistände Gottes verdanke cr eS ganz besonders dcS besonderen Wohlwollens Seiner Durchlaucht deS Fürsten BiSmarr, daß es ihm nach langen und schweren Kämpfen endlich gelungen sei, unter allen religiösen Anforderungen genügenden Bedingungen ein Grundstück käuflich zu erwerben und zum Begräbnißplatz zu bestimmen. Sodann verbreitete sich die gehaltvolle Rede über die Bedeutung dcS בית עילם in ebenso tiefer Auffassung wie in leicht faßlicher Ausführung. ES folgten darauf noch.zwei הקפות unter Ncpitirung der Psalmen 16, 41 und 49 für den einen und der Psalmen 72, 139, 112 für den. letzten Umzug. Zu dieser ernsten Feier hatte der Herr Obcrrabbincr den Vorstand und das Ncpräsentantcnkoltegium der Gemeinde, den Vorstand und das Dclcgirtcnkollegium des ShnagogcnverbandcS, sowie den Vorstand der חבדת קדישא cingeladen. Jedoch nicht ein einziges Mitglied dieser drei hochansehnlichen Korporationen war erschienen. Diese befremdende und einzig dastehende Thatsache, daß ein Rabbiner einen Friedhof erwerben muß und einen solchen seiner Bestimmung feierlich übcrgiebt, ohne daß die Gemeinde und die BeerdigungSbrnderschaft dabei vertreten ist, ist nur demjenigen verständlich, welcher mit den hiesigen Verhältnissen genau vertraut ist. DaS Faktum möge aber hiermit festgcstellt sein. -i- Breslau, 15. Februar. Die Hoffnung, an Stelle deS entschlafenen Rabbiners. Tiktin ב״ע einen Mann für den erledigten NabbinatSsitz zu erwerben, welcher den Standpunkt des gesctzcslrenei, JudenthnmS einnimint, scheint sich als eine Chimäre zu erweisen. Es ist dieses im Interesse des GemeindefriedenS sehr zu beklagen. Die Wahlkommission hätte weife gehandelt, den berechtigten Wünschen der Gesetzestreuen Rechnung zu tragen. Wie verlautet, will man aber grundsätzlich jede Bewerbung von orthodoxer Seite unmöglich machen. Die zunächst zu einer Probcpredigt Berufenen sind nicht dazn qnalifizirt, das Vertrauen der Gcsctzeslreueu sich zu erwerben. Wenn eS zu einer Sezession kommen sollte, so klage man aber die Orthoboxen nicht an, vielmehr sei konstatirt, daß nur die Unbilligkeit und Rücksichtslosigkeit der Kommission die Schuld treffe. 1(. Breslau, 20. Februar. Der hier bestehende Stcllen-NachweiS-Verein jüdischer Kaufleute, welcher sich die Aufgabe gestellt hat, stellenlosen HandlungSgehütfen und Lehrlingen Stellungen uachznwciscn, in welchen sie an der Heiligung deS SabbathS nicht gestört werden, verdient gewiß wegen dieses edlen StrebenS die vollste Anerkennung und kräftigste Förderung. Wir weisen auf dessen Bekanntmachung in dem Inseratenthcile hin, in welchem eine Anzahl Vakanzen mitgetheilt werden. W. München, 20. Februar. Es gicbt Dinge, deren Gestalt mit Worten zu kennzeichnen die nicnschliche Sprache als unzureichend sich erweist. Manche Erscheinungen können in uns wohl Staunen und Bewnndcrung erregen, dieselben aber auch nur annähernd zu skizziren, ist kein Idiom der Welt im Stande. Ein derartiges undcfinirbares Ding, eine solche monströse Erscheinung bietet die Münchener ״Mg. Ztg." vom 19. d. M. in Form eines sehr laugen, höchst gelahrten Artikels unter de'rUeberschrift: ״IsraelitischerTempclban der alten und der neuen Zeit," dar. Hier wird Synagoge und Kirche in einen Topf geworfen, und der erflaiinte Leser bekommt nun ein, wenn der Ausdruck gestattet ist, Nonplusultra-Gericht aufgetischt. Wir wären versucht, der besseren Ucbcrsicht wegen, diesen Artikel zu rcprodnzireu, aber die Spalten dcS ,,Iefchurun" sind keine Ablagernngskammern, um derartige Phantasieanögeburtcn ausnchmen zu können. Nachdem der ge׳ ehrte^ Autor eine Wanderung durch die große Wüste gemacht und nach Art dcS Forschers die Räume der .Stiftshütte, in denen nach seiner genialen Entdeckung die Vetplätzc un! schnödes Geld nicht feil sind, vielmehr jeder Andächtige, ohne Unterschied seiner sozialen oder materiellen Stellung, nach Belieben Platz nimmt, in

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