Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1887)
- Article
- Rußland : aus Ostsibirien [Nachricht]
- Date
- 1887-02-17
- Page
- 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Kehricht zu suchen, weil cs ihm möglich schien, daß es mit dem Abfall ans dem Hause dorthin geschasst sein könnte. Bon diesem Gange kehrte das Mädchen nicht wieder zurück. Nun wäre allerdings der Gedanke nicht ferne gelegen, daß dasselbe bei dem eifrigen Suchen am Ufer des Flusses verunglückt und in das Wasser gefallen sein könnte, oder daß es sich der angcdrohlcn harten mütterlichen Züchtigung durch einen Sprung in den Fluß entzogen hätte. Statt aber auf diesen Gedanke:׳, zu kommen, tauchte die Beschuldigung auf, daß die Juden sich des Kindes bemächtigt und cs gctödtet hatten. Man sprach auch von den: Gebrauch von Blut zur Bereitung des Pcßachbrodcs, kurz, das ganze Dorf nahm eine drohende Haltung gegen die Juden ein und stellte während der Nacht Wachen auf, um die heimliche Verbringung des LeichnahmS aus dem Dorse durch die Juden zu verhindern. Zum Glück landete bald darauf die Leiche des Mädchens in dem Flusse, welcher dieselbe 30 Werst stromabwärts geführt hatte. Amerika. (!. Ncwyork, Februar. Die von Herrn Morris Wechsler herausgegebene ״Newhorker Jüdische Zeitung" enthält einen sehr bcherzigcnswcrthen Artikel, welchem das Folgende entnommen ist. ״Wir habe!! zu euch, theuerc Brüder, gesprochen in עניני בשר בשר nicht ein Mal und nicht zehn Mal — cs ist auch eine הברח זבחי!?ביב vorhanden; jeden Dienstag werden Meetings abgchaltcn, aber wer kümmert sich, ob ein תיקון oder nicht? Wir haben ZN euch gesprochen in Angelegenheit der Abstellung so vieler Mängel בעניני מילה וסידור קידושין. — — Ähr werdet nun einst aus eurem Traume erwachen und sehen, wie die Nefornrer es gesetzlich durchsetzen werden, daß nur ihnen das Recht zusteht ממדד קידושין ZN sein, und die ״lumpigen Orthodoxen", wie uns die Reformer nennen, werden bei einem Neformprcdigcr betteln, daß er bei uns nur einen סידוד קידושין annimmt. Meinet nicht, daß wir hier etwas Unmögliches sagen; ihr werdet sehen, cs wird ganz gewiß so kommen. Wir haben zn euch gesprochen in Angelegenheit eines דב הבולל — aber wer kümmert sich darum? Keiner. Die meisten הברות haben jetzt mit sich allein zu thuu. Sie bauen großartige Schulen-davon aber keine, wie man die eingefallenen Mauern des Judcnthunls aufrichten soll.-Die הברות haben für Alles Geld, für theuere Chasonim und großartige' Bauten. Will nmn aber von einer eine jährliche Beisteuer von׳ 50 Dollar haben, um einen דב הבולל anstelle« zu können, so ist Niemand da."-Diese Klagen sind gewiß sehr berechtigt, und cS ist gut, daß sie zum Ausdruck gebracht werden. Vielleicht werden doch die Herzen gerührt. Die Anstellung eines ächten, weisen, für das Judenthum wahrhaft begeisterten Nabbiners, welcher von sämmtlichen orthodoxen Vercinigungen der hiesigen Stadt als Oberhaupt anerkannt würde, wäre in der That ein Werk der Rettung. Zypern. * lieber die in voriger Nummer erwähnte traurige Lage einer Anzahl unglücklicher Glaubensgenossen, welche von Numüuim nach Zypern ausgewandert war, wurde in der Sitzung der Auglo-Jewish Association zu London am 6. d. M. das Folgende berichtet: Nach den Mit-!Heilungen, welche der oberste Beamte von Zypern, Sir Henry Bulwcr, an das Auswärtige Amt unterm 11. Dezember v. I. gelangen ließ, haben diese Ein!- grauten keinen Anspruch aus das Zyprische Jndigenat. Diese 62 Personen werden jetzt von der Negierung mit dem Allcrnothwendigsten täglich versehen Da sie aber zu einer dauernden Belastung führen, so will man sie nach Nuinänicn, ihrer Heimath, oder einem andern gceiguetcn Lande übersührcu. Die Aermsten selbst bitten darum, nach Konstantinopel gesendet zu werden. Persien 1M. Die Juden in Persien befinden sich, wie allgemein bekannt, in einer überaus gedrückten und vcrachteten Stellung, welche auch ucucrdiugS durch den Bericht dcs Zugländers Z. Will, der Persien bereist hat, bestätigt wird. Sic sind fortwährend Chikanen, rohen Willkürakten der Beamten und der beschimpfendstcn Behandlung auSgcsctzt. Sic haben eine besondere drückende Kopfsteuer zu leisten, deren Eintreibung mit der höchsten Unbarmherzigkeit selbst von dem Aermsten erwirkt wird. Es ist nicht selten, daß der Steuercrhcbcr mitten im Winter dem säumigen Zahler die Thür und Fenster seines Häuschen aushcben und aus offenem Platze vcrbrcnucn läßt. An den persischen Festtag n werden die Juden zu den entwürdigendsten Späßen benutzt. Wird ein Kind auf einige Stunden vermißt, so schweben die Juden in Gefahr, ausgcplündert und mißhandelt zu werde!:. In den Städten müssen die Juden ein eigenes Quartier bewohnen, in welches aber oft der Pöbel einbricht, um seine Lust an ihucu zu kühlen. Zs ist nichts Seltenes, daß z. V. bei HochzcitSfcstcn der süße Pöbel sich ungebeten an den Tisch setzt und sich gütlich thut und zum Danke für diese erzwungene Gastfreundlichkeit den Gastgeber beschimpft. Zs wohncn etwa )9 000 Juden in Persien, sieißigc, rührige, geschickte, zuverlässige, brave Menschen, die meisteutheils wohl unterrichtet sind, trotzdem die öfsentlichen Schuten ihnen verschlossen bleiben. Jeder Gemcinde steht et» Chacham vor. Die Mission bestrebt sich vergebens, die gedrückten Leute in ihr Netz zu ziehen. Uebertritte zun! MuhaniediSmuS kommen nicht vor, außer leider, wenn jüdische Frauen von Bekennen!